Wenn Wissen zur Gefahr wird

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Es ist jetzt schon über 40 Jahre her, dass der Mensch mit der Rechenleistung eines Taschenrechners auf dem Mond gelandet ist. Die Raketen, die wir ins All schießen sind im Grunde technisch immer noch auf dem Stand, den Wernher von Braun damals mit in die Staaten gebracht hat.

Alles in allem kann man also sagen, dass die Menschheit in der technischen Entwicklung ein bisschen stecken geblieben ist. Natürlich passt heute mehr Rechenpower in die Hosentasche als Apollo 11 damals zur Verfügung hatte, aber der große Sprung in die Zukunft bleibt (gefühlt) doch irgendwie aus.

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Ohne es zu wissen habe ich also gleich zwei Bücher erwischt, die sich im Kern oder am Rande mit genau diesem Problem beschäftigen. In Reids Galaxy Tunes waren es Aliens, die mit allen Mitteln den Fortschritt der Welt gebremst haben. In Daniel Suarez Tech-Thriller Control ist es eine Bundesbehörde. Das Bureau of Technology Control, das sich kurz BTU nennt, beobachtet auf der ganzen Welt Forschung und Wissenschaft.

Wenn jemand etwas erfindet oder entwickelt, das für zu gefährlich für die soziale Ordnung zu sein scheint, wird es kurzerhand „geerntet“. Zu deutsch: Ein Team wird entsandt, dass Technik und Erfinder einsammelt und mitnimmt ins BTU.

So ergeht es eines Abends dann auch Jon Grady. Seines Zeichens Selfmade-Physiker mit einem Master aus dem Internet. Er hat etwas erfunden, das er selbst „Gravitationsspiegel“ nennt und mit dem er die Schwerkraft aufheben und in jede beliebige Richtung lenken kann. Dass das BTU zu seinen Geldgebern zählt, erfährt er erst nachdem er im BTU-Hauptquartier wieder zu sich kommt. Dort lernt er auch, dass die Welt eigentlich schon weiter ist, als sie zu sein scheint. Bekommt er hier doch direkt vor Augen geführt, dass es einen Fusionsreaktor gibt, der neben einem Heilmittel für Krebs steht und von einer Dame beobachtet wird, die nicht altert.

Ja, man kann Suarez schon mit Crichton oder Clancy vergleichen. Er so abgedrehte Szenarien wie der erste und driftet stellenweise ins technische Details wie der zweite. Ich mochte das Buch sehr und habe es relativ schnell verschlungen. Ich muss an der Stelle aber auch sagen, dass ich die anderen Bücher von Suarez nicht kenne. Nachdem ich da mal thematisch drübergeschaut habe, ist es auch nichts, was mich jetzt zu sehr reizen würde. Und leider kränkelt auch dieses Buch ein bisschen am Schluß. Es ist vielleicht nicht so eine herbe Enttäuschung wie bei Galaxy Tunes, aber bei weitem nicht mehr so fesselend wie der Beginn oder die Mitte des Buches. Eher Standardkost mit einem Hauch zu viel Action, zu viel Klischee und zu viel gewollt. Abgerundet von einem Epilog, der das Prädikat Kitsch eindeutig verdient. Vor allem weil der dann gar nicht zu dem passt, was viel weiter vorne im Buch noch beschrieben wurde.

Weiterhin führt damit auch immer noch Der Arktis Plan die Liste der Bücher an, die zwar am Anfang schwer in Schwung gekommen sind, aber die ich dann innerhalb von einer Nacht weggeatmet habe.

Spannend und lesenswert ist das Buch auf jeden Fall. Aber auf den letzten 100 Seiten sollte man besser den Kopf abschalten und einfach eine Tüte Popcorn aufmachen.

Control – Daniel Suarez

rororo
496 Seiten, 12,99 €
ISBN 978-3499268632

Käuflich gibt es das zum Beispiel hier oder hier oder im Buchladen um die Ecke

Ein Kommentar

  1. Nils sagt:

    Ich habe Daemon vom gleichen Autor vor einiger Zeit gelesen und war ziemlich begeistert. Müsste sein erstes Buch gewesen sein, sofern mich meine Erinnerung nicht trügt. Das Buch hat mich als technisch interessierten Menschen ernst genommen, das fand ich schon super. Da war es dann doch eher zweitrangig, dass das Ende nicht für sich stehen konnte. Der Nachfolger „Darknet“ ist bereits gekauft, versauert aber noch auf dem E-Book Reader. Mir gefällt die Schreibweise der Romane ganz gut und das ist mir als ein Wenigleser wichtig. Da akzeptiere ich auch die ein oder andere zu schluckende Kröte 😉

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