Ohne Krimi geht der Ork nicht ins Bett

Crime Noir im Fantasy-Umfeld! Ein Sin-City-mäßiger Ork auf dem Cover. Optisch hatte meine Frau da einen Leckerbissen aus der Bibliothek mitgebracht. Der Klappentext hörte sich auch gut an. Rash, ein Ork-Privatdetektiv, soll in Tirgaslan das Verschwinden des Managers und Ex-Liebhabers einer bekannten Nachtclub-Sängerin aufklären. Er sollte für sie ein altes Artefakt finden und ist seitdem verschollen. Natürlich ist nichts wie es scheint und je tiefer er in den Fall eintaucht, desto finsterer werden die Verstrickungen.

Im Grunde hat Michael Peinkofer alles in den Topf geschmissen, was ich z.B. an Sin City mag: Düsteres Setting, runtergekommene Stadt, zwielichtige Gestalten, den abgestandenen Rauch im Detektivbüro, den man fast schmecken kann (Nein, es war nicht das Buch…). Leider übertreibt er es hier am Anfang einfach. Meine Frau hatte er da schon verloren. Meine Aussage „Ab Seite 80 wird’s besser“ waren erstmal nicht genügend Motivation weiterzulesen wenn anderer spannender Lesestoff wartet. Ich bin da hart im nehmen. Da muss ein Buch schon arg grausig sein, dass ich es nicht zu Ende lese in der Hoffnung, dass es vielleicht doch noch besser wird.

Und ich muss sagen, wenn man die Klippe der ersten 80 Seiten mal überwunden hat, dann wird es besser. Nicht überragend, aber spannend und unterhaltsam. Die Fantasy-Rassen hätte man sich für die Story sparen können. Nach meinem Empfinden hat es keinerlei Auswirkung auf den Plot, ob es sich jetzt um einen Gnom, Zwerg, Ork oder Troll handelt. Der Autor hätte auch alles mit Menschen unterschiedlicher Statur besetzen können, wäre dann aber wahrscheinlich Gefahr gelaufen, dass es sehr tief in die Klischee-Ecke rutscht. In so fern kann man den Aspekt der Fantasy eigentlich streichen. Ohne Verluste. Ich empfand das einstreuen von Ork-Begriffen eher als lästig. Dass es am Ende ein Wörterbuch dazu gibt, habe ich erst am Schluss gesehen. Fußnoten (ja, es gab zwei in denen er auf seine anderen Werke verweist) wären die geschicktere Lösung gewesen.

Abgesehen davon bietet die Story nichts überraschend Innovatives. Es ist ein Krimi. Unterhaltsam, dass man ihn mal so eben weglesen kann, ohne viel drüber nachzudenken. Genau das richtige für ein Ork-Hirn.

Die Sache mit dem Schluss…

Alles in allem hätte ich bis hier sagen können, dass es ein okayes Buch ist. Nicht die Entdeckung des Jahres und ein Buch über das ich auch Jahre danach noch reden werde, aber okay. Wenn da eben nicht immer diese Sache mit dem Schluss wäre.
30 Seiten vor dem Ende war die Story noch voll am Laufen. Die Story hatte zu diesem Zeitpunkt noch so viele (große) Fragezeichen, dass ich schon verwundert auf die Restlaufzeit des Buchs geschaut habe und mir sicher war: Das schafft der nie, die alle noch aufzulösen. Nicht auf dreißig Seiten.

Die Antwort mag verwundern: Doch, hat er.
Also ich würde jetzt nicht von „geschafft“ reden, aber er hat das Buch beendet. Bei mir schleicht sich dann immer der Verdacht ein, dass entweder das Essen auf dem Herd anbrennt , der Autor kein Lust mehr hatte oder ihm auf Seite 360 eingefallen ist, dass der Verlag gesagt hat: Hey, aber nur 400 Seiten!
Egal was der Grund ist: Er haut damit mal eben die mühsam aufgebaute Welt ein Stück weit in die Tonne. Mühsam eingeführte Stränge der Welt werden einfach gar nicht mehr erklärt, die Auflösung wirkt ein bisschen an den Haaren herbeigezogen und willkürlich. Der Schluss lässt mich als Leser doch sehr unbefriedigt zurück. Und das ist dann der Lohn dafür dass ich mich durch seitenweise Beschreibung des Nachtclubs gequält habe.

Mein Fazit ist also, dass man nichts besonderes verpasst, wenn man das Buch trotz des Covers links liegen lässt. Dann doch lieber noch eine Runde Knives Out schauen. Ist in sich stimmiger und macht mehr Spaß.

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