#PureEmotion und doch knapp verloren

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Ich gebe es offen zu:

Ich war gestern schon ein bisschen nervös. Zum einen war es für mich schon ein bisschen wie Weihnachten offizieller Ersatz-Courtsider für die s.Oliver Baskets zu sein und zum anderen hatte ich auch ein bisschen Bammel, dass die Ulmer mit den Baskets in der eigenen Halle den Boden aufwischen.

Nach dem Auftritt gegen Hagen und Bayreuth und dem gleichzeitigen 40-Punkte-Ausrufezeichen der gestrigen Gäste aus Ulm gegen Bremerhaven war das leider alles im Bereich des möglichen.

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Und auch wenn ich das Ende schon wieder vorweg nehme: Es war am Ende nur ein Punkt der bei der 80:81-Niederlage gefehlt hat und nicht ganze 40. Etwas übertrieben könnte man sogar sagen, dass die Mannschaft sich in den letzten Sekunden um den wirklich verdienten Lohn ihrer Arbeit dieses Abends gebracht hat.

Es waren nicht einmal mehr genügend Sekunden auf der Uhr um die Shotclock laufen zu lassen, als Demond „Tweety“ Carter diese einfach laufen ließ. Auf der anderen Seite des Feldes saßen mindestens drei Medienvertreter, denen in dem Moment das blanke Unverständnis ins Gesicht geschrieben stand. Scheinbar wollte man es zum Schluß besonders spektakulär machen und Ulm jede Chance nehmen, noch einmal zum Angriff überzugehen.

Sechs Sekunden vor Schluss kam dann der Pass auf Ricky Harris, der aber bei seinem Versuch, das Spiel mit einem Dreier zu beenden an der Defense der Ulmer zerschellte und der Ball deshalb gar nicht erst in den Korb wollte. Dass Philipp Schwethelm dann beim Rebound 0.8 Sekunden vor Schluss noch gefoult wurde, war dann fast schon nur noch Makulatur.

Sicherlich war das nicht die einzige spielentscheidende Szene gestern Abend, aber es ist die, die eben im Kopf hängen bleibt. Warum zieht in dem Moment nicht jemand zu Korb und versucht das Ding rein zu machen? Einfach nur mit aller Gewalt durch den Ring zu stopfen? Gefühlt wäre die Niederlage gestern mit weniger Fassungslosigkeit quittiert worden, wenn Ulm im Anschluss noch einen Angriff gehabt hätte und dann vielleicht glücklich mit einem Buzzerbeater gewonnen hätte. Aber so?

Bis dahin war es ein großartiges Spiel. Die Mannschaft war in Körpersprache und Auftreten nicht mit dem Team von vor einer Woche zu vergleichen. Und auch die Fans waren mit denen von vor einer Woche nicht zu vergleichen. Das waren 40 Minuten bedingungslose Unterstützung von den Rängen, so dass mir heute noch leise die Ohren fiepen. Spätestens in dem Moment, als Jason Boone auf seine unvergleichliche Art fast den Korb auf der Gegenseite abgerissen hätte, war es vorbei.

Allerdings war es bis dahin nicht alles nur schick und schön. Nachdem die erste Hälfte auf Augenhöhe lief, hat sich die Defense scheinbar wiedereinmal in der Pause unter der Dusche versteckt. Zumindest waren nach dem Pausentee auf einmal Fehler zu sehen, die ich einfach nur als haarsträubend bezeichnen kann.

Als Augenzeuge verwundert es zumindest nicht, dass die Würzburger nicht mehr mit dem einen Halbzeitführungsbuzzerbeaterdreier von Carter einen Punkt vorne lagen, sondern auf einmal einem 14 Punkte Rückstand hinterherrennen mussten. Die Ursachen waren da sehr vielfältig: Nicht einmal die Rebounds wie in den letzten Spielen. Die Hoheit unter dem eigenen Korb war schon sehr stabil, auch wenn es bedenklich ist, dass der Kleinste im Team das Reboundmonster ist. Vielmehr hatte ich das Gefühl, dass die Defense zum Anfang des dritten Viertels den Start verschlafen hatte und dem Gegner fast schon den roten Teppich zum Korb ausrollte.

Haarsträubend war auch, was da teilweise beim Ballvortrag zusammengestolpert wurde. Jubel über eine gelungene Defense-Leistung, die in einem Ballgewinn endete um dann Sekunden später die ganze Halle aufstöhnen zu hören, weil der Ball doch, teilweise schon vor der Mittellinie, wieder in den Händen der Gegner war. Großer Unglücksrabe was Sven-Schultze-Gedächtnispässe und Schmierseife an den Fingern war gestern Abend Mo Stuckey. Das war irgendwo zwischen Leid und weh tun.

Herumgesprochen hatte sich scheinbar auch noch nicht, dass die Ulmer gute Schützen von der Dreierlinie haben. Der ballführende Spieler wurde gedoppelt und durch zwei, drei schnelle Pässe landete der Ball dann in den Händen eines Dreierschützen, der viel zu oft mehr oder weniger unbehelligt abdrücken konnte. Etwas ähnliches ist mir auch schon beim Bosch Rexroth Cup aufgefallen, als der Bonner Veikalas mit ähnlichen Mitteln viel zu oft frei zum Schuss kommen konnte. Nur dass das eben die Preseason war.

Aber ich kann mich auch in der letzten Saison dran erinnern, dass es eine ganze Serie gab in der man als Fan gezittert hat, dass Tiefschlaf-Viertel dieses Mal bitte ausfallen möge.

Aber, wie eingangs schon erwähnt, kann man das Spiel aber eben dann doch auf den einen Spielzug am Ende eindampfen, der hängen bleibt. Da hat sich die Mannschaft um den Lohn für die harte Arbeit gebracht. Ich hätte es ihnen gegönnt und halte immer noch große Stücke auf den Kader.

Nachdem es jetzt das zweite Mal in der Halle angesprochen wurde, will ich es doch mal aufgreifen. Scheinbar gibt es mittlerweile Missmut, was die Anfeuerung der Mannschaft angeht. Soweit ich mich erinnern kann, hat die Steh-Geschichte mit den Playoffs angfangen. Nach einer Saison werden die ersten missmutigen Stimmen laut, dass man nicht immer stehen will.

Meiner Meinung nach macht es viel der berühmten Stimmung bei uns in der Halle aus. Ich verstehe aber auch diejenigen, die nicht durchgehend 40 Minuten stehen können. Ein Spiel wie gestern, wo es ja nochmal vom Hallensprecher erwähnt wurde, kann ich mir sitzend nicht vorstellen. Ich glaube, die peitschende Stimmung wäre so nie zustande gekommen.

Ich gehe gerne mit einem leichten Pfeifen aus der Halle. Spätestens dann weiß ich, dass es ein gutes Spiel war. Und sind wir doch mal ehrlich: Deswegen heißt das Ding doch Turnhölle.

Mehr will ich dazu aber gar nicht sagen. Ich bin gespannt, wie sich das die Saison über noch entspinnt. Wenn das bei Heimspiel Nummer 2 schon so hochkocht, dann kann das noch echt heiter werden.

Aber um den Beitrag noch schön abzurunden noch zum Courtsider-Job.

Es hat Spaß gemacht. Und ich muss sagen, dass mir die zweite Reihe total sympathisch ist. Ich hatte, auch als totaler Neuling, viel Spaß mit meinen Pressetisch-Nachbarn. Sollte Alex mal wieder keine Zeit oder Lust haben, bin ich jederzeit wieder bereit einzuspringen, wenn man mich lässt.

Und ja, es ist der härteste Job der Welt 😉

Jetzt freue ich mich auf Alba. Hoffe da auch wieder auf tolle Stimmung, viel Spaß und dass Würzburg mit Alex King genauso stolz und fair umgeht wie die Ulmer gestern mit Sebastian Betz.