Hail to the King of (Scripted) Reality

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Wer auch immer dachte, dass das Nachmittagsprogramm von Sat 1 und RTLII der Abschuss an hirnerweichender „Reality“ wäre, den muss ich jetzt ganz bitter enttäuschen.

Es gibt einen (persönlichen) neuen Stern am Himmel der „Reality“-Serien. Nein, es ist nicht das jüngst verstorbene Newtopia sondern es läuft auf History.

Ja, richtig, zwischen Weltkriegs-Dokus und Trödelsammler hat sich mal wieder eine echte Perle der Mysterie bei History eingeschlichen.

Oak Island – Fluch und Legende

Dabei geht es um eine unbewohnte Insel vor der Küste von Nova Scotia, auf der verschiedenen Sagen und Legenden nach ca. 500 vor Christus schottische Piraten-Wikinger die Bundeslade und so ziemlich allen anderen Mist verbuddelt haben, den sie nur finden konnten. So zumindest die Kurzzusammenfassung dessen, was angeblich auf der Insel alles versteckt ist.

Diese Rätsel zu lösen hat sich ein pensionierter Postbote zur Aufgabe gemacht und investiert dafür die Millionen seines Bruders, der mehr oder weniger halbherzig auch an diesen Kram glaubt.

Denn, so bekommt man vor jeder Episode erzählt, erst wenn das siebte Opfer auf der Insel gestorben ist, dann wird die Insel ihr Geheimnis preis geben. Meine Theorie ist, die sich auch mit der vieler im Internet deckt, dass das siebte Opfer nicht auf der Insel stirbt, sondern ein Zuschauer ist, der vor lauter Wiederholungen von Wiederholungen innerhalb der Serie, der Staffel und der Folgen, auf dem Sofa sabbern in sich zusammenbricht. Denn, auch am Ende der zweiten Staffel, nach 20 (!) Folgen, bekommt man noch erklärt, dass ein älterer Herr auf der Insel schon seit fast 50 Jahren versucht das Geheimnis zu lüften.

Und obwohl die Serie aus dem letzten Jahr ist, greift man sich doch an den Kopf, was nicht nur an den Wiederholungen liegt.

Da wäre zum Beispiel eine kahle Stelle auf der Insel auf der kein Baum wächst, die natürlich sofort hochprofessionell mit einem Wünschelroutengänger abgegangen wird um sie dann mit einem Bagger nach versteckte Schächten abzusuchen. Ein paar Meter tief und im Abstand von 10 Metern. Wenn das alle paar Jahre jemand macht, dann ist eigentlich klar, warum das nichts wächst. Und dann diese bodenlose Enttäuschung, weil man nach ein paar Metern (Tiefer reicht der Arm des Baggers nicht…) kein Gang oder Holz zum Vorschein kommt, während die Stimme aus dem Off sagt, dass der Tunnel auch viel tiefer liegen könnte. Aber Hauptsache mal gebuddelt.

Oder dass man einen ganzen, wahrscheinlich künstlichen Sumpf trocken legt um ihn dann mit einem seltsamen Schleppbodenradar zu vermessen und sich auf ein „Naja, es könnte schon sein…“ zu einigen.

Highlight ist und bleibt aber die Money Pit und das Bohrloch 10X. Angeblich, und da sind leider alle Beweise verschwunden, hat man irgendwann im Money Pit mal Bohlen in regelmäßigen Abständen gefunden. Und eine mysteriöse Steinplatte. Wie gesagt: Dummerweise alles verschwunden und vielleicht ist die Money Pit auch mit Fallen gesichert.

Deswegen wagt man sich wieder an das Bohrloch 10X, das ein Abenteurer in den 70er gebohrt hat bis zu einer Tiefe von 72 Metern und dort Kisten, Werkzeug und was weiß ich noch alles auf verrauschten Bildern gesehen haben will. Zurück im Jahr 2014 ist die Stahlwand total verrostet, aber man will da Taucher runterschicken. Das hat dann nix mehr mit Spannung zu tun sondern man fragt sich wie blöd muss man eigentlich sein. ROVs tauchen bis zur Titanic aber die zwei Brüder haben nichts besseres vor als Taucher da runterzuschicken. Auf die Idee sind sie natürlich nicht alleine gekommen, sondern sie haben sich „professionelle“ Hilfe geholt: Einen Möchtegern-Indiana Jones, der seinen abgerissenen Leder-Halfter nicht einmal zu Plattform verstärken ablegt. Wohlgemerkt: Wir sind hier in Nova Scotia und nicht im Dschungel Mittelamerikas.

Es kommt dann auch wie es komm muss: Die Taucher scheinen so professionell wie ihr Kontaktmann zu sein und verheddern sich gleich mal in den rostigen Rohren. Wahrscheinlich hat man einfach keine anderen Dummen gefunden, die sich in etwas mehr als zwei Meter breite Stahlröhre werfen, die seit den 70ern vor sich hinrostet und gespickt ist mit Röhren und Leiterfragmenten und angefüllt ist mit trübem Wasser.

Habe ich schon gesagt, dass wir das Jahr 2014 haben? Warum zwei Menschen in Gefahr bringen, wenn ich einen Tauchroboter ins Wasser schmeißen kann?

Aber hey, wo blieben die drei Minuten Spannung. Und immerhin hat man noch eine Ersatztaucher, zwei Sanitäter und einen zweiten Kran breit falls was passieren sollte.

Alles in allem tut es fast schon weh diese Sendung zu sehen. Auch wenn ich hoffe, dass es eine dritte Staffel gibt. Aber auch nur um zu sehen ob sich die beiden Brüder immer noch so selten dämlich anstellen oder ob es vielleicht ein bisschen professioneller wird.