Referenzidee

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Man kennt das ja.

Da kommt man vor ein paar Jahren wie die Jungfrau zum Kind und darf mit einem neuen Datenaustausch-Format spielen. Man bastelt einen Server, testet mit dem blanken XML und lernt was das Format so alles kann.

Weil man nebenbei noch ein bisschen Azubis beschäftigen muss, lässt man die ein schickes Tool schreiben mit dem man die Möglichkeiten des Standards einschränken kann auf die eigenen Bedürfnisse. Das schmeißt man dann zwar weg, weil es doch etwas unpraktisch war, aber man arbeitet gleich noch aktiv am Nachfolger mit.

Mittlerweile braucht man aber eigentlich schon kein Tool mehr. Das Lesen des eXTra-Schemas geht einem da schon so flott von der Hand, dass man gar kein Tool mehr braucht für die Profilierung. Man kennt die Kniffe, man weiß wo man hinschauen und hinpacken muss.

Tja, und dann wird das Ding auf einmal Bundesstandard. So richtig mit Bundesgesetzblatt. Sonst ändert sich nichts… Man ist weiterhin einer der ersten der damit in Echt spielen darf, technischer Berater und Ansprechpartner in der eigenen Firma. Nichts besonderes. Kann ja nicht jeder alles können…

Und langsam bahnt sich das Austauschformat doch seinen Weg und der eine oder andere Softwarehersteller will dann doch mal wissen wie es läuft, was er beachten muss. Alles sehr entspannt.

Tja, und weil es so neu ist, immerhin erst ein paar Jahre, muss man sich seine Testools irgendwie selber schreiben. Immer nur direkt das XML in den Server feuern ist auf die Dauer zu unpraktisch. Also muss ein Client her. Möglichst generisch soll er sein. Möglichst frei konfigurierbar. Man macht sich also so seine Gedanken und findet, dass Spring und Dependencie Injection eine gute Idee ist. Noch nicht so dynamisch aber schon ganz okay.

Man stellt das Konzept Entwicklern aus der Firma vor und trifft auf Verhaltenen Enthusiasmus. Auch gut, es kann ja nicht jeder mögen. Und weil ich mich mit dem nackigen XML eh besser verstehe, landet das Ding in der Schublade für anderthalb Jahre. In der Hoffnung, dass sich nie jemand den Code anschauen wird, ist man auch eigentlich gar nicht so böse drum. Man selber wäre wohl derjenige, der die längste Liste mit Verbesserungen und Änderungswünschen schreiben könnte.

Eben besagte anderthalb Jahre später, steht beim Arbeitgeber ein neuer Partner für die Kommunikation auf der Matte. Der wieder mal den Client vorgestellt bekommt, sich aber dieses Mal wirklich den Code ansieht. Und nicht schreiend wegrennt, sondern vom Konzept begeistert ist. So begeistert, dass er alle Hebel in Bewegung setzt um aus dem Client und dem Profilierungstool ein Open-Source-Projekt zu machen.

Und weil man bzw. ich eben, mit so viel Anerkennung der Arbeit eher schlecht umgehen kann, sitze ich dann eher unscheinbar in einem Raum, schweige vor mich hin und lausche den Worten von Dr. Dewanto, der das Projekt vorstellt. Ich bin ja nur ein kleiner Programmierer, auch wenn bei der Vorstellungsrunde ein paar Köpfe rumgeruckt sind, und da vorne steht jemand mit einem Doktortitel, der bei heise und im Java-Magazin schreibt.

Und dann sickert es langsam durch meine Synapsen… Die Wortwahl die da vorne steht, ist auf einmal anders als das was ich immer von mir gebe. Hier ist nicht mehr von „einer Beispielimplementierung“ die Rede, nein, hier steht auf einmal „Referenzimplementierung“ und spätestens jetzt wird sich jemand den Code bei Google wohl anschauen.

Wenn das Projekt dann vollständig online ist, werde ich wohl wirklich der erste sein, der das Ändern anfängt. Wenn es dann wirklich so weit ist, dass das Projekt nicht nur in der Zeitschrift der AWV vorgestellt wird, sondern, wie Herr Dr. Dewanto heute schon angeregt hat auch bei heise, dann werde ich mich wohl irgendwo verkriechen.

Wie gesagt, ich kann mit sowas nicht umgehen. Ich bin doch nur ein kleiner Programmierer…

PS: Achja, dass ist es übrigens was ich tue, wenn ich angeblich „nichts“ tue, wie so mancher vom Stammtisch vermutet.

2 Kommentare

  1. ich habe da keine Ahnung von und wüsste da auch nichts mit anzufangen aber es gebührt Respekt.
    gut gemacht!
    🙂

  2. Nils sagt:

    In der Zeit, in der wir denken, Du würdest nichts tun, lässt Du Code 1,5 Jahre lang in einer Schublade verschimmeln? Respekt, das ist das Gegenteil von nichts tun 😀

    Davon abgesehen: Suppa Sach!

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