Würzburgs BILD zur Welt

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Eines mal gleich vorweg:

Ich habe kein Problem mit „Würzburg erleben“. Also zumindest nicht persönlich und es gibt für mich auch keinen Grund auf die Zugriffs- und Fanzahlen neidisch zu sein.

Ich habe viel mehr ein Problem (ich weiß nicht mal, ob man es Problem nennen sollte), wie eben jene Facebook-Seite seit einiger Zeit immer wieder in mein Bewusstsein zurückdrängt. Fan der Seite bin ich schon länger nicht mehr. Und damals haben sie nur hübsche Bilder mit eher unverfänglichen Fragen wie „Sonne in Würzburg! Was macht ihr heute?“ gepostet und ihre Nase nicht überall reingesteckt.

Heute ist Würzburg erleben ein Konglomerat aus verschiedenen Sparten wie zum Beispiel „Blaulicht Würzburg“, die gerne auch mal unreflektiert, unredigiert und unkorrigiert Polizeimeldungen ins Netz ballern. Aber darum soll es heute gar nicht gehen, auch wenn es thematisch recht eng vorwoben ist.

In letzter Zeit tritt „Würzburg erleben“, das sich nach Eigendarstellung ja als DAS (fett, groß, unterstrichen, blinkend und mit roter Ameisenkolonne) Aushängeschild unserer schönen Stadt im Netz versteht, eben immer wieder negativ in mein Leben.

Wenn ich mich schon so definiere, dann gehe ich doch halbwegs professionell an die Sache ran. Professionell in dem Sinne, dass ich

  • Keine tendenziösen Überschriften mache
  • Meinen Fans nicht in den Kommentaren dumm komme
  • In der Redaktion ein gewisses Maß an Selbstkritik besitze
  • Dinge nicht einfach unreflektiert übernehme und online stelle

Für mich ist die Seite nämlich mittlerweile nicht mehr DAS (fett, groß, unterstrichen, blinkend und mit roter Ameisenkolonne) Aushängeschild unserer schönen Stadt im Netz, sondern eher sowas wie die Bild-Zeitung. Im Grunde liest es keiner, aber jeder regt sich drüber auf. Also zumindet diejenigen, die… ach lassen wir das.

Highlight sind da aus meiner Sicht zwei Dinge in der letzten Zeit:

Die Anspielung auf den Migrationshintergrund eines Bürgermeisterkandidaten (Was man ja nie so gemeint hat…) die dann in den Kommentaren auch gleich entsprechende Gesinnungen angezogen hat, wie die Motten das Licht.

Zum anderen dann das unreflektierte Weitergeben einer schon sehr platt formulierten Frage zur Kunstaktion an der Leonhard-Frank-Promenade zur aktuell in der Stadt nicht zu übersehenden Aktion „Würzburg liest ein Buch„.

In beiden Fällen war nicht nur die Bildunterschrift schwach bis provokant formuliert, sondern, was für mich noch schlimmer ist, man redet sich von Seiten der Redaktion raus. Man wolle dies oder jenes eben zur Diskussion stellen, man sei nicht informiert worden oder eben nur falsch verstanden worden.

Was mir fehlt, ist der Arsch in der Hose der Redaktion einfach mal einzugestehen, dass das dumm gelaufen ist, dass man sich da im Ton vergriffen hat oder schlicht und ergreifend keine Ahnung hatte und sich eben artig bedankt und das korrigiert.

Stattdessen kommt da scheinbar immer eine Reaktion der Redaktion, die ich irgendwo zwischen „Ich hab aber Recht! Auch wenn ich nicht Recht habe“ und dem trotzigen Aufstampfen eines Dreijährigen liegt, der im Supermarkt seinen Lutscher an der Kasse nicht bekommt.

Jungs und Mädels der Redaktion: Das geht so nicht. Ich weiß nicht, wer euch Social-Media-Profis das so beigebracht hat, aber das geht so nicht. Das ist nicht gerade das Bild, das man als Würzburger nach außen vermitteln will (Nun gut, im Grunde ist es ein reales Bild der fränkischen Freundlichkeit…): Intelligent und weltoffen.

Vielleicht verstehe ich das aber auch vollkommen falsch und es steckt wirklich ein Plan dahinter.

Provinz auf Bild-Niveau

9 Kommentare

  1. Würz-Bug sagt:

    Ich glaube, das Wort „Redaktion“ lässt sich im Zusammenhang mit WE nicht benutzen, da es bei diesem Organ an den grundlegenden redaktionellen Fähigkeiten mangelt (z.B. Kommentare als solche Kennzeichnen, Anzeigen kenntlich machen, Inhalte redigieren)

    Es handelt sich m.E. um ein „Meinungsmedium“. Dass viele FB-Kommentatoren auf WE lediglich mit dem Stammhirn posten. Naja, das lasse ich mal unkommentiert 🙂 Jedes Medium hat sein spezielles Publikum …

    1. hazamel sagt:

      Da halte ich mich raus 😉 Sie sprechen eben immer von einer Redaktion. Wie groß die ist oder wer da was von sich gibt, lässt sich für Außenstehende nicht nachvollziehen, da z.B. gegen den Deckmantel der vollkommenen Anonymität keine Kürzel oder ähnliches verwendet werden. Ich denke, dann wäre der Umgangston auch ein ganz anderer.

  2. Christian Kelle sagt:

    Einmal hatten sie bei einem Bericht über einen Feuerwehreinsatz in Reichenberg den Ort zu einem Stadtteil Würzburgs gemacht… Als ich sie darauf hinwies und meinte, ihre Schreiberlinge sollten vielleicht erstmal lieber die wirklichen Stadtteile Würzburgs auswendig lernen, wurde ich auch zurechtgestutzt: „Dein Tonfall ist belehrend und tendenziös zynisch. Bitte beachte die Netiquette und überdenke Dein Verhalten auf unserem Portal!“ Seitdem lasse ich gerne öfters tendenziös zynische Kommentare bei blöden Fragestellungen wie „Wieviele Maß Bier trinkt Ihr beim Frühjahrsvolksfest?“ (Zehn und vier halbe Hähnchen. Danach muss ich mich meistens übergeben.) oder „Mitternachtsposting: was habt Ihr zuletzt getrunken?“ (Mittelstrahl.) vom Stapel. Jeder so, wie er’s verdient.

    1. hazamel sagt:

      Das schließt die Lücke zu den AGBs bzw. zu deinem Post über ihr Impressum 🙂

      Wie kannst du auch zynisch sein. Sowas geht doch nicht. Ich hoffe du markierst deinen Posts dann auch entsprechend mit einem Ironie- und Zynismus-Tag 😀

  3. Simon sagt:

    Jop, sehe ich genauso! Zumal es mit der (reißerischen) Polizeiberichterstattung immer schlimmer zu werden scheint. Wenn ich meine Twitter-Timeline checke komme ich mir manchmal vor als wäre Würzburg die Bronx. Als ich die Jungs darauf hingewiesen habe kam meine absolute Lieblingsantwort zurück „Klickt mehr auf Kultur Artikel, dann kommen auch mehr.“. Toll! Man sollte sich bei WE wieder stärker auf Geschichten über die Stadt konzentrieren, das ist ja quasi deren Kernkompetenz.

  4. Triatlon sagt:

    Irgendwie hört Ihr Euch an, als müsstet Ihr weinen… Hört auf zu meckern und macht selbst mal was vernünftiges anstatt “ einmal, da hat der aber gesagt…blabla“ Das hört sich an wie im Kindergarten! Ist das etwa aus dem Stammhirn?

    1. hazamel sagt:

      Ich muss keinesfalls weinen 😉
      Dass die Stimmung etwas aufgeheizt ist, liegt wohl daran dass die Kommentare weiterhin nicht sonderlich deeskalierend sind. Wer jüngst wieder ein Foto von einem Pelzladen in Würzburg online stellt und dann fragt, was die Leute davon halten, der muss sich doch schon vorab klar sein, was da für Kommentare kommen. In wie fern das nicht schon rufschädigend für den Laden ist, das müssen andere Beurteilen.
      Die Liste dazu ist ja lang.
      Alternativen gibt es übrigens auch schon lange. Das Würzblog macht sowas schon seit fast 10 Jahren. Bisher ist es dort (Okay, ich erinnere mich nur an eine Ausnahme…) sehr gesitttet zugegangen. Der Versuch mit der Facebook-Seite „Einfach Würzburg“ eine Art Gegenstück zu machen ist nicht am Zuspruch, sondern an der mangelnden Zeit der Betreiber gescheitert. Auch die müssen irgendwie ihre Brötchen verdienen 😉
      Letztlich hat sich auch da wieder wahrscheinlich wieder unschön Würzburg erleben schon sehr schnell angeschlichen, als es ein ziemlich direktes Wortgefecht mit einer Nutzerin über das Impressum gab. Wenn man sich deren Facebook-Profil angeschaut hat, dann hat man gemerkt, dass die Dame bei einem Ableger von Würzburg erleben in Ansbach (?) gearbeitet hat. Mag Zufall sein, dass gerade die sich vehement beschwert. Muss aber nicht.

      Was mir fehlt, und scheinbar nicht nur mir, ist ein anderer Umgangston und dass man bei einen oder anderen Post zweimal drüber nachdenkt.

      1. Hi Florian,

        nutze doch das nächste Mal die Gelegenheit, wenn wir uns persönlich treffen, solche Dinge oder auch im allgemeinen mit mir zu diskutieren. Können zwar verstehen, dass man hier lieber einen Artikel verfasst, aber manche Diskussionen sind im Dialog doch um einiges erhellender.

        Grüße,
        Christian

      2. hazamel sagt:

        Sorry, stimmt haben uns ja Gründonnerstag gesehen.
        War da schon voll im Basketball-Modus.
        Im Grunde ist es ja aber auch nichts Neues, sondern etwas das, so zumindest mein Eindruck, immer wieder in den Kommentaren hochkommt.
        Das nächste Mal dann durchaus gerne persönlich 😉

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