I’m (in) the law!

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Ich schreibe ja eher selten über meinen Job. Zum einen weil’s halt mein Job ist und das hier Freizeit und zum anderen weil ich es für nicht besonders erwähnenswert halte, was ich den ganzen Tag so treibe.

Wenn ich was mache, dann kann man das meistens nicht sehen, es blinkt nicht und man kann es nicht anfassen. Das traurige Los eines Entwicklers. (Hier jetzt bitte eine Dose Mitleid)

Was aber wahrscheinlich jeder Entwickler kennt, sind Legenden und Mythen wenn es zum Beispiel um Namen geht. Warum heißt das Produkt so wie es heißt oder was war erst da? Das Akronym oder die Erklärung?

Wie dem auch sei, einen ähnlichen Weg hat ein sarkastischer Kommentar von mir vor ein paar Jahren genommen.

Damals als Apps gerade der heiße Scheiß waren brachten die Krankenkassen eine revolutionäre Idee auf den Markt. Was sie damit vorhatten kann ich heute schon gar nicht mehr sagen, so revolutionär war das. Die eGK war gerade frisch kastriert worden und so hatte man da eine neue Idee: OCR! Mit dem Handy! Auf die Krankenkassenkarte! Leider sieht die Spezifikation der eGK nicht vor was in den ersten drei Zeilen zu stehen hat. Weder ob und wo der Name der Krankenkasse steht noch ob erst der Vor- und dann der Nachname kommt. Aber es war elektronisch lesbar.

Für meinen Arbeitgeber, der immer ein bisschen im Wettlauf mit der Krankenkasse ist, der Startschuss für eine tolle Reise, deren Ende noch nicht abzusehen ist. Es wurde nämlich ein Brainstorming anberaumt. Ich war derjenige, der in diesem Raum am wenigsten auf dem Gehaltszettel hatte, aber ich saß mit am Tisch. Die erste Idee war für unseren Ausweis, bei dem wir wissen was wo steht, eine eigene App mit OCR rauszubringen. NFC und RFID war auch gerade im kommen und in Würzburg hat man die tolle Idee vorgestellt in der Eichhornstraße einen QR-Code zu pflastern. Für mich war es der Tag, an dem ich gelernt habe, dass man mit Sarkasmus vorsichtig sein muss. Schon auf der Spur NFC und RFID zu nutzen statt OCR zu machen, rutschte es mir raus, dass man dann ja gleich einen QR-Code aufdrucken konnte. Wie gesagt: Vorsicht bei Sarkasmus! Die Idee hat nämlich voll eingeschlagen. Zumindest in dem Raum. Wir haben danach ein bisschen damit rumgespielt, einen Prototypen gebastelt und ich hatte das Thema eigentlich schon wieder vergessen.

Bis eines Tages mein Chef im Raum stand und meinte dass ich ja der geistige Vater dieser Idee wäre. Und dass man das im Bundesministerium für Arbeit und Soziales sehr gut aufgenommen hätte und vorantreiben will. Moment? Was? „Geistiger Vater“? Bundesministerium?

Tja, wie sich rausstellte wurde aus dem Brainstorming ein Papier, das Papier wanderte nach Berlin und jemand im BMAS fand das toll. Und weil das BMAS das toll fand und das BMI gerade eine tolle Digitalisierungs- und Signaturoffensive vor Augen hatte, hat man da noch ein paar Sachen drauf gesetzt, die „der geistige Vater“ eigentlich nur mit Kopfschütteln betrachtet. Aber da ging es anderen geistigen Vätern ja auch schon so.

Nun gut… Fast forward to today… Mit dem sechsten Änderungsgesetz zum SGB IV steht mein sarkastischer Kommentar jetzt im Gesetz.

Auf der einen Seite ne coole Sache, auf der anderen möchte ich mich bei allen Kätzchen entschuldigen! Sorry!

Also, Memo an alle:

Vorsicht mit Sarkasmus! Immer das Schild dabei hochhalten sonst kann das nach hinten losgehen!