Quo vadis, Hazamelistan?

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Wie man merkt, ist es die letzten zwei Wochen hier sehr ruhig geworden. Die Themen fliegen mir nicht so zu, eine gewisse Antriebslosigkeit setzt ein, Projekt 52 hat bei mir in diesem Jahr echte Startschwierigkeiten… und dann ist da noch die Sache mit dem Feedback.

Feedback zu seinem Blog zu bekommen ist an für sich etwas feines. Es zeigt, dass sich die Leser, welcher Art auch immer sie sind, mit dem geschriebenen Wort auf dieser Seite auseinandersetzen. Die einen positiv indem sie meine Arbeit und Art loben, die anderen eher kritisch.

Letzteres ist dann aber auch das, was mir in der letzten Woche nach einem, zugegeben unglücklich verlaufenen, Wortgefecht momentan ein bisschen den Spaß und den Schwung an der Bloggerei verlitten hat.

Die erste Frage ist wohl, wie man mit Kritik umgeht. Nach fast zehn Jahren, die ich „das Baby“ jetzt schon betreibe, denke ich, dass ich für mich einen sauberen Weg und ein brauchbares Konzept gefunden habe, wie ich meinen Blog betreibe und wie viel Zynismus, Sarkasmus und satirische Spitzen ich meinen Lesern zumuten kann. Das hier ist, wie gesagt, „mein Baby“ und ich habe es die letzten Jahre eben auch aufwachsen sehen. Die meisten Blogger werden mir wohl bedenkenlos zustimmen, dass sie nichts, aber auch gar nichts auf ihre Arbeit in ihren Blogs kommen lassen. Sei es schon allein, weil es, grad bei persönlichen Blogs, eine Erweiterung der eigenen Persönlichkeit ist, ein Ausdruck der eigenen Kreativität und vielfach auch der eigenen Meinung. Dazu kommt der nicht unerhebliche zeitliche und organisatorische Aufwand, der hinter so einem Blog steckt und der ein oder andere Euro der im Laufe der Jahre dort hineingeflossen ist. Jeder, bei dem das Update des Blogs schonmal länger gedauert hat, kennt vermutlich die Schweißausbrüche bis man seine Seite wieder zu Gesicht bekommt.

Kritik an dem was man schreibt oder wie man es schreibt, ist also ein sehr schmaler Grad, der ganz schnell, auch wenn es vielleicht nicht so gemeint war, verletztend werden kann.

Wie also damit umgehen, wenn plötzlich jemand einem vermeintlich vorzuschreiben meint, wie die Themenauswahl auszufallen hat und wie der Schreibstil zu sein hat?

Und wie gewichtet man solche Kritik? Eine simple Gegenüberstellung der Anzahl von positivem und negativem Feedback? Lässt man die Gewichtung gelten, dass die Meinung Einzelner wertiger ist als die Anderer? Und muss ich dabei auch noch berücksichtigen, wie ich im „echten“ Leben zu der Person stehe neben der Tatsache ob es sich selber um einen Blogger oder „Digital Native“ handelt oder lediglich um einen Konsumenten, dessen Partizipation im Netz sich auf den Konsum von Content und die mehr oder weniger aktive Beteiligung im Bereich Social Networking beschränkt?

Bisher, und das sind immerhin über neun Jahre, kam es nie zu einer ernsthaften Verstrickung von Interessen zwischen meinem echten Leben und dem (gefilterten) digitalen Leben, dass sich hier auf dem Blog wiederspiegelt. Allein schon aus dem Grund, weil das echte Leben zu 99% nicht viel mit der Bloggerei und ähnlichem am Hut hatte und sich die Berührpunkte gar nicht ergaben. Selbst jetzt dürfte aus den alten Kreisen kaum jemand dabei sein, der das ganze hier aktiv und regelmäßig verfolgt (Zumindest wüsste ich im Moment nicht davon).

Vielleicht ist es auch der Kontrast zum „neuen“ Freundes- und Bekanntenkreis, den ich eben über die „webzwonull“-Schiene kennengelernt habe, der schon immer diese Verquickung von echter und digitaler Persönlichkeit kennt, der den Unterschied im Umgang mit dem was hier zu lesen ist, ausmacht.

Vielleicht sind es einfach zwei Welten, die auch mit dem schönsten Kompromiss nicht zueinander finden werden. So oder so werde ich es eh nicht jedem Recht machen können.

Vielleicht ist der sicherste Weg auch der, den ich von einem Autor vor kurzem gelesen habe

Die Leute können gerne kommentieren, aber im Grunde ist es mir scheißegal…

…aber soweit wollte ich es eigentlich nicht kommen lassen 😉

11 Kommentare

  1. Nils sagt:

    Ich als Nichtblogger-und-nur-immer-mal-wieder-drüber-Nachdenker-ob-ich-mal-anfangen-soll-das-aber-lasse-weil-ich-mich-lesen-würde-wie-ein-Transcript-von-Gernot-Hassknechts-Wutausbrüchen habe hier leicht Reden, aber liegt das Geheimnis nicht darin berechtigte von unberechtigter Kritik zu trennen. Du bekommst garantiert beides, das bekommt jeder, nur über das eine sollte man besser hinweg sehen, das andere zumindest sachlich betrachten.
    Ich sehe diesen Blog hier nicht als eine Werbeplattform für den Hazamel und seine Bloggingkünste, sondern eher als ein Spaßprojekt, das Dir Autor mehr geben sollte als mir kleinem Leser. Am Besten ist es natürlich, wenn wir zu ner Win-Win Situation kommen 😀 Dennoch, die einzig wichtige Frage ist doch, hast Du hier Spaß? Wenn nein, dann überleg Dir was, wenn ja, dann überleg nicht zuviel 😉

    Ach und um die Sache mit der berechtigten/unberechtigten Kritik ein wenig zu üben:

    HEULSUSE!!!

    1. hazamel sagt:

      Bis einer heult… 😉

      Ja, es macht noch Spaß. Aber der Anschein für manche nur noch Content-Generator zu sein ist schon hart. Inklusive dem scheinbaren Wunschkonzert-Wunsch

  2. Nils sagt:

    Wie wäre es mit einer „Wunsch einsenden“ Funktion auf der Hauptseite? Das Ding muss nichts anderes machen, als dem Verfasser eine „Danke für die Anregung“ eMail zu schicken.

  3. hazamel sagt:

    Auch noch ne Mail zurück? Zu viel der Aufmerksamkeit…

  4. Radulf sagt:

    jetzt bin ich neugierig. um welchen wortwechsel geht es denn? hab die letzten posts auf kommentare untersucht aber nüscht gefunden.

  5. Madse sagt:

    Kritik find ich immer kritisch. Oftmals hat man ja in einen einzelnen Post, der sich in ein paar Minütchen wegliest, viel Zeit investiert. Da kommt gern das Gefühl auf, dass die eigene Arbeit nicht geschätzt wird. Zusätzlich dazu treten komischerweise positive Meinungsäusserungen leicht in den Hintergrund. Aber letztlich ist es DEINS und alle andern haben eh keine Ahung 😀

  6. Meyeah sagt:

    „Wie also damit umgehen, wenn plötzlich jemand einem vermeintlich vorzuschreiben meint, wie die Themenauswahl auszufallen hat und wie der Schreibstil zu sein hat?“

    Ich denke, dass diese Frage bei DEINER Persönlichkeit gar nicht zur Debatte steht. Zumindest wüsste ich nicht, wann du dir je den Mund verbieten oder dich allgemein verbiegen lassen hast.
    Und selbst WENN du versuchtest, der Forderung des- bzw. derjenigen gerecht zu werden, so würde dir das meiner Meinung nach nur für kurze Zeit gelingen; denn über kurz oder lang käme sowieso wieder dein wahres Ich zum Vorschein… Und die regelmäßigen und geschätzten Leser hier kennen es!

  7. Verena sagt:

    Ich bin offensichtlich nicht existent. Ein Glück fährt der geschätzte Autor keinen alten DeLoarian, sonst würden sämtliche Fotografien von mir sich nun aufzulösen beginnen.

    Wo Interesse ist, ist immer auch Kritik. Ich glaube es gibt letztlich nichts unbefriedigenderes als eine hörige Gefolgschaft, die zu all Deinen Handlungen mit dem hohlen Schädelchen nickt. Bestätigung ist gut, Lob noch viel besser. Ich denke Bestätigung und Lob muss sich aber auch den Respekt des Empfängers verdienen – mal ehrlich, wieviel bedeutete ein Wort der zuvor genannten Jünger? Wer konstruktiv kritisiert, konstatiert damit ja bereits eine gewisse positive Herangehensweise an Deinen Blog … was mich nicht interessiert, kritisiere ich in aller Regel auch nicht. Ausnahme ist nur die Bauch-über-der-Hose-Rolle, die dieses Frühjahr der Trend zu sein scheint aber das ist ein anderes Thema.

    Konstruktive Kritik würde ich annehmen. Ob Du was draus machst, steht dann ja nochmal auf einem ganz anderen Blatt.

    Wenn ich mal Kritik hatte, und die Momente gab es ja durchaus, habe ich eigentlich den Eindruck gehabt, dass wir ganz vernünftig drüber gesprochen habe.

  8. hazamel sagt:

    @madse: Jap, darauf läuft es hinaus. Mein Blog 🙂

    @meyeah: Ich hatte es auch nicht vor zu ändern. Ich bin ganz zufrieden mit der Art wie es hier läuft. Und das positive Feedback, was ich auch persönlich von Leuten bekomme, bleibt ja auch nicht aus.

    @verena: Doch, klar bist du existent 😉 Dir gegenüber war das schon immer was anderes. Ich hatte auch immer das Gefühl, dass die Kritik zwischen uns immer gepasst hat. Wobei ich mich nicht erinnern kann, dass ich bei dir das Gefühl hatte, dass du mir vorzuschreiben versucht hast, was und wie ich etwas zu schreiben habe. Und auch hier, ich denke, dass es einfach der richtige Weg ist das nicht zu lesen was einen nicht interessiert.

  9. hazamel?
    wer bist du denn, Alter?
    und was machst du hier?

    😀

  10. Jenna sagt:

    Ich persönlich kann mit konstruktiver(!!!) Kritik mehr anfangen als mit Kommentaren wie „Schönes Bild“ oder „Sieht kacke aus“. Ersteres wirkt auf mich so, als wolle man unbedingt einfach einen Kommentar hinterlassen, immer in der Hoffnung, dass ich den Link dazu anklicke und den Blog des Kommentators auch kommentiere, und letzteres einfach so, als wolle jemand mal seinen Frust bei mir ablassen. Am schönsten sind doch die Kommentare, die zeigen, dass sich jemand mit dem, was du gemacht hast, befasst hat und dir genau sagt, was er gut findet, oder was du (gerade bei Fotografien) eben besser machen könntest. Ich persönlich kommentiere allerdings grundsätzlich sehr wenig, was aber auch an meiner derzeit echt beschissenen Internetverbindung und wenig Zeit liegt. Aber ich kann aus Erfahrung sagen: wer selbst viel kommentiert (und sei es nur ein blödes „Oh, wie toll!“) bekommt auch viel mehr Kommentare!

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