Warum hat Würzburg keinen…

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…Starbucks oder Zara oder sonst eine der „wichtigen“ Ketten in der Innenstadt?

So oder so ähnlich schallt es, grad im Sommerloch, immer wieder durch die Social Networks. Gleichzeitig schwappt der Unmut hoch, dass wieder ein Geschäft leer steht, wieder ein Billigbäcker oder ein Ein-Euroshop in lukrativer Lage eröffnet wurde. Ja, man kommt sich ein bisschen vor, als hätte jemand in der Stadt eine Endlostapete mit immer dem gleichen Muster an den Einkaufsfassaden ausgerollt.

Und das in einer Stadt die sich selber ein bisschen zur Metropole und Großstadt hochstilisiert. Das böse Wort „Provinz“ mag man so gar nicht hören.

Und doch weht der Hauch der Provinz durch die Innenstadtgassen Würzburgs. Unter der Woche nach 19 Uhr sogar gefühlt auch ein paar Rosensträucher.

Nicht dass man mich falsch versteht, ich mag Würzburg. So wie es ist, ist es mit seinem Kneipen- und Kulturangebot vollkommen ausreichend. Es sollte wirklich für jeden etwas dabei sein. Und ja, ich mag es wenn kleine Läden im Stadtbild davon zeugen, dass es doch noch ein bisschen Individualität gibt. Ich mag die vielen kleinen Kaffeebars mit ihren leckeren Coffee-to-gos. Und ich mag es, dass es immer noch kleine Läden abseits der Ketten gibt, die sich hartnäckig halten und dafür sorgen, dass die Innenstadt Charakter hat und nicht im Einheitsbrei der Franchise-Ladenstraßen untergeht.

Dennoch hängt Würzburg für mich irgendwie im Niemandsland der Städte fest. Aber eben leider mit starker Tendenz zum umliegenden Umland statt nach oben orientiert zu den größeren Städten.

Wie schon beispielsweise erwähnt unter der Woche ab 19 Uhr. Es mutet wie ein Rücksturz zum Mond an, wenn man nach ein paar Tagen Berlin wieder nach Würzburg kommt. Natürlich ist alles etwas beschaulicher und ruhiger, aber dass einem um halb 8 an einem Wochentag in der Innenstadt schon gähnende Leere entgegenschlägt ist schon irgendwie traurig, wenn nicht gar verstörend. So etwas erwarte ich von umliegenden Kleinstädten wie Lohr oder Karlstadt aber doch nicht vom unterfränkischen Zentrum. Wo soll denn bitte das vielgepriesene Weltniveau sein, wenn selbst ein großer Elektronikmarkt in bester Innenstadt-Lage um 19 Uhr seine Tore schließt? Wie soll das denn die Attraktivität der Innenstadt nach oben treiben, wenn spätestens dann die meisten Läden ihre Pforten schließen, die zum bummeln einladen würden?

Wirklich lebendig und voll scheint es nur am Samstag zu sein und das auch nur bis Nachmittags. Ich erahne, dass der Grund die Tagestouristen aus dem Umland ein dürften.

Heute fahren wir mal nach Würzburg zum einkaufen

dürfte wie vor 20 Jahren auch heute noch für manchen aus den umliegenden Landkreisen das Happening des Monats oder Halbjahres sein. War es für mich ja auch, bis ich täglich in Würzburg war und es gar kein so großes Happening mehr war. Dementsprechend scheint sich aber auch das Angebot des Händler zu orientieren: Nur ein bisschen mehr bieten als die Städte im Umkreis zu bieten haben. Die Konkurenzversuche aus Schweinfurt haben ja scheinbar nicht genug in der Gegend eingeschlagen um sich grundlegend Gedanken zu machen.

Wer aber wirklich einkaufen will, und auch etwas über dem Grundbedarf hinaus finden will fährt raus aus Würzburg: Nach Nürnberg oder eben nach Frankfurt. Selbst Aschaffenburg scheint als Einkaufsziel schon attraktiver für die westlichen Landkreise zu sein.

Wer also mal weg war in einer „richtigen“ Stadt und den Flair ein paar Tage genossen hat, wird sehr genau wissen, warum Würzburg weder einen Dunkin‘ Donuts noch einen Starbucks und auch keinen Zara hat: Würzburg ist, bei aller Liebe zu dieser tollen Stadt am Main, langweilig. Besonders unter der Woche. Die Frage warum, muss man aber wohl an anderer Stelle stellen.

Auch wenn wir sie vielleicht nicht brauchen, aber ich denke, wenn sich diese Tatsache ändern würde und Würzburg mal den Sprung schaffen würde ein attraktives Innenstadtangebot zu liefern, dass auch unter der Woche durchaus bis 20 Uhr durchhalten kann, würden sich die gewünschten Ketten, ob wir sie nun brauchen oder nicht, schon von ganz alleine einfinden.

Aber so lange selbst in „bester Lage“ wie der Sanderstraße Läden schon seit einem halben Jahr leer stehen (oder, wie beim ehemaligen Kupsch wieder in einen 1€-Shop umgewandelt werden) wird sich die Frage nach dem „Warum haben wir eigentlich keinen…“ noch einige Zeit stellen.

3 Kommentare

  1. bienchen sagt:

    Okay, ich dachte, Chemnitz wäre die einzige Stadt mit diesem Problem…

  2. bienchen sagt:

    Ich hab letztens einen interessanten Artikel über Innenstädte gelesen, die auf alle Verkehrsschilder verzichten und allen wieder „Raum“ lassen – also Fahrradfahrer, Fußgänger und Autos teilen sich den Innenstadtraum gleichberechtigt. Da war auch die Rede davon, das so etwas sehr zur Belebung der Innenstädte beiträgt. Fand ich ganz interessant 🙂

  3. hazamel sagt:

    Das würde bei uns wohl dann scheitern, wenn der erste Besucher aus dem Umland unsanften Kontakt mit der Straßenbahn macht 😉 Also ungefähr ne halbe Stunde nachdem die Regelung eingeführt wurde.
    Chemnitz empfinde ich als noch krasser. Da ist ja selbst in der Innenstadt, abgesehen vom Galerie Roter Turm null los. Nicht mal am Samstag.
    Es spielt sicher auch eine Rolle dass die Mieten in den Hauptstraßen wohl exorbitant hoch sind und der Klerus hier in der Stadt sich da wohl uneinsichtig zeigt oder immer wieder doch nen Dummen findet, der doch bezahlt.
    Die Stadt tut sich in den Fällen dadurch hervor, dass sie ein ortsansässiges Bekleidungsgeschäft mit einer Klage überzieht, weil sie statt Holzfenstern Kunststofffenster eingebaut haben usw.
    Schaut man dagegen in die Randgemeinde Rottendorf ist das s.Oliver-Outlet-„Center“ mit grad mal sechs Läden egal wann man kommt immer voll.
    Mir persönlich sagt das Angebot in den Seitenstraßen auch mehr zu, da sich da mehr kleine und durchaus interessante Läden finden. Aber das sollte man schon wissen… Und die Gehsteige werden auch da um 19 Uhr hochgeklappt 😉

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