Ich glaub’s hackt auch wo anders (Version 2.0)

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Ich was für einem Land leben wir denn bitte, in dem Leute einen Politiker zurück haben wollen, der abgeschrieben hat, einem Strafverfahren wegen Untreue entgegen sieht, gerne beim Lebenslauf schummelt und eine Frau hat die mediengeil Vorverurteilung zur besten Sendezeit betreibt?

Scheinbar in einem Land, in dem man sich öffentlich trauen kann, beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Studioanrufer zu sagen, dass es heutzutage, in Zeiten der Krise, wichtiger ist, das Volk emotional mitzureißen statt Inhalte zu transportieren.

In dem es scheinbar vollkommen okay ist, immer nur so viel zuzugeben wie gerade nötig. In dem es okay ist, wenn man seine Untergebenen schnell mal absägt, sich selber aber Zeit erbittet, die Vorwürfe gründlich prüfen zu dürfen.

Aber eigentlich ist das nur „typisch deutsch“. Immerhin hatten wir schon mal in einer Krise Politiker, die alle gemocht haben, die das Volk mitgerissen haben aber inhaltlich eher nichts zu sagen hatten.

Nein, ich will ihn nicht zurück.

Ich will keinen Politiker, dessen hervorstechenste Eigenschaft es ist, sich rückgratlos wie ein Kopffüßler schmierig aus jeder Schlinge zu winden und dessen wichtigstes Gut sein markiger Auftritt ist. ICH will keine Fassaden in Berlin. Als mündiger Bürger erwarte ich von meinen Volksvertretern Inhalt und standfeste Meinungen und nicht eine perfekte Frisur!

#Update

Und nicht mal bei seinem Abgang hat er es geschafft, mit Würde seine Fehler einzugestehen. Er fände es schade, dass über die Plagiatsaffäre, die Verwundung und der Tod deutscher Soldaten ins Abseits geraten.

Natürlich ist das tragisch, aber vielleicht setzt in Deutschland mittlerweile auch der Gewöhnungseffekt ein, den man aus den USA oder Großbritannien schon kennt.

Andererseits kommt auch diese Aussage zurück wie ein Boomerang:

Wessen Ministerium ist denn für die Ausrüstung der deutschen Streitkräfte verantwortlich? Wer war denn oberster Dienstherr einer Truppe, in der es „normal“ zu sein scheint, sich von seinem eigenen Geld eine vernünftige persönliche Schutzausrüstung vor dem Einsatz zuzulegen. Und wessen Ministerium schafft es nicht, der Truppe ein Fahrzeug zur Verfügung zu stellen, mit dem wirksam und geschützt gegen die allgegenwärtigen IEDs vorgegangen werden kann? Selbst eines der nordeuropäischen Staaten hat es schneller hinbekommen solch ein Fahrzeug zu beschaffen. In Deutschland scheitert der Schutz von Menschenleben am TÜV.

In so fern finde ich es auch mehr als heuchlerisch, sich mit diesem Argument aus der Affäre ziehen zu wollen

5 Kommentare

  1. Alexa sagt:

    endlich jemand der das ganze genau so sieht wie ich 🙂

  2. das hast du sehr schön geschrieben unddem ist nix mehr hinzuzufügen.
    Ende, tschüss Herr Doktor.

  3. Verena sagt:

    Nuja,

    [quote]Und nicht mal bei seinem Abgang hat er es geschafft, mit Würde seine Fehler einzugestehen. Er fände es schade, dass über die Plagiatsaffäre, die Verwundung und der Tod deutscher Soldaten ins Abseits geraten.[/quote]

    ICH finde es schade, dass ein offenbar rückgratloser den Tod von Menschen dazu instrumentalisiert, ein eloquentes Schnippchen schlagen zu wollen. Nein, er ist tatsächlich nicht als „wissenschaftlicher Mitarbeiter“ eingestellt – wohl aber als integerer und loyaler Staatsdiener. Doch wenn man die Schädigung der eigenen Partei in Kauf nimmt (und das tat er ja viele Tage lang) ist es mit den hehren politischen Zielen offensichtlich nicht weit her. Glückwunsch den Verlegern seiner Biografie, die trotz des bigott-vertaubten Themas nun eine gewisse Mindestauflage schaffen.

    1. hazamel sagt:

      Ich finde es schon spannend, dass er sogar bei seinem Rücktritt angeblich bei Star Trek II abgekupfert hat

  4. Radulf sagt:

    Das alles ist übel. Der Typ wäre eine einzige Lachnummer, wenn es nicht so traurig wäre und mich nicht gleichzeitig echt wütend machen tun täte.

    Aber das wirklich schlimme, das fürchterlichste, das grauenhafteste überhaupt ist, dass unser dämliches Wahlvolk diesen Hallodri auch noch gerne mag und ihm seine Lügerei und sein Rumgeschleime und sein ganzes absurdes, jedwedem Anstand völlig zuwiderlaufendes Gehabe nicht im Geringsten krumm nimmt.

    Prost.

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