Bond is back – Carte Blanche

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James Bond ist zurück.

Nicht nur erfolgreich im Kino sondern auch als offizielles Ian-Fleming-Erben lizenziertes Buch aus der Feder von Jeffrey Deaver.

Der Mann, der mich schon mit seinen Lincoln Rhyme-Thrillern des öfteren gefesselt hat. Entsprechend hoch war meine Erwartungshaltung zum Buch. Deaver meets Bond. Das kann eigentlich nur eine atemlose Achterbahnfahrt werden, in der man die Fingernägel dann wahrscheinlich nur so runterkaut.

Also rein ins Vergüngen…

James Bond jagt Terroristen.

Über den Balkan, nach Dubai und Süfafrika. Die meiste Zeit mit einer Tarnidentität und ohne so Recht zu wissen, was eigentlich dieser ominöse „Vorfall 20“ oder auch der Gehenna-Plan ist. Aber eines ist aus einer abgefangenen E-Mail klar geworden: Das Leben von tausenden Menschen und die Reputation des britischen Empire steht auf dem Spiel.

Auf dem Weg zur Lösung trifft man dabei immer mal wieder auf alte Bekannte, die man wahrscheinlich unterbringen muss, damit man überhaupt einen Bond-Roman schreiben darf.

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Knapp 530 Seiten liegen hinter mir und ich muss sagen, statt einer mitreißenden Achterbahnfahrt, war das eher die Runde in der Themenbahn, bei der es zwar immer mal wieder spannend war aber man nie so richtig den Adrenalinkick einer Achterbahnfahrt hatte.

Scheinbar hat sich Deaver bei diesem Roman zur Aufgabe gemacht auch Herzpatienten zu schonen. So folgen auf spannende Sequenzen immer wieder 50 Seiten, die man getrost als langweilig abhaken kann. Dazu zählen auch die „unerwarteten Drehungen und Wendungen (Klappentexte)“, die das Ende dann 150 Seiten lang nochmal rauszögern und man nach der zweiten Wendung schon keine Lust mehr hat noch eine Runde mehr zu drehen.

Der Grundplot selber war dabei gar nicht mal so langweilig und hätte, auf’s wesentliche konzentriert, auch durchaus fesseln können. Wären da eben nur nicht diese Abschweifungen und Längen gewesen. Das mag früher vielleicht zeitgemäß gewesen sein, heute empfinde ich das aber eher als lästig und vermittelt bei mir den Eindruck, dass man den Text unnötig strecken musste.

Gestreckt wurde er unter anderem mit zwei Nebenhandlungen über die ich rückblickend sagen kann, dass eine davon vollkommen sinnfrei war und den Eindruck erweckt hat, dass sie eigentlich in eine andere Richtung gehen sollte, statt sie mit einer schnellen und total unlogischen Lösung abzufertigen. Und die andere im Grunde schon fast Stoff genug für einen eigenen Roman bildet, aber auch wieder lieblos, zwischendurch abgehandelt wird.

Bond und Deaver in allen Ehren, aber das war irgendwie nix.

Wer sich das selber antun will, kann das demnächst auch als Taschenbuch tun, ich les dann doch lieber wieder Lincoln Rhyme.

Carte Blanche
Jeffrey Deaver

Blanvalet 2012
ISBN: 9783764504267
14,99 €