„Ich hätt‘ da mal ne Frage…“ – Jenna Shotgun

Sie war schon „Würzburgs blonde Wunderwaffe“, der Mode-Schreck des Bloggerstammtischs bevor sie zur Vorleserin und Interviewerin der Superstars wurde und sich als Kleinstadt-Mädchen aufmachte die große Stadt zu erobern.
Jetzt ist sie wieder hier. Zumindest virtuell und ich fühle ihr als erste mal auf den Zahn, was es so mit ihr und ihrem Blog http://i-say-shotgun.blogspot.com auf sich hat.

Vielen Dank erst mal, dass Du hier als allererste vor einem Millionenpublikum die Hosen runterlassen willst und als allererste Deine mühevoll aufgebaute Reputation im Netz zum Teufel schickst. Ich weiß, dass schon allein bei der Vorstellung der eine oder andere schweißnasse Hände bekommt, aber wir werden hier schön anständig bleiben.

Ich habe mich ehrlich gesagt ein wenig dazu genötigt gefühlt – man will es sich ja schließlich nicht mit dem Sensenmann verscherzen.

Genötigt… wie sich das anhört… Fast so als hätte ich schon mit der Sense gedroht. Aber ich beglückwünsche Dich zu Deiner weisen Entscheidung!
Also, liebe Frau… ja, wie eigentlich? Jenna? Miss Shotgun? Oder ganz was anderes? Wie wirst Du den am liebsten angesprochen, so mal ganz unter uns?

Von dir? Am liebsten Herrin und Meisterin. Von allen anderen Jenna. Wobei ich auch gegen Miss Shotgun oder Madame Fusil de Chasse nichts einzuwenden habe. Wer allerdings meinen richtigen Namen – nämlich Jana – benutzt, muss damit rechnen, von Frau Schrotflinte ordentlich umgenietet zu werden.

Sie belieben wohl zu scherzen, „Jenna“… Aber wie dem auch sei, wir wollen das ganze ja ein bisschen förmlich und ordentlich aussehen lassen. Wo würde dieses Interview denn dann stattfinden, wenn Du es Dir denn frei aussuchen könntest?

An der Theke des Sage Club bei 2-4 Cuba Libre. Dazu würdest du hoffentlich auch nicht „nein“ sagen, oder?

Ich sehe, Du versuchst es klassisch… Du willst den Tod unter den Tisch trinken! Das wirdsonichfungsiondings… klappen! Wackelt die Theke oder bin ich das?

Was an Deinem Blog ja als erstes auffällt oder ins Auge fällt, aber wahrscheinlich einer der langweiligsten Fragen ist auf die man bei einem Interview mit Dir kommen kann: Wie bist Du überhaupt auf den Titel gekommen? Welche blutige und brutale Geschichte verbirgt sich dahinter? Bist du am Ende eine versteckte Waffennärrin? Sozusagen die vegetarische Antwort auf Bruce Wayne?

Das ist eine Frage, die mir wirklich immer wieder gestellt wird, allerdings hat sie bisher niemand so aufregend formuliert wie du. Ich glaube, die meisten denken tatsächlich, ich hätte eine Vorliebe für Schusswaffen oder würde im Auto einfach nur gerne den Platz des Beifahrersitzes beanspruchen (was sogar nicht ganz falsch ist – eine selbstgeschriebene Shotgun-Regel von mir lautet „Miss Shotgun hat immer Shotgun“). In Wirklichkeit hat mich aber das Lied „Time to Dance“ von Panic! at the Disco, welches ich beim Erstellen meines Blog gehört habe, zum Titel inspiriert, denn da heißt es an einer Stelle „When I say Shotgun, you say Wedding“ und weiter „Fashion Magazines line the Walls“, was ich lange Zeit als Untertitel geführt habe. Langweilig, nicht wahr? Ich habe schon überlegt, nach Wedding zu ziehen, nur um der Geschichte ein wenig mehr Würze zu verleihen.

Hört sich an als könne man daraus wirklich eine Legende stricken. Musst Du also nur noch umziehen und behaupten, dass es nie anders gewesen wäre…Und seit wann machst du das ganze?

Seit etwa vier Jahren.

Das ist ja noch eine übersichtliche Zeitspanne.
Wie hat es denn damals bei Dir angefangen mit dem bloggen?

Das weiß ich gar nicht mehr so genau. Ich glaube, ich hatte irgendwie Langeweile und dachte, ich müsste meine Gedanken unbedingt mit der Welt teilen.

Also hat sich seit damals nicht all zu viel geändert, was Dein Mitteilungsbedürfnis angeht!
Warum dann gerade Mode? Oder hat es sich eigentlich alles ganz anders entwickelt und bist dann nur zufällig bei Mode gelandet?

Vor „I say Shotgun“ hatte ich bereits einen Blog auf einer anderen Plattform, der sich nicht mit Fashion beschäftigt hat – zumindest nicht in dem Maße, wie es zwischenzeitlich auf meinem jetzigen Baby der Fall war. Zur Mode bin ich dann durch Foren und andere Modeblogs gekommen. Das war ein Thema, das mich schon immer interessiert, in meinem privaten Umfeld aber keinerlei Rolle gespielt hat. Anfänglich als bloßes Outfit-Tagebuch gedacht, hat sich „I say Shotgun“ immer weiter entwickelt und tut es bis heute.

Das merkt man, wobei man ja Attribute wie „Stilikone“ und „Vorbild“ nicht grad zwangsläufig mit Dir in Verbindung bringt, trotz dessen, dass Du ja ein Ex-Modebloggerin bist.

Ich bin in deinen Augen also kein modisches Vorbild? Wie erklärst du dir dann deine eigene Entwicklung, was die Kleidung betrifft, seit wir uns kennen?

-hüstel- Wie meinen? Ich glaube, der Cuba hier ist doch ziemlich stark…Wo waren wir doch gleich? Achja… Wie würdest Du deinen Blog jetzt beschreiben und das was Du dort so mit der Öffentlichkeit teilst?

Ein Sammlung aus Bildern, Texten und Musik aus meinem Leben, viel Berlin, jedoch wenig wirklich Privates. Aufgrund verschiedener unheimlicher Vorfälle in der Welt der Blogger und vor allem auch im „wahren Leben“ vermeide ich es mittlerweile, Fotos von mir zu zeigen. Früher hätte ich „I say Shotgun“ als Tagebuch bezeichnet, heute läuft das alles sehr viel kontrollierter. Wer weiß, vielleicht traue ich mich irgendwann auch wieder an Outfitfotos ran, aber momentan kommt es für mich nicht in Frage, was wohl die meisten meiner Leser jetzt enttäuschen wird, da ich das bisher nicht so offen ausgesprochen habe.

Gab es deswegen denn schon Kritik oder negatives Feedback? Fallende Besucherzahlen?

Ja und ja. Die Besucherzahlen haben sich mehr als halbiert, seit ich nur noch unregelmäßig und vor allem auch keine Outfits mehr blogge. Aber diese Kritik habe ich an mir vorbeiziehen lassen, da es sich hier wie gesagt um eine Einschränkung handelt, die aus meiner Sicht einfach bitter nötig war, um mich selbst zu schützen, so doof das auch klingen mag.

Abgesehen davon, was würdest Du als bisheriges Highlight Deiner bisherigen Bloggerkarriere bezeichnen? Und gibt es etwas dass du eher bereust?

Bereuen tue ich nichts, nein. Natürlich waren die Erfahrungen, die ich im Laufe der Zeit gemacht habe, nicht durchweg positiv, aber alles in allem hat mich der Blog sowohl persönlich, als auch beruflich einen großen Schritt weiter gebracht, wie ich finde. Highlights waren und sind für mich dabei immer die Begegnungen mit anderen Menschen gewesen – seien es jetzt Designer, Blogger oder Leser. Besonders schön finde ich, dass sich aus einigen „Blog-Bekanntschaften“ echte Freundschaften entwickelt haben, die ich nicht missen möchte.

Wie viel reale Frau…

Schrotflinte!

(Jetzt hätte ich doch fast das Falsche gesagt!)

…steckt in der Person, die da bloggt? Hat es die echte Jenna in all den Jahren verändert oder würdest du sagen, dass du immer noch die bist, die du am Anfang warst?

Natürlich hat mich das Bloggen verändert. Ich bin offener geworden, was das Zugehen auf fremde Menschen betrifft, habe mir ein dickeres Fell zugelegt und gelernt, besser mit Kritik umzugehen und die Ansprüche an mich selbst und das was ich tue nach oben geschraubt. Dass ich aber auch ein bisschen Arroganz gegenüber den Leuten, die sich früher über mein Hobby belustigt haben, entwickelt habe, kann ich nicht abstreiten. Wie viel reale Jenna man wirklich auf „I say Shotgun“ rauslesen kann, kann ich nicht beurteilen. Möchtest du vielleicht etwas dazu sagen?

Möchte ich das? Ich glaube, das kann man nicht beschreiben. Das muss man schon persönlich erleben.
Abschließend hast Du jetzt noch die seltene Gelegenheit nochmal so richtig vom Leder ziehen warum die Leute deinen Blog lesen sollten und was Dich so einzigartig macht.

Ganz einfach: weil du mir die große Ehre erwiesen hast, als erste Bloggerin an diesem Interview teilnehmen zu dürfen. Du hast mich ja schließlich nicht grundlos ausgewählt, oder?

Ich dachte mir, ich fange mit einer interessanten und attraktiven Frau an. Leider hast dann nur Du Dich gemeldet. -grinst-

Was meinst du, warum ich das Interview in einer dunklen Bar führen wollte? Den Cuba hab ich auch nur gewählt, damit wir uns gegenseitig ganz schnell schön trinken können und in Plauderlaune verfallen! Ich persönlich bevorzuge eigentlich nämlich ganz mädchenhaft Cosmopolitan, wenn ich mich mit jemandem auf einen Drink treffe.

Ich bedanke mich trotzdem sehr herzlich für dieses interessante Gespräch und hoffe, dass ich auch andere auf Dich und Deinen Blog aufmerksam gemacht habe oder der eine oder andere Dich jetzt vielleicht in einem anderen Licht sieht.
Vielen Dank und auch weiterhin viel Erfolg mit deinem Blog!

3 Kommentare

  1. Ähm … gut dass ich für derlei Interviews nicht zur Verfügung stehe.

    Trotzdem eine ganz passable Idee.

  2. Madse sagt:

    Ich find die Idee (und die Umsetzung) ausgezeichnet. Ohne dieses Interview hätte ich ihren Blog warscheinlich bis zum Ende meiner Tage nach der Referenz zum Titel durchsucht…

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