Mörder! Diebe! Adblock-Nutzer!

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Ein Videospiel-Redakteur hat mal wieder eine Diskussion losgetreten, die sich meiner Meinung nach wieder genau in eine Richtung bewegt:

Wir, die Print-Industrie, wissen nicht, wie wir mit diesem Internetdings Geld verdienen sollen!

Zusammengefasst beschwert er sich, dass Menschen, die sich im Internet bewegen heute vermehrt Adblocker einsetzen. Also die Seite abrufen ohne sich von lästiger Werbung zubrüllen zu lassen. Wir, die Nutzer, die sowas tun, sind Diebe, die sich ohne Gegenleistung an der Arbeit anderer bereichern. Ja, wir, die Nutzer, werden von ihm in den Kommentaren sogar kriminalisiert. Gleichgestellt mit Schwarzfahrern und Raubkopierern.

Ich glaube, ich muss das erstmal nicht weiter kommentieren. Wer verbrannt (Werbe-)Erde hinterlässt wie die Gamestar braucht sich über den Einsatz von Adblockern nicht wundern.

Ich bin auch durchaus bereit meinen Adblocker abzuschalten, wenn…

…jeder Redakteur sowie der Verlag zukünftig bei ihren Mails auf Spamfilter verzichten und sich auch jede Mail durchlesen. Egal ob Penisvergrößerung oder Viagra.

…sie die Aufkleber mit „Keine Werbung“ am Briefkasten entfernen und dann jede Zeitung, jedes Flugblatt, jedes Anzeigenblatt lesen, dass so ins Haus geflattert kommt.

…sie sich zukünftig in einem Laden nur noch beraten lassen, wenn sie dort auch einen Artikel kaufen. Überhaupt nicht geht natürlich, im Laden beraten lassen und dann wo anders kaufen.

…sie überhaupt einen Laden nur noch betreten, wenn sie dort auch etwas kaufen. Nur den Teppich dreckig machen, geht gar nicht. Immerhin muss der Inhaber auch sein Personal, die Räumlichkeiten und Nebenkosten bezahlen.

…sie einen Festplattenrekorder haben auch dort bei aufgenommenen Filmen jeden Werbeblock anschauen.

…sie das auch bei den DVDs machen.

…sie im Kino rechtzeitig vor der Werbung da sind um die komplett zu schauen. Mitbringen eigener Fressalien geht gar nicht.

…sie zuhause währen der Werbung im Fernsehen weder aufstehen noch umschalten. Es wird durchgekuckt! Wer aufsteht muss die Glotze ausmachen und darf den Film danach nicht weiterschauen bis zum nächsten Werbeblock.

Wenn das alles eingehalten wird, DANN schalte ich im Netz auch meinen Adblocker aus. Immerhin erschleicht ihr euch durch all das auch Leistungen, die über Gegenleistungen finanziert werden.

Aber mal ernsthaft: Ich verstehe zwei Dinge nicht.

  1. Wenn ihr Geld verdienen wollt, warum macht ihr keine Paywall? Vielleicht weil das große Zeitungen schon probiert haben und dann irgendwie keiner mehr gekommen ist bzw. die Zugriffszahlen eingebrochen sind, weil sie sich die Infos einfach wo anders informiert haben?
  2. Wer verlangt von euch, dass ihr die Infos zur Verfügung stellt? Keiner oder? Ist doch ne freiwillige Leistung. Warum müssen alle Reviews immer gleich online sein? Wenn der Kostenfaktor oder Service euch zu teuer ist, dann lasst das doch. Aber auch dann würden euch auch die Leute ohne Blocker abwandern, was sich sicher auf eure Stellen auswirkt.

Mein Fazit dieser Geschichte: Ich werde die Gamestar bis auf unausweichbare Situationen meiden.

Oder besucht ihr ein Restaurant wieder, in dem euch der Kellner zum Abschluss nochmal schön in die Suppe oder das Getränk spuckt, nur weil das Trinkgeld zu mickrig ausgefallen ist?

6 Kommentare

  1. Citara sagt:

    Früher habe ich die GameStar gerne gelesen, in Print- und Onlineform. Seit einiger Zeit nun lasse ich das erste schon, da für mich die Artikel in der relation zum Preis nicht mehr das bieten, was ich gerne lesen möchte. Und auch meine früher regelmäßigen Blicke auf das Portal habe ich drastisch zurückgefahren. Kurzinfos schön und gut, aber mehr nicht.

    1. hazamel sagt:

      Print stimme ich dir voll zu. Die letzte Spontanausgabe war die zur GC und die war, bis auf den Panzers-Remake-Artikel, arm.
      Die Online-Version habe ich früher dank Forum auch intensiver genutzt. Mittlerweile nur noch um den Meta-Score von Steam mit der GS-Wertung im Zweifelsfall zu vergleichen. Bei mir übernehmen die Info-Funktion immer mehr Blogs

  2. Sehr treffende Gegendarstellung, hazamel.
    Erstmal die eigenen Leichen im Keller beseitigen, bevor man auf andere schießt.
    Gibt es noch jemanden, für den die Meinung eines Gamestar Redakteurs etwas wert ist? Also für mich definitiv nicht. Ich bin schon vor Monaten zu Gamers Global übergelaufen. Eigentlich eine schande das mit dem Reboot der Homepage die Qualität der Print Ausgabe immer schlechter wurde.

    1. hazamel sagt:

      Mir fehlt der Tellerrand bei der Diskussion. Andere Zeitungen haben sich mit dem Zustand schon abgefunden. Soweit ich das gesehen habe, ist er Diplom-Soziologe, weshalb ich auch nicht (mehr) erwarte, dass er sich mit betriebswirtschaftlichen Aspekten wie knappen und freien Gütern auseinandersetzt. Ich finde es aber arm, dass er anfängt Kommentatoren die anderer Meinung sind fast schon zu kriminalisieren. Mein konstruktiver Vorschlag an ihn war, dass man die Schuld vielleicht nicht bei den Nutzern suchen sollte, sondern erstmal einen eigenen Denk-Prozess anstoßen sollte, warum die Zahl der Adblocknutzer auf der Seite zunimmt bei wachsenden Zugriffszahlen. Eine simple Umfrage unter Nutzern der Seite würde m.E. schon sehr viel Aufschluss darüber bringen, warum die Leute Adblocker einsetzen. Bei den Zugriffszahlen die im Raum stehen, wahrscheinlich schon sehr aussagekräftige. Und dann müssen sich die Leute zusammensetzen und ein Konzept entwickeln, wie sie die Zahl kleiner bekommen. Sei es durch andere Bezahl- oder Werbekonzepte. Weil ihm langweilig ist setzt nunmal niemand einen Adblocker ein, sondern eher weil das Netz in dem Zustand nicht haltbar ist.
      Ein Eindruck, der sich leider nicht durch Fakten untermauern lässt, ist, dass der oder die Journalisten geistig noch nicht an dem Punkt angekommen sind, an dem sie verstehen, dass sie kein Informationsmonpol mehr haben. Ging den Tageszeitungen mit Twitter ähnlich. Im Grunde könnte er sich auch beschweren dass die Blogger ihn arbeitslos machen oder Fan-Communities. In den Grundzügen erinnert das ein bisschen an die Diskuission bei der Einführung der Heft-CD als man immer besser sein musste als die anderen: Wir wollen das nicht, müssen es aber machen weil die anderen das machen und müssen besser sein als die anderen

  3. Werbung auf gamestar.de?
    hab ich außer den verlagseigenen „Promotionen“ eigentlich noch keine gesehen…
    🙂

    also ohne mich an den Herrn Raumer erinnern zu können finde ich die Diskussion da in den Kommentaren sehr befremdlich, vor allem auch die mMn arg übertriebenen Äußerungen von Petra Schmitz.
    es ist im Endeffekt so wie du sagst: niemand zwingt die Verlage (incl. IDG) irgend einen Inhalt kostenlos online zu stellen. Ende.

    sollen Sie doch das Budget in die Print-Ausgabe stecken (gerade bei der gamestar, wo ich in letzter Zeit doch öfters mal ein Problem mit den Texten der vielen „freien Autoren“ habe) oder halt kostenpflichtig machen, auch gerade bei der gamestar mit dem „Premium“ Zugang ja an sich gar kein Problem.

    gut gelöst finde ich das Thema z.B. bei der Zeitschrift Yacht, erscheint alle 2 Wochen, und dazugehörig yacht.de .
    es werden alle Zeitschriftartikel kurz angerissen, dann kommt der Hinweis auf die aktuelle Ausgabe, alternativ kann man sich bei keinem Interesse an der ganzen Zeitschrift viele Artikel für kleines Geld als .pdf kaufen und runterladen.
    NACH der Veröffentlichung der Printausgabe werden dann über die nächsten 2 Wochen einige Artikel aus der Zeitschrift kostenlos online gestellt, bis zur nächsten Printausgabe usw..
    finde ich jetzt eine gute Lösung.

  4. hazamel sagt:

    Ja, ich hatte auch so als erstes den Reflex: „Wat? Wer bist du denn?“
    Ich stimm dir auch zu, dass man sich vielleicht das Geld für die Online-Redaktion sparen sollte und lieber mehr Geld für die Print-Redakteure ausgeben sollte.
    Ich verstehe nicht, und es würde mir als Print-Kunde auch stinken, wenn die Tests pünktlich zum Release online sind. Warum soll ich dann noch die Zeitschrift kaufen? Für die Berichte kann ich mir das echt sparen. Die haben stark abgebaut

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