Zwischen Zaun und Wirklichkeit – Draussen-Backstage beim #udwue

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Ja, er war schneller… Aber da hatte ich das hier schon angefangen… Sogar schon angefangen zu illustrieren. Jetzt schreib‘ ich’s trotzdem! Oder erst Recht ūüėČ

Jede Kultur hat ihre Legenden. Mythologische Orte, von denen man ehrfurchtsvoll fl√ľsternd nur hinter vorgehaltener Hand spricht. Orte die von einem Nebel des Unbekannten umwabert werden. Stonehenge, Walhalla und der Backstage-Bereich eines Festivals sind solche Orte, die nur wenige ja zu Gesicht bekommen haben und noch weniger davon zur√ľckgekehrt sind um davon zu berichten.

Einige weil sie nicht mehr konnten andere weil sie sich dem heiligen Eid des Backstage verschrieben hatten

Was Backstage passiert, bleibt Backstage!

So wucherten sie fr√∂hlich immer weiter, die Geschichten von wilden Saufgelagen und Exzessen, Orgien mit willigen Groupies, die vor dem Eingang zu eben jenem Bereich lungern und ihre jungen, hormongef√ľllten K√∂rper f√ľr einen kurzen Moment jedem hingeben w√ľrden, der mit dem heiligen Gral (auch Backstage-B√§ndchen genannt) an ihnen vorbeil√§uft und sie mitnehmen w√ľrde. Die Wahrheit blieb drinnen… Hinter dem R√ľcken von finster dreinblickenden H√ľnen in dicken Jacken, die alles und jeden mit einem Blick oder der Ber√ľhrung eines einzelnen Fingers au√üer Gefecht setzen k√∂nnen.

Und genau da sollte ich rein…

Zumindest sollte mitten in diesem S√ľndenpfuhl aus BlackJack und Nutten hinter der Draussen-B√ľhne das Bloggerzelt des Umonst und Draussen-Festivals stehen. Wilde Alkohl-Exzesse konnte ich mir schon abschminken, denn mein Auto stand auf dem Parkplatz nebenan und damit wollte ich auch wieder nach Hause kommen. Die wilden Groupies w√ľrde ich auch abweisen m√ľssen. Ich kann mir zumindest nicht vorstellen, dass die Frau an meiner Seite all zu begeistert davon w√§re wenn ich was anderes t√§te.

Also hinein, in die H√∂hle des L√∂wen. Da wo der Boden wahrscheinlich nicht aus Gras und Erde ist sondern fein s√§uberlich Wimbeldon-Rasen ausgerollt ist, der meinem schon leicht schmuddeligen Teppich im Wohnzimmer mit Leichtigkeit den Rang ablaufen w√ľrde.

Der erste eindeutige Vorteil wenn man gew√ľnschter Gast im Backstage-Bereich ist, ist dass man an der langen Schlange vor dem Eingang einfach vorbeimarschieren kann. Kein abtasten, Taschen durchw√ľhlen oder √§hnliches. Obwohl… wer wei√ü wie der Security am Tor zum Backstage drauf ist. Es hilft also nichts: Sicherer Gang, Brust raus, Bauch rein. Tu so als h√§ttest du das schon tausend Mal gemacht und steuere sicher auf den Mann mit der dunkelblauen Jacke zu, der nochmal einen halben Kopf gr√∂√üer ist als du und sicher schon einen halbe Kuh zum Fr√ľhst√ľck hatte… Mamiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii…

Zusammenreißen ist die Devise! Was kann er schon groß sagen?

Du kummst hier net rein?

Wo eher nicht! Oder doch… Ohje, er hat uns gesehen und wei√ü dass wir jetzt an ihm vorbei wollen. Warum schie√üt mir jetzt der Gedanken an die Minen von Moria durch den Kopf? Der sieht doch gar nicht aus wie Gandalf. Zeit m√§nnlich zu wirken und mit fester Stimme zu artikulieren was ich hier will und dass ich durch darf:

Hallo! Wir sollen uns hier melden f√ľr’s Backstage-B√§ndchen und den Fotopass

M√§nnlich, kernig… h√§tte es klingen sollen. Aber ich f√ľhle mich eher als h√§tte ich grad als neue Synchronstimme f√ľr Minnie Maus vorgesprochen. Das wird sicher nix… der nimmt mich wahrscheinlich nicht mal…

„Klar, kein Problem. Da vorne gleich. Da bekommt ihr alles“

√Ėhm…

Ja, wie jetzt? Das war’s? Einfach so? Tor auf, rein, weitergeschickt und fertig? So leicht kommt man in die H√∂lle?

Wir werden also in einem Zelt mit allem versorgt was wir brauchen. Backstage-B√§ndchen, Fotopass, Schnur f√ľr den Fotopass (Wurde aber wegen doof kurz danach gegen ein Schl√ľsselband ausgetauscht. Allein die Optik war schon viel besser… schon wegen der Groupies und so…) und dann ging es, √ľber normale Wiese zum Bloggerzelt.

DAS ist Backstage?! Das sieht ja genauso aus wie auf der anderen Seite das Zauns! Nur dass hier weniger Leute rumlaufen, ein Gartenzaun und Gartenzwerg vor einem Zelt mit Lichterkette und einem Bauwagen rumstehen. Keine kreischenden, leicht bekleideten Groupies? Niemand der sich zu Boden werfenden Fans die „Wir sind unw√ľrdig“ skandieren? Ich muss falsch abgebogen sein. Denn wenn das hier dieses Backstage ist, von dem sie immer alle erz√§hlen, dann ist mir klar warum da keiner ein Wort dr√ľber verliert… Es gibt hier einfach nichts was es nicht auch auf der anderen Seite des Zauns geben w√ľrde. Also mal abgesehen vom Bloggerzelt mit WLan, Sofa und Lichterkette.

Aber ich habe die Hoffnung ja noch nicht ganz aufgegeben! Es gibt ja auch noch das Catering-Zelt… da sind sie sicher, die Stars und schl√ľrfen teuren Champagner und ern√§hren sich von Wachteln, die ihnen williges Fussvolk in den Mund schiebt. Also nichts wie rein und… nichts. Also nichts spektakul√§res. Es gibt Schnitzelbr√∂tchen, vegetarisches Essen, Crepes und belegte Br√∂tchen in Folie. Und Kaffee f√ľr Umsonst. Das ist aber auch schon der Gipfel der Dekadenz den sich dieses Zelt zu leisten scheint. Ansonsten normale Menschen wohin das Auge blickt. Auf den ersten Blick l√§sst sich so gar nicht erkennen wer jetzt warum und weshalb hier im Catering-Zelt sitzt. Eindeutig einer Band zuordnen l√§sst sich nur eine Gruppe: Die Jungs vom Rettungsdienst, die sich grad ihr Mittagessen geholt haben und gem√ľtlich zusammensitzen und plauschen. Aber sonst? W√ľrde man sagen ich w√§re auf dem Pfarrfest der Kirche um die Ecke, w√ľrde man mir das wohl auch abnehmen und der Unterschied w√§re nicht zu erkennen.

Zeit diesen absolut unspektakulären Ort zu verlassen. Es scheint doch, dass die andere Seite des Zauns reizvolleres zu bieten hat.

Beim verlassen des Backstage-Bereichs Richtung Festival-Gelände dann die letzte Enttäuschung: Keine Groupies, die mit rein wollen und schon gar keiner der fragt, wie es denn da so ist, auf der anderen Seite des Zauns.

Was soll man auch gro√ü sagen? Am besten nichts… und grinsend weitergehen.

5 Kommentare

  1. moggadodde sagt:

    Ich musste ziemlich grinsen bei Deinem Insider-Bericht. Als Krethi und Plethi-Besucherin wurde ich ja am Eingang abgetastet. Aber, hey, das war gar nicht schlimm!

  2. hazamel sagt:

    Haben wir uns Samstag ja auch gegegeben. Sonntag war uns die Schlage zu lang… Und ich hatte ganz den Link nach Walhalla vergessen ūüėÄ

  3. Ralf sagt:

    @moggadodde: Darum gehe immer ERST durch den Besuchereingang und DANN in den Backstagebereich. Auf das Abtasten möchte ich ungern verzichten!

  4. moggadodde sagt:

    HAHAAHAHA! Das ist ein klasse Film! Besonders das Karussell am Ende.
    @ Ralf: Eben. Das U&D ist durchaus ein Erlebnis f√ľr alle Sinne … ūüėČ

    1. hazamel sagt:

      @moggadodde: Es hat lange gedauert, bis ich einen angemessenen Rahmen f√ľr Bj√∂rn gefunden hatte. Der andere Film mit dem Superhelden ist auch ganz gro√üe Klasse ūüėČ

      @Ralf: Also… √∂hm… naja, ich… NEIN! Ich brauch mich von dem Kerl nicht abfummeln lassen. Echt nicht. Das ist bei jedem Konzert so ziemlich das, auf das ich am wenigsten Lust habe

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