Sträter in der Sahnecremetorte

Wenn man einmal gehört oder gesehen hat, wie Sträter Sträter liest, dann hat man fortan das Problem, dass man, sobald von Sträter liest, immer im Kopf hat, wie Sträter Sträter liest.

Das sollte als Buzzword-Orgie für Google eigentlich reichen, ist aber auch gleichzeitig der Grund, warum wir uns eigentlich über ein halbes Jahr gefreut haben, dass wir Karten für die „Lesung“ von Torsten Sträter in Aschaffenburg hatte. Leider wurde die Dame des Hauses, angeblich von meinem Schnupfen, dahingerafft und ich musste ersatzweise mit jemand anderem zu Torsten Sträter. Trotz Schnee und Eis.

Die Kurzfassung, für alle, die es eilig haben: Es war großartig. Ich habe Tränen gelacht und hatte zwischenzeitlich wirklich Befürchtungen, dass ich am nächsten Tag mit Bauchmuskelkater kämpfen würde. Zumindest das letzte ist ausgeblieben.

Wer schon mal im Stadttheater in Aschaffenburg war, der weiß, dass der überraschte Ausdruck dass der Innenausstatter wohl Glööckler hieße oder es im inneren einer Sahnecremetorte nicht anders aussehen könne, nicht von all zu weit hergeholt waren. Angefangen hat das Programm dann übrigens nicht pünktlich, sondern mit leichter Verspätung. Zwei Plätze in der vierten Reihe waren leer. Kam auch keiner mehr, was eine Umsetzungsaktion von der Galerie ins Parkett zur Folge hatte, weil der Künstler sonst wahnsinnig geworden wäre. Die Frage ob das geht, stelle ich hier mal nicht. In den drei Stunden hat Sträter eigentlich sehr wenig gelesen sondern ist immer wieder vom eigentlichen Kurs abgekommen um dies oder jenes zu ergänzen oder komplett den Pfad zu verlassen. Man hat auch den Willen gemerkt, dass er da nicht nur steht um Lacher zu kassieren, sondern dass ihm das eine oder andere auch ein Anliegen war. Dass die Polizei in Deutschland zum Beispiel einen guten Job macht und man sich zum Thema „Polizeiwillkür“ nur mal die USA oder Mittelamerika anschauen solle. Oder dass er sich Afrika selber mal angeschaut hat. Da hat man schon gemerkt, dass ihn das beschäftigt, aber er hat dann aus meiner Sicht keinen Anker gefunden das wirklich rüberzubringen. Oder dass er sich, soweit es seine Zeit zulässt, sich mit Flüchtlingen beschäftigt.

Was davon jetzt wirklich alles spontan und echt ist, lässt sich von außen natürlich schwer sagen, aber ich mag seine Art und seinen Humor. Und, sorry für die anderen Beiden, ich mag seinen Beitrag und seine Interaktion im Podcast Sträter, Bender, Streberg. Gast hin oder her, ohne ihn fehlt halt doch was.

Es war auf jeden Fall ein großartiger Abend. Die Sitzplatzwahl war übrigens ein Traum. Riesige Beinfreiheit und freie Sicht auf die Bühne. Leider ist er das nächste Mal erst in über einem Jahr wieder in der Gegend. Empfehlen kann ich ihn auf jeden Fall ohne mit der Wimper zu zucken.