Provinztheater auf Weltniveau

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Eigentlich wollte ich ja nur noch über geekige Themen schreiben, aber kommen wir kurz zum Sport:

Gibt es in der Basketball Bundesliga eigentlich einen chaotischeren Verein als die Würzburger? Also mal abgesehen von den insolventen Hagenern, die deswegen auch nicht mehr mitspielen dürfen. Oder ist das hier alles Provinztheater auf Weltniveau?

Damit alle auf einem Stand sind: Die Baskets haben sich nach zweieinhalb erfolgreichen Jahren mit einem direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga und Teilnahme an den Playoffs von Trainer Doug Spradley getrennt. Weil Platz 14 und fünf und ein aberkannter Sieg gegen Hagen scheinbar nicht der Erwartungshaltung der Geschäftsführung entsprachen. Damit kommt seit 2011 jetzt Trainer Nummer fünf: Ex-Nationaltrainer Dirk Bauermann. Soweit so gut, das kennt man ja aus dem Fußballgeschäft, nur dass man nicht beim Fußball sondern beim Basketball ist. Und aus meiner, externen Fan-Sicht, auch aktuell nicht der Trainer das Problem zu sein scheint.

Rückblende zum Spiel gegen Göttingen am zweiten Weihnachtsfeiertag als es aus meiner Sicht anfang dubios zu werden. Steffen Liebler, verantwortlich für das Sportliche bei den Würzburgern, steht vor der Kamera von Telekom Basketball und wird gefragt ob eine lange Trainerbindung, wie ein paar Tage zuvor beim Göttinger Trainer Roijakkers bis 2021 geschehen, nicht auch was für Würzburg wäre. Sinngemäße Antwort damals: Das würde nicht in die Strategie der Würzburger passen.

Silvester 2016: Dirk Bauermann bekommt einen Vertrag bis 2020 für langfristige Planungssicherheit. Natürlich heißt das jetzt erstmal wenig, aber da kommen jetzt zwei Sachen zusammen: Auf einmal will man doch so langfristig planen und zum anderen werden sämtliche Informationen dazu nicht mehr über Liebler verbreitet, sondern seit dem Bremerhaven-Spiel liest man nur noch die Stimme des kaufmännischen Leiters.

Bei sowas bekomme ich dunkle Wolken im Kopf und es erinnert ein bisschen an die chaotischen Strukturen von vor ein paar Jahren, als plötzlich viel Geld fehlte und man am Ende der Saison abgestiegen war.

Zu lesen war auch, dass Bauermann wohl seit Weihnachten schon wieder im Lande war. Mein Gefühl sagt mir, dass auch bei einem Sieg in Bremerhaven für Spradley Schluss gewesen wäre. Am 29. verliert er und am 30. ist man sich mit Bauermann eigentlich schon handelseinig? Wer’s glaubt…

Was den Kreis wieder zu der Frage schließt, ob es wirklich am Trainer liegt. Wer stand denn da seit 2011 an der Seitenlinie?

John Patrick, der dann vom Hof gejagt wurde nachdem es diese mythenumrankte Meuterei der Mannschaft gab. Seitdem arbeitet er sehr erfolgreich in Ludwigsburg und ich für mich mit seiner Mannschaft eigentlich immer ein Anwärter auf die Playoffs und eine dicke Überraschung. Und die Umstände müssen bei der Meuterei echt schlimm gewesen sein, nachdem einige Würzburger Spieler dann doch in Ludwigsburg gespielt haben. Freiwillig nehme ich an.

Als Patrick ging, übernahm Marcel Schröder das Amt des Headcoach. Auch das passte scheinbar nicht so ganz, denn die Mannschaft gurkte unten rum, es gab Geldprobleme, man trennte sich und Stefan Koch kam. Auch einer der was kann, immerhin hat er die Artland Dragons zweimal in die Playoffs gebracht und dann nur aus familiären Gründen aufgehört. Aber auch er konnte die Mannschaft nicht vor dem Abstieg retten und so kam Spradley und übernahm in der Pro A.

Wäre also noch die Mannschaft. Nach der glorreichen Saison letztes Jahr hat man einen Großteil der Mannschaft ausgewechselt, sich verstärkt und das Ziel Playoffs als Saisonziel ausgegeben. Aktuell ist man drei Siege davon entfernt und Liebler hat auch dazu gesagt, dass es eigentlich nur noch Ziel ist aus dem Abstiegssumpf rauszukommen. Von Playoffs redet da keiner mehr. Man hat also starke Leute geholt wie Odum, der in Bayreuth fanatastisch gespielt hat, Mihaliovic, der in Tübingen fantastische Aktionen abgeliefert hat, mittlerweile aber den Verein Richtung Oldenburg verlassen hat, weil es eben nicht lief in Würzburg. Odum spielt eigentlich durch, weil wenn er nicht spielt, verliert das Würzburger Spiel sehr schnell den Faden. Insgesamt wirkt die ganze Mannschaft saft- und kraftlos. Dass sie was können, zeigen sie immer mal wieder. Dass sie auch anders können aber umso öfter. Teilweise würde man sagen, dass das Standfussball ist was da auf dem Parkett stattfindet.

Wenn man sich anschaut, wer da in der Tabelle oben steht, dann ist das Ulm, die fast die ganze Mannschaft behalten haben und selbst nach einem Ausfall von Olbrecht und dem fehlen von Günther in München großartigen Teambasketball gespielt haben. Dann natürlich Bamberg, die eigentlich zweimal jede Woche spielen und auch einen Großteil der Mannschaft halten konnten. Auch da gibt es keine Lücken: Nachwuchs wie Lo und Heckmann spielen gleichberechtigt neben Melli und Miller. Großartiger Teambasketball. Und dann ist da Bayreuth auf Platz vier mit 13 Siegen aus 16 Spielen auf Augenhöhe mit den Bayern. Auch da lautet die Formel ganz einfach: Wir sind ein Team. Wenn der eine mal einen schlechten Tag hat, dann hauen sich die anderen rein. Man merkt ihnen den Spaß an. Und irgendwie fehlt mir das bei Würzburg. Dynamik und Teamgeist.

Bauermann hat als Ziel ausgegeben, dass er Würzburg mittelfristig oben etablieren möchte. Klar, wäre er ja schön doof wenn er sagt, dass er eigentlich im Mittelfeld spielen will. Das will doch bei den Würzburgern keiner hören.

Was dazu fehlt, seit Jahren, ist auf jeden Fall eine Halle. Die Liga will 2020 die stärkste in Europa sein und Würzburg spielt mit einem Trainer mit großartiger Vita in einer Schulturnhalle? Da ist jahrelang die Rede von einer neuen Halle neben dem Hotelturm, das GHotel macht sogar Bandenwerbung mit „Wir freuen uns auf unsere neuen Nachbarn“ aber passieren tut da nichts. Ist das Gelände da verflucht? Alter Indianer- oder Elefantenfriedhof? Die Stadt hält sich fein raus, da investiert man dann lieber mit vollen Händen ins Fußballstadion. Wenn die Posthalle dann auch noch wegfällt braucht man aber auf jeden Fall eine neue Veranstaltungshalle. In der Zeitung kann man lesen, dass ein namentlich nicht genannter Investor einen zweistelligen Millionenbetrag stiften will für die Halle. Trotzdem kommt nix rum. Anfang der Saison gab es mal ein paar magere Aussagen von Liebler, dass man sich in Gesprächen befände, aber konkretes dazu gab es bisher nicht. Aktuell ist die Fläche Parkplatz, wenn ich das richtig im Kopf habe.

Wie man sieht, gibt es im Würzburger Basketball genügend Baustellen die dringend geschlossen werden müssten. Ich bin gespannt wie sich das die Saison über noch entwickelt. Potential zu einer echten Schmierenkomödie hat das ganze auf jeden Fall.

Und ob Dirk Bauermann sich gut überlegt hat, was er sich da antut, kann man nur hoffen…