Reden wir über Bewerbungen

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In meinem Team gibt es zwei offene Stellen.

Die Bewerbungsfrist ist am Sonntag abgelaufen und seit letzter Woche besteht ein Teil meines Tagesablaufes darin, dass ich mir die Bewerbungen anschaue. Und eine Woche und zwanzig Bewerbungen später kann ich eines sagen:

Ich werde in Zukunft müde lächeln, wenn wieder mal jemand davon redet, das bei Bewerbungen gerade für ein Stil en Vouge ist, was angesagt ist und was man nicht tun sollte.8

Ich hatte nämlich zwanzig Layouts und zwanzig mal mehr oder weniger viel Spaß die Bewerbungen zu lesen. Und nein, bis auf den Name hatten die Bewerbungen in den allermeisten Fällen nicht viel gemein.

Ich habe kein Personalmanagement studiert und sitze in einer Personalabteilung sondern ich bin der mit den Stellen, der, der am Ende sagen sollte: Passt oder passt nicht.

Was mir also so wichtig war (und teilweise echt frustrierend war rauszufinden):

  • Was kann der Bewerber? Je genauer desto besser!
    Wenn ich einen Entwickler als Mitarbeiter im Team mit Erfahrung in einer von zwei bestimmten Programmiersprachen und Datenbankerfahrung suche, dann suche ich einen Teammitarbeiter der eine der beiden Sprachen kann. Nicht eine dritte, nicht nur Datenbank. Und da Java ein Sammelbegriff ist, würde ich vielleicht sogar mal bei der zuständigen Person nachfragen was er denn sucht oder was da so gemacht wird. SE, EE, Desktop, Server, Backend… Nur so als Tipp. Erspart Arbeit und Porto.
  • Welche Erfahrung hat er bisher gesammelt?
    So halbwegs zumindest. Dass derjenige, der das liest einschätzen kann in welchem Gebiet der Bewerber Erfahrung hat. Wie gesagt, Java ist ein weites Feld. SE, EE, Desktop… Fragen hilft… und zeigt Interesse.
  • Alter? (Fast) egal!
    Vielleicht liegt es an mir, aber ich habe wenig auf das Alter geachtet. Mir ist klar, dass man mit Cobol keine 20jährigen von der Uni bekommt. Die ersten beiden Punkte sind mir viel wichtiger. Natürlich ist es kein Pladoyer dafür dass man sich mit 65 noch schnell bewirbt. Auch wenn man niemanden wegen des Alters diskrimieren darf: So lustig ist das mit den Bewerbungen auch wieder nicht dass ich sowas ständig brauche.
  • Willst du da wirklich hin?
    Wenn ich mich für eine Stelle in Stadt X bewerbe, außer ich spamme Bewerbungen raus, sollte ich mir vorher überlegen ob ich da auch hin will. Und dann vielleicht auch klar machen, dass ich mich damit auseinandergesetzt habe.
  • Ja, es geht um eine Festanstellung!
    Gerade in der IT ist das scheinbar ein Problem. Ich konnte bei ein paar Bewerbungen nicht eindeutig einordnen, ob die- oder derjenige sich jetzt wirklich auf eine feste Stelle bewirbt oder ein Freelancer ist, der gerne einen Fuss in die Tür bekommen würde.
  • Ja, es geht ums Geld…
    …aber wenn eine Gehaltsklasse in der Stellenanzeige steht, dann kann man die nachschauen. Dann muss man im Anschreiben nicht drei Gehaltsklassen drüber Wünsche stellen. Man kann aber auch einfach beschließen, dass einem das nicht reicht und auf sich die Bewerbung sparen.

So oder so: Bewerbungen können eine harte Hausnummer sein. Auch wenn es von der anderen Seite möglicherweise wie Willkür aussieht, manchmal sind es wohl Nuancen, die zwischen Vorstellungsgespräch oder nicht entscheiden. Okay, manchmal sind es auch Welten.

Sollte ich mich irgendwann doch mal bewerben müssen, habe ich auf jeden Fall schon viel gelernt. Ich hoffe, dass da dann am Ende auch so einer wie ich sitzt, dem es eher um die Punkte oben geht.

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