Es schnurrt nicht mehr

Es schnurrt nicht mehr

Unser Weg mit Snips endete am 8. März um kurz nach 9 im Behandlungsraum 1 der Tierklinik. Snips hatte stark gekämpft, aber jetzt war ihre Kraft am Ende. Denn auch die größte Katzendame und das größte Katzenherz können irgendwann einfach nicht mehr. Wir hätten sie gerne länger bei uns gehabt als die 18 Monate und etwas mehr als eine Woche, die wir am Ende hatten.

Es kam am Ende alles sehr schnell und für uns ebenso überraschend. Seit Sommer war klar, dass sie ein Problem mit dem Magen hat. Erst deutete sich der Verdacht an dass sie eine chronische Darmentzündung hat, es konnte aber nicht direkt bestätigt werden. Und so war für uns eine Woche ohne kotzende Katze eine gute Woche. Und auch ein Grund, warum wir eine Kamera gekauft haben. Seitdem waren wir fast schon Stammgast in der Tierklinik. Das Auto kennt den Weg auswendig und ich weiß, wie lange ich zu Fuß brauche um mir bei McDonalds einen Kaffee zu holen. Dass wir zwischendurch zu sowas harmlosem wie Impfen in der Klinik waren, fällt gar nicht mehr ins Gewicht.

Aber im Gegensatz zum Sommer ging es Snips zu Hause gut. Sie hat sich wohl gefühlt, gespielt und uns ordentlich gezeigt, was so ne Katze drauf hat. Zwischendurch mussten wir eben den Teppich waschen oder austauschen. Und so haben wir uns auch nichts dabei gedacht, als sie Donnerstag auf Freitag nachts um drei auf meinem Bauch schlafen wollte. Denn das war normal. Wenn es ihr nicht gut ging, wurde beim Katzenpapa geschlafen. Wahrscheinlich auch, weil ich leichter rumzukriegen war. Samstags wurde der Einkauf kurzerhand nach hinten verschoben, weil sie immer noch nicht fressen wollte. Stattdessen gab es wieder einen Ausflug zum Tierarzt. Mittel gegen die Übelkeit und ein Schmerzmittel, weil man doch was gefühlt hat. Für’s Fressen hat es leider nichts gebracht. Am Ende mussten wir mit Futter nachhelfen, was uns dann auch sehr weh getan hat. Wie erklärt man einem Tier, dass man es nicht quälen will sondern ihm nur helfen will?

Und weil’s alles nichts gebracht hat, wieder der Ausflug nach Lengfeld am Montag. Und das erste Mal, dass meine Frau ohne Katzenkorb wieder rauskam. Ein halber Tag stationär für Infusionen und am nächsten Tag zur Kontrolle. Eventuell ein Ausflug nach München zu Spezialisten von der LMU. IBD und Diabetes sind einzeln schon doof. Zusammen braucht das aber keiner. Wieder schmusen, kein fressen. Und der Wunsch der Katze, den lästigen Verband am Bein loszuwerden. Und man konnte auch wieder auf dem Katzenpapa schlafen. Ich glaube, es war am Montag, dass wir das erste Mal drüber geredet haben, wie lange wir das machen. So lange Hoffnung besteht war unser Deal.

Ich habe an diesem Montag das erste Mal gemerkt, wie leer sich die Wohnung anfühlt, wenn die Katze nicht da ist. Auch wenn die Katze auf dem Bett oder dem Sessel geschlafen hat, die Wohnung hat doch geschnurrt. Und wenn es für mich schon so schlimm war, was dachte wohl die Katze? Die blöden Zweibeiner haben mich einfach zurückgelassen?

Der Dienstag begann dann mit einem optimistischen Motzen. Man hatte Hunger. Dringend. Aber wie nach einer durchzechten Nacht mit einem dicken Schädel, ging einfach nichts rein in Snips. Die Nase in die diversen Näpfe gesteckt, von unserer Seite auf die Diät verzichtet in der Hoffnung, dass irgendwas in die Katze reingeht. Kontrolle um 9 beim Tierarzt, Katze stationär bis zum Abend. Es siegt, das Prinzip Hoffnung, dass sich das schon wieder einrenken wird. Sie war ja noch fit.

Was dann zu Hause Abends aus dem Korb kam oder gehoben wurde, war nicht das was wir am Morgen abgegeben hatten. Sie pumpte wie ein Maikäfer, verzog sich auf ihren Sessel und rollte sich zusammen. Kein einfordern von Liebe, Leckerchen oder Streicheleinheiten. Ich dachte, sie ist einfach fertig und braucht ihre Ruhe. Weil man selber nicht konnte, wurde man ins Bett getragen. Sie hat sich dann zwischen meinen Beinen zusammengerollt und ist eingeschlafen. Immer noch pumpend wie ein Maikäfer. Die Nacht habe ich dann angedockt an sie verbracht. Um ihr zu zeigen dass ich da bin und selber zu wissen, dass sie noch da ist. In den anderthalb Jahren haben wir schon mehr als einmal nachts geschockt kontrolliert ob die Katze noch atmet, wenn es ihr nicht gut ging.

Es muss dann wohl irgendwann gegen halb 5 gewesen sein, als ich gemerkt habe, dass da nichts mehr an meinem Knie liegt und bin sofort hochgeschreckt um zu schauen wo sie ist. Meine Frau war schon wach: „Sie ist in ihrer Höhle. Ich glaube, sie schafft es nicht…“

Wir haben in den nächsten Stunden viel geheult. Zusammen und auf dem Boden vor der Katzenhöhle. Und bis zu Letzt, wollte Snips uns sehen und gekrault werden. Nur leider hatte sie nicht mal mehr die Kraft zum schnurren.

Am Ende war es einfach zu viel für eine kleine große Katzendame. Ich hätte ihr an diesem Morgen so gewünscht, dass sie einfach die Augen zumacht und einschläft. Aber die kleine Kämpferin hat einfach weitergemacht. Die Frage beim Tierarzt, wie die Chancen mit dem neuen Thoraxerguss für sie stehen, war der letzte Strohhalm, an den wir auch nicht mehr geglaubt haben. Um kurz nach 9 haben wir sie zusammen über die Regenbogenbrücke geschickt und ein letztes Mal den Bauch geflauscht.

Sie fehlt an allen Ecken und Enden. Und ich hätte gerne mehr Zeit mit ihr gehabt. Dass es so schnell bergab ging, macht es nicht einfacher. Wir hatten seitdem viele erste Male ohne sie an die wir uns so sehr gewöhnt haben und die fest zu unserem Tag gehört. Wir haben gemerkt, dass die 18 Monate viel länger waren als nur 18 Monate und sind selber verwundert, dass das alles noch nicht so lange her ist. Wahrscheinlich auch, weil wir in den 18 Monaten nur ein paar Monate eine „normale“ Katze hatten. Eine ohne Tabletten und ohne Spritzen.

Sie war eine verrückte, verschmuste, faule aber sehr clevere Diva. Und sie wird uns fehlen. Wir lieben dich, kleine Snips. Danke für alles.

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4 Comments

  1. Oh nein! Als Haustiermensch, aktuell lebt eine graue Katze – seit 10 Jahren – mit uns, weiss ich so ein bisschen, was Ihr durchmacht. Auch wenn‘s sicher nicht hilft, Ihr habt das beeindruckend gemacht, sie bis zum Schluss begleitet. Alles Gute Euch! Und gute Grüsse zu Snips. Danke, dass Du das hier aufgeschrieben hast! Ich habe die Eindrücke von ihr hier sehr sehr gern gesehen!

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