Hazamelistan

Dies und Das seit 2001

Reacher, Jack Reacher

Pünktlich als ich mit dem zweiten Jack-Reacher-Roman durch war, fiel mir in der Online-Ausgabe des Focus eine kurze Abriss (Mehr als eine Kurz-Rezension kann man das wohl nicht nennen) über den neuen Jack-Reacher-Roman von Lee Child in die Hände.

Gefühl dürfte Jack Reacher in Deutschland noch eine ziemlich unbekannte Romanfigur sein, auch wenn er schon das eine oder andere Abenteuer auf dem Buckel hat. Für all diejenigen, die ihn noch noch nicht kennen: Jack Reacher ist ein Ex-Militärpolizist, der auf unglückliche Art und Weise irgendwie immer in Dinge hineingezogen wird, die die böse Seite meistens nur selten vollständig lebend übersteht. Wie er selber sagt, tut er das was getan werden muss auch wenn es nicht immer ganz gesetzeskonform ist. Ihn zu finden ist fast unmöglich, da er weder festen Wohnsitz hat noch irgendetwas anderes sein eigen zu nennen scheint außer dem, was er am Körper trägt. Womit er sein Geld verdient habe ich auch nach zwei Romanen nicht verstanden… Vielleicht ist es auch unwichtig.

Meine beiden (englischsprachigen) Begegnungen mit Jack Reacher waren in Persuader (April 2003) und One Shot (April 2005). Scheinbar war die Wahl eine gute, denn unterschiedlicher hätten die Bücher nicht ausfallen können:

Persuader

Reacher trifft durch Zufall einen totgeglaubten „alten Bekannten“ wieder und gerät dabei in den Fokus der Ermittlungen der DEA. Und scheinbar wäre Reacher nicht Reacher wenn es nur bei einem harmlosen Interview durch die DEA bleiben würde.

Chronologisch spielt das Buch vor dem zweiten Reacher-Roman „One Shot“ was aber der Geschichte keinen Abbruch tut. Vorwissen ist nicht gefragt. Man erlebt einfach aus der Sicht von Jack Reacher etwa zwei Wochen bevor er wieder im Nichts verschwindet.

Leider muss ich sagen, dass ich es für das schwächere der beiden Bücher halte, was zum einen sicher daran liegt, dass nur aus der Ich-Perspektive Reachers erzählt wird, wie auch daran, dass die Story an sich ziemlich lahm war. Den großen Story-Twist habe ich mir dadurch versaut, dass ich schon zu Anfang des Buchs von vollkommen falschen Tatsachen ausgegangen bin und diese durch die Aussagen der anderen Charaktere nur noch erhärtet wurden. Natürlich kann es auch sein, dass das ein geschickter Schachzug des Autors war um den Leser hautnah mit der „Betriebsblinheit“ zu konfrontieren. In diesem Fall würde es also nicht mal einen Story-Twist geben sondern es wäre einfach nur flach… Das wäre Schade.

Zum Ende hin haben mich die Rückblenden in Reachers Vergangenheit und die Zusammenhänge zu einem vorherigen Job auch immer mehr genervt, da sie mehr oder weniger fließend zwischen Gegenwart und Vergangenheit gesprungen sind.

Deswegen zweieinhalb von fünf Fäusten für „Persuader“

One Shot

Andere Stadt, anderer Staat, andere Erzählperspektive.

Dieses Mal erzählt ein allwissender Erzähler die Vorkommnisse in einer Stadt im Herzen Amerikas: Ein Unbekannter erschießt am hellichten Tag fünf unschuldige Passanten und verschwindet. Auf Grund der vielen Spuren am Tatort ist der Täter schnell gefasst. Alles was er zur Tat sagen will ist, dass er Jack Reacher sprechen will. Dieser ist, mal wieder, nirgends zu finden und erfährt nur durch Zufall, dass seine Person gefragt ist und macht sich quer durch’s Land auf den Weg zum Tatort.

Wie schon erwähnt, ist in diesem Buch die Erzählperspektive eine ganz andere, was der Story nur gut tut. Indem einer der Hauptcharaktere für einen Großteil der Story dem Leser vorenthalten wird, ist lange nicht klar in welche Richtung die Reise geht. Immer nur häppchenweise wird man als Leser angefüttert und bekommt immer mal wieder zwischendrin einen Brocken eines anderen Handlungsstrangs hingeworfen. Genug, um wissen zu wollen, was Sache ist, aber zu wenig um daraus wirklich Rückschlüsse auf die Story ziehen zu können.

Deswegen 4 von 5 Fäusten

Wer einen Hang zu Namensvetter Jack Bauer oder der Stirb Langsam-Reihe hat, wird sich bei Jack Reacher sicher solide aufgehoben fühlen. Für mich war Supermann-Reacher an einigen Stellen doch zu hart unterwegs auch wenn er eben nur das tut, was getan werden muss. Den dritten Roman, den ich noch zu Hause liegen habe, werde ich wohl bei Gelegenheit mal nachschieben, aber mein Hunger ist für’s erste erstmal gesättigt und ich werde mich wieder anderen Büchern zuwenden.

In Deutschland ist die Reacher-Reihe bei Blanvalet zu finden.

Weiter Beitrag

Zurück Beitrag

2 Kommentare

  1. Madse 24. Januar 2011

    One Shot hab ich der deutschen Übersetzung gelesen und war auch nicht begeistert. Die ersten 2 Drittel vom Buch fand ich ehrlich gesagt sogar langweilig und zäh. Da dann das Ende recht hektisch gewirkt hat, hätte ich warscheinlich 2 Fäuste weniger vergeben.

  2. hazamel 24. Januar 2011 — Autor der Seiten

    Das macht irgendwie keinen Mut… Und ich fand One Shot zum Ende hin eigentlich okay, die Wahrheitsfindung hat sich aber echt gezogen

© 2020 Hazamelistan

Thema von Anders Norén