Dr-Ex

Jetzt hat er ihn als „freiwillig“ abgegeben, der Doktor von und zu Guttenberg. Ob es das jetzt besser macht, lass ich mal so dahingestellt.

Erstmal ist die Ausgangslage ja schon ein Witz für sich. Vergisst beispielsweise ein Abiturient bei seiner ersten wissenschaftlichen Arbeit, der Facharbeit, Fußnoten oder Quellenangaben, kann es sein, dass die Arbeit damit für den Eimer war. Unterschleif, 0 Punkte, keine Zulassung zum Abi… nächstes Jahr vielleicht wieder. Wenn sich ein Minister zu so etwas hinreißen lässt, dann wird so getan, als ob er sich bei anderen nur habe inspirieren lassen. Auch bei ihm dürfte, zumindest wenn alles seinen normalen Gang gegangen ist, das ja nicht die erste Arbeit gewesen sein, die er geschrieben hat, die auf so Dinge wie Quellenangaben und Fußnoten besteht.

Soweit so gut, bei ca. 750 Seiten kann ich durchaus verstehen, dass einem da schonmal was durchrutschen kann sehe ich ein. Was mir als „Normalsterblicher“ dann wieder seltsam vorkommt ist die Anzahl der gesetzten Fußnoten: gehört habe ich da was von 1200. Macht einen Schnitt von 1,6 pro Seite… und das sind nur die gesetzten ohne die Fundstellen der SZ, der NZZ und der FAZ. Hat der Mann überhaupt was selber geschrieben oder nur Ideen und Erkenntnisse anderer zusammengetragen? Oder ist es der Sinn einer Doktorarbeit einfach nur Stoff anderer Leute zusammenzutragen? In meiner laienhaften Vorstellung hatte das immer was mit eigenen Ideen und Thesen zu tun statt das wiederzukäuen was andere schon gesagt haben.

G’schmäckle Nummer zwei ist dann, wie er mit der ganzen Geschichte umgegangen ist.

Er sei sich keiner Schuld bewusst und habe das alles nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt… und verschwindet dann erstmal ganz schnell außerplanmäßig nach Afghanistan. Schon kleine Kinder lernen recht schnell, dass „Was ich nicht seh, kann mir nichts tun!“ nicht funktioniert.

Und später lernt man ziemlich schnell, dass derjenige der im Krimi wegläuft, meistens der Täter ist. Auch wenn er dann noch so sehr beteuert, dass er sich ja nur erschreckt habe und Angst gehabt hätte dass er mit dem Verbrechen, was er natürlich nicht begangen hat, in Verbindung gebracht wird. Meistens haben diejenigen dann doch was ausgefressen.

Das nächste Fettnäpfchen, welches er dann gerne mit Anlauf mitgenommen hat, war es, die Pressekonferenz für einen exklusiven Kreis zur gleichen Zeit zu legen, wie die wöchentliche Regierungspressekonferenz.

Erstens macht man sich damit bei den Medien unheimlich beliebt. Und zweitens kam es sicher überraschend, dass da zeitgleich die Pressekonferenz der eigenen Chefin stattfindet. Ist ja nur wöchentlich… Einmal mehr dass man sich Gedanken machen muss, was die Dampfplauderer in Berlin wirklich machen außer Geld zu kosten.

Tja… und dann ist da noch die Art, wie er nun gestern seinen Titel zurückgegeben hat.

Erstmal auf Raten: Er wolle den Titel so lange ruhen lassen, bis sich die ganze Sache geklärt habe. Und dann der Appell an die Uni Bayreuth man möge doch den Doktortitel zurücknehmen.

Was denn nun?

Er beteuert zwar dass er sechs oder sieben Jahre seine Lebens nebenher Zeit darauf verwendet hat, diese Arbeit mit seinem eigenen Schweiß und Blut angefertigt zu haben, wartet dann aber auf einmal nicht mal mehr das Ergebnis der Untersuchung ab? Unschuld sieht auch hier,in meinen Augen, anders aus. Selbst für meine Fach- und Abschlussarbeit würde ich eher das Ergebnis aussitzen. Und die habe ich nicht über einen Zeitraum von Jahren geschrieben. Der halbherzige Versuch, das ganze auf der Pressekonferenz dann mit dem Witz

Ich stehe zu dem Mist den ich da verzapft habe

abzubügeln, führt das ganze nur noch mehr in die falsche Richtung. Ja, wenn er doch dazu steh, warum dann einfach abgeben?

Letztlich scheint ihm der Arsch doch mehr auf Grundeis zu gehen als er so gern zugeben würde, was bei den Temperaturen zur Zeit kein Wunder ist. Rückblickend versucht er aber wohl das zu retten, was sein Kapital ist: Sein Ruf. Denn ganz ehrlich: Außer seinem glatten Auftreten und seinen eloquenten Reden, sind da aus meiner Sicht nicht viele Dinge, auf die man ihn bisher festnageln könnte. Und selbst dabei hat er sich ja in der Vergangenheit gerne mal als Wendehals bewiesen und Meister der Entschuldigung.

2 Kommentare

  1. bienchen sagt:

    Soweit ich weiß, ist es tatsächlich so, dass man bei Bachelor-, Master-, Diplom- und Doktorarbeiten das allermeiste einfach nur noch zusammenschreibt und fleißig mit Fußnoten und Quellenangaben versieht. Es heißt ja nicht umsonst, dass man für eine Doktorarbeit in den wenigsten Fällen echtes Genie braucht sondern vielmehr sehr viel Sitzfleisch. Wenn ich in meiner Branche eine Doktorarbeit angehen würde, müsste ich mir nur ein Thema suchen, wo ich aus Vorlagen heraus eine Studie mache, diese dann auswerte und viele hundert Belege dafür finde, dass es andere genauso sehen. Wenn ich gut bin, stelle ich mir am Anfang der Arbeit noch eine These, die ich mit den Studien beweise und die vielleicht nicht schon zig mal beantwortet wurde. Schwer ist das nicht. Ob es jetzt wirklich so sinnvoll ist, sei mal dahingestellt. Und da der gute Herr Guttenberg seinen Doktor nicht in Fächern wie Elektrotechnik, Informatik oder Biochemie gemacht hat, wo ich mir noch etwas Grips vorstellen könnte, dann war das ganze nicht allzu schwer. Und vor diesem Hintergrund auch noch die entsprechenden Nachweise zu „vergessen“ bzw. zu „übersehen“ wirft meiner Meinung nach ein noch schlechteres Licht auf den von und zu und hinter Guttenberg.

  2. hazamel sagt:

    Seine Biographen haben ja auch eher weniger gute Haare an ihm gelassen. Dass er es schon ne Weile (siehe Kundus-Affäre etc.) eher flexibel hält, was solche Aussagen angeht.

    Irgendwo zwischen schockierend und belustigend finde ich die „Pro Guttenberg“-Gruppe, die bei Facebook aus dem Boden geschossen ist. Was man teilweise an Sympathiebekundungen liest, in Verbindung mit seinem Auftreten, erinnert doch eher an eine ganz andere Art der Politik, wie man sie im letzten Jahrhundert mal gepflegt hat

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