Nachhaltige Literatur

Nachhaltige Literatur

Nachhaltigkeit ist ja ein großes Thema. Statt ständig neue Ressourcen zu verbrauchen ist es viel sinnvoller Recycling zu betreiben und Dinge öfter zu verwenden. Gerade bei seltenen und kostbaren Ressourcen lohnt sich das. Texte von Torsten Sträter scheinen genau so eine seltene und kostbare Ressource zu sein. Oder jemand hat gesagt: Herr Sträter, sie müssen nach drei Jahren mal wieder ein Buch schreiben! Hat er dann auch getan. Vielleicht sogar unter der Vorgabe, dass es ziemlich genau 300 Seiten haben muss. Also hat Torsten Sträter im Sinne der Nachhaltigkeit Recycling betrieben.

Zu seiner Verteidigung muss man zwei Sachen sagen: Zum einen hat er in den letzten Monaten sicher auch anders um die Ohren gehabt, als über listig-lustige Texte nachzudenken. Die Rechnungen möchte aber trotzdem bezahlt werden… Zum anderen geht er sehr transparent mit dem Recycling um: Er gibt es gleich ganz offen im Vorwort zu, dass er hier ein Best-of der letzten drei Jahre Texte schreiben zusammengefasst hat. Wenn man das noch in der Buchhandlung liest: Glück gehabt. Wenn man das erst liest, nachdem man die 20 Euro für’s Hardcover hingelegt hat: Kann schon ärgerlich sein.

Ungefähr die Hälfte der 302 Seiten sind dann Texte aus diversen Formaten der letzten Jahre: Da tauchen dann die „Akte Wichs“ und „Spiel’s nochmal, Sam“ aus Sträter auf, Texte, die er bei Dieter Nuhr (dem „Architekten seines Erfolges“) zum Besten gegeben hat oder eben aus Sträters Problemzonen. Wobei es hier dann besonders absurd wird, da er hier nochmal zugibt, dass das Format „Pro und Contra“, bei dem er mit sich selber diskutiert, in Papierform nur halb so spaßig ist, wie wenn man es eben geschickt mit der Fernsehkamera zusammenschneidet. Fein abgeschmeckt wird die Nachhaltigkeit dann mit zwei Laudationen, die er für Bettina Böttinger und Cindy aus Marzahn gehalten hat. Irgendwie muss man die 300 Seiten halt vollkriegen. Der Teil des Buches ist eher für Menschen, für die „Mediathek“ der Bereich zwischen Fleisch- und Käsetheke im Supermarkt ist. Wer YouTube hat, kann hier getrost drüberblättern. Klar kann man mal eine Zeit haben, in der es nicht so läuft und die Texte aus verschiedenen Gründen nicht so sprudeln, aber das war beim letzten Buch auch schon so. Auch da schon im Werbetext „Lesen sie hier die ungekürzten Texte von Nuhr im Ersten“.

Die andere Hälfte, sozusagen die Werbeblöcke zwischen den TV-Einspielern, ist dann teilweise guter Stoff. Es blitzt immer wieder auf, dass er wie kein anderer das Abschweifen und Abdriften vom Thema beherrscht und seiner Erzählung innerhalb eines Halbsatzes eine sehr ernste Bedeutung geben kann. Klappt halt nicht immer.

Am Ende war ich froh, dass ich das Buch nur geliehen hatte und so vollkommen ohne schlechtes Gewissen oder Ärger die Seiten überspringen konnte. Ich hoffe wirklich, dass das Live-Programm im Oktober besser wird.

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