Nicht mal Cookies retten Battlefront II

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Lesezeit ~ 4 Minuten

Ich nehme es gleich mal vorweg:

Ich mochte das alte (neue) Battlefront mehr als ich das neue Battlefront II bis jetzt mag.

Das hat übrigens nichts mit dem Pay2Win oder eben jetzt nicht mehr Pay2Win zu tun sondern bezieht sich in vielen Aspekten wirklich nur auf inhaltliche Dinge, die mir am ersten (neuen) Teil besser gefallen haben, als an der Fortsetzung.

Singleplayer

Ich habe im ersten Teil den Singleplayer nicht vermisst. Die Stroy der Kampagne ist jetzt nicht der Brüller, aber auch nicht so schlecht wie es manchorts geschrieben wird. Mir würde jetzt auch spontan kein (Multiplayer-)Shooter einfallen, der durch eine überragende Story im Singleplayer glänzt. Oder ich habe es verdrängt oder vergessen.

Die Story ist kitschig, nicht immer ganz logisch (in Filmen würde man das wohl ein Plot-Hole nennen), teilweise vorhersehbar. Und ja, die KI ist nicht die hellste. Wer nicht unbemerkt am ersten Sturmtruppler vorbeikommt, kann sich wirklich einfach durchballern. Braucht genauso Geduld, aber man bekommt auch einen AT-ST mit einem Sturmgewehr klein.

In so fern: Nett, aber es hat mir im ersten Teil auch nicht gefehlt.

Masse statt einer Klasse

Irgendwer hat sich nach dem ersten Teil wohl gedacht, dass ein Standard-Sturmtruppler, den man individuell auf seine Bedürfnisse zuschneiden kann, ein bisschen wenig ist. Also gibt es jetzt vier davon. Und eigentlich noch mehr wenn man die Spezialklassen dazurechnet.

  • Den klassischen Angriffstrooper
  • Den Offizier
  • Den Heavy
  • Und den Scharfschützen

Plus eben die in der Runde erspielbaren Jumper und Superheavys. Die ersten vier Teilen sich aber nicht den gesamten Waffenpool wie in Teil eins sondern jede Klasse hat vier freispielbare Waffen. Ich war im ersten Teil ein großer Freund des TL-50 und habe viel Zeit investiert um den entsprechenden Hutten-Auftrag zu erledigen. Das ist jetzt aber eine Heavy-Waffe geworden. Und ich werde wahrscheinlich nicht so viel Zeit investieren, weil ich befürchte dass ich im Leben keine 500 Kills mit einem Heavy zustande bringen werde.

Level ist nicht gleich Level

Zu den vielen Klassen kommt, dass es jetzt auch noch zahlreiche Level gibt. Es gibt nicht mehr DAS Erfahrungslevel, sondern gleich mehrere. Da wäre das Erfahrungslevel des Spielers, dass er durch das eigentliche Sammeln von Erfahrungspunkten in den Spielen sammelt. Das Level hat aber nichts mit dem Level der einzelnen Klassen zu tun, wie ich anfangs dachte. Spiele ich Trooper, wird mein Trooper-Level besser. Nein, das Level der Klassen setzt sich aus den Punkten zusammen, die ich mit den Starcards für die einzelne Klasse freigeschaltet habe. Das einzige was ich direkt durch echtes spielen verbessern kann, sind die Waffen. Zumindest kann ich sie so durch Kills freischalten wie oben schon erwähnt.

Das Level der Starcards kann ich aber nur nach oben bringen, wenn ich auch im Spielerlevel besser werde.

Und da beißt sich das ganze aus meiner Sicht:

Spieler, die schon mehr Level und Ingame-Währung haben, kommen schneller an Punkte und damit auch an Ingame-Währung. Ingame-Währung, wahrscheinlich ein Ausfluss aus dem Lootboxen-Debakel, gibt es auch nicht für Leistung sondern für Anwesenheitsdauer im Spiel.

Die Boxen

Ja, die Boxen… sowas gab es im ersten Teil noch nicht, soweit ich mich erinnern kann. Man konnte zwar Packages kaufen aber wusste was drin ist. Boxen, wie es sie jetzt gibt, gab es damals nicht. Das war dann auch der große Aufschrei. Man muss sich das vorstellen wie Sammelkarten-Tüten oder Stickerhefte. Man kauft für Spiel-Credits eine Box in der Karten oder Teile drin sind. Die Teile braucht man zwangsweise für neue Ausrüstung. Ich habe zumindest keinen anderen Weg bisher gesehen an Teile zu kommen. Einfach mit erspielten Credits freikaufen geht nur bei Charakteren. Der Casual-Ü30-Spieler, der am Abend mal zwei Stunden spielen will, hat also sehr schnell ein Problem das Ingame-Geld für neue Boxen zusammenzubekommen, auch wenn er noch so gut spielt. Er steckt einfach fest. Kann ich am Tag 10 Stunden spielen, muss ich nicht mal gut sein um mir mehr Boxen mit höherwertigen Karten zu kaufen.

Umfang

Das wäre ja alles noch erträglich. Aber alles in allem ist der große Punkt, der mich stört, der Umfang. Nicht das offensichtliche, sondern es ist zu viel. Und irgendwie fehlt mir die Atmosphäre.

Bei meinem ersten Match Battlefront war ich gleich total happy, weil Walker Assault als Snowtrooper auf Hoth. Dass ich nix gerissen habe, war vollkommen egal, aber die handvoll Maps (Jakku, Hoth, Endor) waren so super, dass es nicht gestört hat. Man kannte die Maps irgendwann, wusste wie wo was ist und das war super. Es hat echt Spaß gemacht.

Auch hier glänzt das Spiel übrigens nicht gerade durch Fairness gegenüber den Casual-Playern. Helden- und Fahrzeugpunkte spawnten damals irgendwo auf der Map. Hatte ein Neuling Glück, hatte er zwar noch keinen gekillt, durfte aber gleich mal den Darth Vader geben.

Heute werden diese Specials über erspielte Punkte freigeschaltet. Spieler die gut sind, bekommen früher die Goodies mit denen sich erfahrungsgemäß mehr Punkte machen lassen. Greift einen Flummi-Yoda an, kann man eigentlich gleich nach Hause gehen.

…und die Sache mit den Hacks

Ich verstehe EA nicht. Das war schon bei Battlefront I so, dass man Hacks, Cheats und Aimbots scheinbar nicht in den Griff bekommen hat oder bekommen wollte. Ich habe das Gefühl, dass es bei Battlefront II nicht besser geworden ist. (Und ein Besuch bei der entsprechenden Hack-Seite bestätigt das eigentlich nur). EA scheint gar kein Interesse daran zu haben ein brauchbares Anti-Cheat-System zu etablieren. Mir sind noch keine so krassen Hacks wie im ersten Teil über den Weg gelaufen, aber die Präzision mit denen ich mit One-Shot-Kills das zeitliche segne, ist schon erschreckend. Mit dem Verweis darauf, dass man keine Werbung machen möchte, werden Threads in den offiziellen Foren sehr schnell geschlossen. Es wird sogar mit Bann der Accounts gedroht.

Also…?

Battlefront II ist nett. Hübsch anzusehen, aber auf mich auch sehr wirr. Vielleicht werde ich alt. Ich mochte den Vorgänger auf jeden Fall mehr. Vielleicht hat EA ja noch was in der Hinterhand aber den großen Motiviationsschub verspüre ich nicht. Es ist halt Star Wars und ich mag die (punktearmen) Weltraumschlachten. Der Rest ist solala.

Würde ich jemand empfehlen es zu kaufen weil es toll ist? Eher nicht… Und die PCGames hat gestern sogar einen Kaufwarnung ausgesprochen.

2 Kommentare auch kommentieren

  1. Rööö sagt:

    „Mir würde jetzt auch spontan kein (Multiplayer-)Shooter einfallen, der durch eine überragende Story im Singleplayer glänzt. “

    Hm. Halflife 2.
    Aber schon seehr lange her. Und eventuell nicht ‚überragend‘.

    1. hazamel sagt:

      Ja, wobei das auch schon wieder 13 Jahre her ist. Und ich immer noch hoffe, dass es doch noch eine Episode 3 geben wird 😉

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