Got Brain? – Got Brain!

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Literatur ist gerade in.

Neben dem Hype um Westeros und „Das Lied von Eis und Feuer“ sind die Untoten von „The Walking Dead“ gerade groß unterwegs. Der Comic hat es zur Fernsehserie geschafft und jetzt auch noch zu einem Videospiel. Obwohl man eigentlich nicht Videospiel dazu sagen kann sondern wohl eher interaktiver Graphic-Novel von Telltale. Unglücklicherweise haben die mit in der jüngsten Vergangenheit eher mit ihrem ungewollten Retro-Charme bei Jurassic Park auf sich aufmerksam gemacht, weshalb ich ein bisschen vorsichtig war, was das Spiel angeht.

Dazu kommt noch, dass man sozusagen im Voraus zahlt: 5 Episoden für zusammen ungefähr 25 €, die alle nach und nach erscheinen. Nicht gerade das „Hajo… ich probier es halt mal aus“-Schnäppchen, das man mal so eben fröhlich dem Entwickler in den Rachen wirft.

Und dann passiert etwas seltsames. Mehr oder weniger die ganze Videospiel-Blogosphäre und Twittossphäre war sich einig!

Das, ist das geilste Spiel des Jahres. Und das schon nach Episode eins von fünf.

Ich bin dann also doch schwach geworden und muss sagen:

Mit Recht!

„The Walking Dead“ ist die Geschichte von Lee und hält sich fern von den Büchern oder der Serie, die sich ja auch nur an den Büchern orientiert ohne die Story 100% aufzunehmen. Man kommt zwar an bekannten Orten wie Hershel’s Farm vorbei und trifft früh im Spiel Glenn, aber damit hat es sich auch schon mit der Comic-Vorlage. Übernommen wird nur Setting und vor allem der optische Stil. Wie schon erwähnt: Weniger Action, weniger Adventure. Dafür mehr ein interaktiver Graphic Novel mit vor allem einem: Viel Story und vielen Gänsehautmomenten.

Denn selbst der Spieler, der Lees Geschicke leitet, weiß am Anfang sehr wenig über ihn, sondern lernt erst nach und nach seine Geschichte kennen. Und die ist irgendwo zwischen schwerem Schlucken und Verständnis für die Person.

„Schwer“ im Sinne von komplexen Rätseln ist The Walking Dead dabei nicht. Und das ist gut so. Der Lösungsweg ist meistens der einzige Weg der gangbar ist und das Finden des selbigen lenkt nicht stundenlang von der Story ab. Was zu tun ist, ist meistens so sonnenklar, wie die Tatsache, dass man in einem Buch die Seite umblättern muss um weiterlesen zu können. Nichts anderes sind die Rätsel… Denn sonst wäre es wirklich fast nur ein interaktives Bilderbuch.

Eine Tür aufzubrechen ist kein Geschicklichkeitsspiel sondern eben nur klicken auf, wahlweise markierte, Stellen in der Szenerie. Genau wie Gespräche oder das durchsuchen der Umgebung. Was „The Walking Dead“ anders macht ist, auch wenn ich mich wiederhole, die Story. Die Aussage, dass sich die Spielweise auf das Spiel auswirkt ist, anders als z.B. bei Deus Ex, kein Wunschdenken, sondern Tatsache. Bist du nett zu jemand, dann erinnert er sich daran, triffst du eine unpopuläre Entscheidung, dann kann es sein dass du dir Feinde gemacht hast. Und fast nebenbei lässt das Spiel immer wieder diese Kopf-oder-Zahl-Situationen auftauchen.

Neutralität gibt es, bei den wichtigen Entscheidungen nicht. Und du musst dann eben damit Leben, dass jemand den Rest des Spiels sauer auf dich ist, weil du in Episode 1 eine Entscheidung getroffen hat, die ihm vielleicht nicht schmeckt.

Aber genau das macht das Spiel so fesselnd. Und als ob bestimmte Entscheidungen nicht schon schwer genug wären, sollen sie auch noch unter Zeitdruck gefällt werden. Die zwei Stunden pro Episode sind da so fesselnd, dass man vor dem Abspann eigentlich gar nicht aufhören will, auch wenn es einige Stellen gibt, bei denen man sich lieber mit Grausen abwenden möchte.

Wermutstropfen gibt es trotzdem, abgesehen davon, dass das Spiel immer nur häppchenweise erscheint und schon fiese Cliffhanger hat: Es ist technisch eine Katastrophe!

Ich kaufe Spiele bei Steam, weil sie funktionieren und ich mich um viele Dinge nicht mehr kümmern muss. Patches kommen vielleicht später, aber ich habe die Gewissheit, dass sie irgendwer mal getestet hat. Derjenige muss wohl bei „The Walking Dead im Urlaub gewesen sein. Nachdem ich nämlich die 25 € überwiesen und die paar Hundert MB runtergeladen hatte, ging nämlich nichts… Die WalkingDead101.exe wollte einfach nicht. Auch nach einem Neustart nicht und auch nicht nachdem ich den Game-Cache erfolgreich geprüft hatte.

Das Spiel mag es viel fieser! Bevor im Spiele-Ordner von Steam, die exe nicht mit Administrator-Rechten versorgt wurde, der Kompatibilitäts-Modus auf „Windows(!) 98“ umgestellt war und die Oberfläche meine Windows 7 Pro nicht auf „Basis-Schema“ zurückgefahren wurde, verweigerte das Spiel einfach den Dienst. Ich musste doch mal kurz auf’s Datum schauen, aber ja, wir haben 2012 und ich muss sowas immer noch machen. Immerhin musste ich nicht aus dem DOS-Fenster starten.

Damit aber nicht genug. In zweiten von virtuellen und echten Mehrkernprozessoren nutzt das Spiel einen… und den in meinem Fall bis zum Anschlag, oder ruckeln des Spiels, während sich die anderen Kerne langweilen. Glückwunsch! Ja, der Comic-Stil sieht gut aus, aber muss es deshalb 2012 noch so ein Hardware-Kolbenfresser sein? Selbst PS3 und XBox haben mehr als einen Prozessor… Mein Rechner kann zwar aktuelle Grafik-Knaller in superhübsch, hier musste ich die Grafikschraube aber nach unten drehen.

Liebe Jungs von Telltale, das mit der Story habt ihr super hinbekommen, aber könntet ihr diese lästigen Technikmacken noch beseitigen? Dann ist euch damit sicher der Titel „Spiel des Jahres“ sicher.

Denn so gefesselt von ein einem Spiel war ich die letzten 20 Jahre noch nie!

2 Kommentare

  1. Pinhead sagt:

    Ich stimme dir zu, dass die Atmosphäre sehr dicht ist. Die ganzen technischen Probleme hatte ich nicht. Allerdings läuft das Spiel bei mir auch auf Windows XP. Die Grafik musste ich nicht reduzieren und mein Rechner gehört sicherlich nicht zu den High-End Geräten.

    1. hazamel sagt:

      Bei der ersten Flucht habe ich den Ton gehört, hatte aber nur Standbild. War schon sehr nervig

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