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Über E-Scooter

Während Würzburg noch öffentlich überlegt ob es die neuen E-Scooter gut oder schlecht findet oder ob hier der Stadt was total hippes und trendiges in der Verkehrswende entgeht, hatte ich schon das zweifelhafte Vergnügen in zwei Städten die Dingern zu begegnen.

Was ist das überhaupt?

Seit einer Weile sind 20 km/h schnelle, batteriebetriebene Roller in Deutschland zugelassen. Brauchen zwar keinen Führerschein sondern jeder ab 14 Jahren kann sie mit einer Versicherung im öffentlichen Straßenverkehr nutzen. Nutzen im Sinne von auf Radwegen damit fahren. Oder, wenn keiner vorhanden, dann auf der Straße. Ohne Helmpflicht und immer nur einer.
In echten Städte hat das dazu geführt, dass sich dem Eindruck nach drei große Anbieter als Verleiher etabliert haben. Ähnlich wie O-Bike (Na, erinnert sich noch wer…) stehen die Dinger überall rum.
Was sich das Verkehrsministerium dabei gedacht hat war folgendes:
Überbrückung der Pendler von der Bahn zum Arbeitsplatz. Weniger PKW-Verkehr.
Was dabei rausgekommen ist? Naja, nicht das was das Verkehrsministerium gedacht hat…

Ersteindruck aus BErlin

Kurz nach dem die Dinger legal waren, war ich in Berlin. Damals gab es davon nur wenige und die, die es gab, haben vor allem eines gemacht: Blöd auf dem Gehweg rumgestanden. Ich glaube, ich habe in ganz Berlin nur einen gesehen der damit rumgefahren ist. Hat also voll eingeschlagen.

Ein paar Wochen später war die Situation dann eine andere: Man ist eigentlich ständig über die Dinger gefallen. Und gefahren sind die Leute damit auch. Nur halt weder auf dem Radweg noch auf der Straße sondern auf dem Gehweg. Und auch nicht Pendler sondern eher Touristen zum Spaß und gerne auch zu zweit. Läuft also voll in die Richtung, in die es soll.
Ich hab auch gehört, dass wohl überdurchschnittlich viele ihren Führerschein verloren haben seitdem die E-Scooter eingeführt wurden. Wegen Trunkenheit am Lenker.

TEstgebiet Hamburg

Anderes Stadt, andere Mentalität, gleiches Problem. Auch in den vier Tagen Hamburg hat sich erhärtet, was ich in Berlin schon gesehen habe: Gehweg, Parkanlagen, zu zweit, Touristen. Dazu als Bonus noch reichlich Kids unter 14, die kaum über die Lenkstange schauen konnten. Voller Erfolg.
Der Titelseite der Hamburger Abendpost nach scheint man auch in Hamburg unzufrieden mit der Situation zu sein. Und ist damit auch mit Städten wie Paris auf einer Linie, wo die E-Scooter radikal beschränkt und bestraft werden.

Und Würzburg?

Brauchts das also in Würzburg? Ich glaube nicht. Nicht weil ich das Konzept nicht durchaus brauchbar finde, nur dass das Verkehrsministerium es blöd realisiert hat, sondern dass wir anders als Hamburg und Berlin ein (oder mehrere) Problem haben: Steigungen. Die Dinger haben schon in Hamburg bei Anstiegen nicht so kräftig ausgesehen. In der Fußgängerzone dürfte, neben der Tatsache, dass es eine Fußgängerzone ist, auch das Kopfsteinpflaster für Kopfschmerzen in der einen oder anderen Form sorgen.

Dazu kommt aus meiner Sicht noch ein ganz anderes Problem dass man in Würzburg schon jetzt nicht im Griff hat: Die Durchsetzung der bestehenden Straßenverkehrsordnung und Beschränkungen im Stadtgebiet. Wenn man es seitens der Stadt und der Polizei schon nicht auf die Reihe bekommt, die bestehenden Verkehrsteilnehmer aller Art in den Griff zu bekommen, wie will man das mit den Neuen hinbekommen?
Ich sehe schon Brückenschoppler, die im Dominoeffekt von Scooter und Radfahrern von der Brücke gekegelt werden.

So oder so kann man nur hoffen, dass die Seuche mit den E-Scootern ähnlich erfolgreich wird, wie mit den Billig-Leihfahrrädern.
Aber vielleicht lassen sich die E-Scooter ja auch überraschend gut ins nicht vorhandene Verkehrskonzept der Stadt integrieren…

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