Digitale Mautschranke

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Du stehst vor einer Mauer.

Dieser Satz hätte vor einiger Zeit noch in einem Videospiel vorkommen können, ist aber mehr und mehr Realität im digitalen Zeitungswesen. Die Paywall kommt.

Das heißt nicht mehr als dass der Besucher zahlen muss, wenn er lesen will. Entweder auf der Stelle oder erst nach einer bestimmten Anzahl von Aufrufen.

Da ich selber schon seit Jahren damit zu tun habe, wie man Leute im Internet draußen hält, war die Funktionsweise der Paywall für mich nur ein kurzes Geheimnis. Und auf Grund eben jenes Bestrebens Leute bestmöglich draußen zu halten, komme ich eher selten in de Genuss einer Paywall. Hier soll es aber nicht darum gehen, warum und wie man einen Blick in den verbotenen Garten werfen kann, sondern darum wie das überhaupt rechtlich aussieht.

Bei einem anonymen Großmonster wie der New York Times oder Der Welt war meine Hemmschwelle wesentlich niedriger und ich habe das indirekte ausweichen vor der Paywall billigend in Kauf genommen (Indirekt wird man an mehreren Stellen im Internet sogar dazu aufgefordert). Jetzt, wo die lokale Zeitung aber die selbe Wall einsetzt wie die anderen und nicht mehr nur auf „nach 3 Tagen kostet der Archivabruf“ setzt, sieht die Sache schon anders aus. Immerhin kennt man da Leute und indirekt geht es ja auch um deren Gehalt.

Wie ist das nun also? Bin ich ein „richtiger“ Verbrecher wenn ich, warum und wie auch immer, mich um solch eine einfach Paywall drücke? Oder ist es lediglich eine moralische Sache? Also das Risiko das der Betreiber einer solchen Paywall wissend und billigend in Kauf nimmt?

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5 Kommentare

  1. noch ein Markus sagt:

    seit es bei der ‚Welt‘ die Beschränkung auf 20 Artikel pro Monat gibt habe ich keinen Blick mehr dahin geworfen, das ist mir dann auch zu blöd.

    grundsätzlich bin ich ja der Meinung das die Verlage machen können was Sie wollen, und das so ein Online-Auftritt finanziert werden muss ist auch klar, darum ist eine Paywall in welcher Form eine klare Ansage.
    Aber dann bitte nicht groß jammern wenn plötzlich die Besucherzahlen wegbrechen und damit auch die Werbeeinnahmen.

    ob Du ein richtiger Verbrecher bist, musst du für dich selbst entscheiden, tatsächlich hast du dir aber eine Leistung erschlichen, die dir nicht zusteht. 🙂

    1. hazamel sagt:

      30 sind es… und es ist ganz schön anstrengend die dann auf Krampf vollzubekommen, wenn man einmal die Seite wirklich braucht, wo die Info steht.

      Das mit dem „erschleichen“ ist eben so eine Sache. Technisch ist das totales Low-Level. Es muss nichts geknackt, gehackt oder manipuliert werden.

      1. Ralf sagt:

        Das du das leicht umgehen kannst, ist kein Argument. Auch wenn eine Haustür aufsteht, darfst du nicht reingehen und die Wohnung ausräumen – auch wenn es ganz leicht geht! 😉

      2. hazamel sagt:

        @Ralf: Ich bin aber durchaus mit in der Haftung, weil ich den Dieb zu einer Straftat verführt habe, indem ich es ihm so leicht gemacht habe. 😉
        Um die Paywall nicht zu sehen muss ich ja auch eher das Gegenteil von leichtsinnig sein 😉

    2. Ralf sagt:

      Dass bei solchen „metered paywalls“ wie bei NYT, welt.de oder mainpost.de die Besucherzahlen wegbrechen, glaub ich gar nicht. Denn man kann da – innerhalb der erlaubten Anzahl – jetzt auf viel mehr Artikel zugreifen, sei es über Suchmaschinen, Verlinkungen oder Suche auf der Seite.

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