Mitbewohnerwechsel

Mitbewohnerwechsel

Eine Katze geht nie so ganz. Es fühlt sich viel länger als etwas mehr als zwei Monate an, dass wir unsere Große gehen lassen mussten. Und sie fehlt immer noch sehr. Sicherlich an manchen Tag mehr und an manchen weniger, aber sie fehlt trotzdem sehr. Immerhin ist sie wieder bei uns und passt auf uns auf. Mangels eigenem Garten hat sie einen schönen Platz im Wohnzimmer bekommen, was, wenn wir ehrlich sind, natürlich immer ihr Zimmer war und nicht unser Zimmer. Ihre Nähe und das Einfordern von Streicheleinheiten fehlt am meisten. Therapiekatze lässt grüßen. Die Auswahl der Urne geht übrigens sehr viel schneller, wenn man nicht auf krassen Kitsch, rosa oder Glitzersteine steht. Sehr viel schneller.

Dunkelblaue Keramikurne mit weißem Schriftzug "Snips"

Allerdings hat sie uns nicht ganz alleine gelassen. Uns war schon relativ schnell klar, dass das hier kein katzenloser Haushalt bleiben wird. Allein schon aus dem Grund, dass hier wieder ein Flauschbauch zum Kraulen her muss. Wir sind uns im ersten Moment beide ein bisschen doof vorgekommen, dass wir schon ein paar Tage später nach neuen Mitbewohnern Ausschau gehalten haben. Und am Ende sind wir wieder bei der Würzburger Katzenhilfe gelandet. Eigentlich hatten wir ein anderes Pärchen im Auge, haben dann aber den Hinweis bekommen, dass es da Paula und Paulinchen gibt, die ein Für-Immer-Zuhause suchen.

Mutter und Tochter, Streuner, eingefangen an einer Futterstelle hier im Landkreis. Paula ist eine Teenie-Mama, die selber wahrscheinlich erst anderthalb ist und Paulinchen wahrscheinlich vom Herbst letzten Jahres. Und was soll ich sagen: Wir standen zwei Tage später im Katzenzimmer der Pflegestelle und blickten in vier furchtbar aufgeregte Augen. In der Pflegestelle konnten sie nicht bleiben, weil sich schon die nächste Katze angekündigt hatte. Also durften die beiden Mädels eine Woche später bei uns einziehen. Natürlich nicht ohne dass uns pelzige Stammpersonal der Pflegestelle vorher sehr intensiv ausgecheckt und auf Kraulkompetenz geprüft hat.

Was wir dann erst erfahren haben: Wenn sie nicht bei uns gelandet wären, hätten sie zurück zur Futterstelle gemusst und ihr Leben als Streunerkatzen leben müssen. In so fern denke ich, das unsere Große da ihre Pfoten im Spiel hatte. Die Mädels suchen ein liebevolles und sicheres Zuhause und Snips sucht jemand der auf ihre zwei dummen Katzen aufpasst. Win-Win für beide Seiten. Denn so wie wir die Kleine mittlerweile kennengelernt haben, wäre die neugierig in den ersten LKW gelaufen.

Paula durfte weiter ihren Arbeitstitel Paula behalten, aber aus Paulinchen ist Fine geworden. Wir mussten uns ganz schön umgewöhnen. Erstmal ist da die Größe. Snips hatte ja stattliche 5,5 kg verteilt auf 80cm. Die beiden kommen vielleicht zusammen auf’s gleiche Gewicht. Und Fine ist halt ein Kitten. Mit Kittenenergie und Kittenneugier. Die Wohnung musste also komplett neu abgesichert werden von Seniorenkatze auf Flitzekatze. Oder Frettchen, wie ich sie nenne, weil sie sich meistens wuselnd durch die Wohnung bewegt.

Katzenparty

Was auch neu und anders ist für alle Beteiligten: Es sind halt zwei Streuner. Paula war anderthalb Jahre nur draußen. Entsprechend zurückhaltend ist sie immer noch. Sie taut jeden Tag ein bisschen mehr auf, aber ich denke, wir haben noch einen Weg vor uns. Ob sie mal ne verschmuste Kuschelkatze wird, wissen wir nicht. Ich weiß auch nicht, ob ich das mit Paula möchte. Beim Distanzspielen mit ihr merkt man schnell, dass das keine süße Stubenkatze ist, sondern dass sie Kraft hat und keine Gefangenen macht. Und nicht ohne Grund hat Paula bei uns den Spitzname Panik-Paula. Wir haben aber schnell gesehen, dass sie für ihren überraschten Gesichtsausdruck wenig kann, sondern einfach so aussieht. Dass es aussieht als würde ihr Mund immer ein bisschen offen stehen, macht es nicht besser. Dass sie manchmal leicht schielt, auch nicht…

Wir freuen uns über jeden Fortschritt. Dass Paula nach zwei Monaten langsam akzeptiert, dass wir keine Katzen fressen, dass man durchaus mit uns spielen kann und dass wir eigentlich ganz okay sind und gutes Futter regelmäßig anschleppen. Und ich glaube, sie genießt es, dass sie drin sein kann und raus darf wenn sie Lust drauf hat. Sollte man von einer Streunerkatze nicht denken, aber im Gegensatz zu Fine hat es eine Weile gedauert, bis sie sich für den Balkon interessiert hat.

Fine ist… anders! Gefühlt hat sie zwei Hirnzellen, die hin und wieder unter Kopfnüssen von Paula leiden, ist leicht zu begeistern und leicht abzulenken. Und sie weiß nicht immer, wann Schluss ist. Also im Grunde ist Fine meine Katze und Paula Simones Katze. Fine liebt draußen. Sobald jemand die Balkontür aufmacht, steht sie neben einem. Und Fine ist definitv die furchtlosere. Oder sowas in der Art. Knalltüte könnte man sie auch nennen.

Es ist auf jeden Fall sehr spannend zu sehen, wie die beiden miteinander interagieren. Hatte Paula wegen irgendwas Angst, kam Fine um die Ecke und hat sie angeschnurrt. Und auch wenn Fine mittlerweile so groß ist wie Paula und sie beim Raufen aufs Kreuz legen kann, wird Fine doch jeden Mittag wieder zum Kitten: Mittagsschlaf macht man bei der Mama und Paula passt auf sie auf. Ich glaube zwar nicht, dass sie das immer ganz freiwillig macht, aber sie passt auf. Inklusive Fauchen, wenn sie Gefahr wittert.

Und wenn ich ehrlich bin, ich habe immer noch Respekt vor Paula. Gerade am Anfang hat man eindeutig gesehen, dass sie Muskeln hat und ein ziemlich breites Kreuz. Und Paula haut halt zu. Ich habe aus kurze Entfernung gesehen, was sie mit Spielzeug an der Angel anstellt und das ist mal ne ganz andere Hausnummer.

Es ist immer noch ein langer Weg mit den beiden. Fine ist mittlerweile auf Körperkontakt aus wenn sie was will und mit Paula wird die Distanz jeden Tag ein bisschen besser. Aber es sind bei weitem noch keine Schmusekatzen. Und trotzdem sind wir sehr happy mit den beiden. Besonders dann, wenn wir mitbekommen, wie es anderen Katzen an der Futterstelle ergeht, die so groß sind wie Fine und eben doch neugierig oder unvorsichtig waren. Ich schätze, wir haben zwei Katzen einfach das Leben gerettet. Deswegen: Mut zur Gebrauchtkatze! Und lasst eure Katze, egal ob neu oder gebraucht, kastrieren. Das haben die Katzen nicht verdient und macht allen Beteiligten das Leben einfacher.

Sind sie ein Snips-Ersatz? Nein, die Befürchtung vom Anfang hat sich nicht bestätigt. Die Mädels sind komplett anders. Sie haben sich und „brauchen“ uns nicht so wie Snips als ihr Rudel. Gut für die zwei aber natürlich auch anders für uns. Und wie eingangs erwähnt: Hin und wieder habe ich immer noch einen Klos im Hals, weil die große Katze fehlt.

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