Die mit dem Tiger im Tank – Würburg Baskets gegen Tigers Tübingen

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Auf der Tabelle sah es langweilig aus.

Platz fünf der BekoBBL gegen den Elften. „Unsere“ s.Oliver Baskets gegen die Walter Tigers aus Tübingen. Das erste Erfolgserlebnis hatte ich schon eine Woche vor dem Sprungball: Es hatte endlich mit einer Karte geklappt. Und dieses Mal hatte man wirklich lange (sehr lange…) Zeit sich eine der begehrten Karten in der rot-weißen Turnhölle zu sichern.

Und als ob das nicht schon genug gewesen wäre, bekam ich noch angeboten Fotos machen zu dürfen. So richtig. Von der Fotografenbank am Spielfeldrand.

Entsprechend hibbelig war ich dann auch. Je näher das Spiel kam, desto mehr. Nicht wegen der Fotos, nein, wegen der Atmosphäre, die ich ja letztes Jahr schon Mal erleben durfte. Diese Mal also wieder mitten drin. Nur eben mit dem Unterschied, dass es dieses Mal die Bundesliga war. Und ich da mit meiner Kamera bewaffnet auftauchen durfte.

Es ist eben schon was anderes, wenn man diese dünne Linie zwischen normalem Zuschauer und eben nicht mehr nur Zuschauer überschreitet. Die Stimmung macht an dieser Linie aber eben nicht halt.

Und so stand die ganze Halle wieder von Anfang an Kopf. Die Begrüßung war ein Vorgeschmack, was da die nächsten zwei Stunden auf mich einprasseln, -pfeifen und -schreien sollte. Die Hölle. Man kann das „Turn“ wirklich streichen. Es ist einfach nur „Die Hölle“. Ich weiß ja nicht, wie das die gegnerischen Mannschaft machen oder wie man sich auf sowas vorbereitet, aber ich hätte wohl ab dem Einlauf der Baskets die Hose gestrichen voll.

Die Tübinger scheinen da aber eher hart im nehmen zu sein. Zumindest spielten sie nicht, als hätten sie die Basketball-Shorts in irgendeiner Form auch nur ein bisschen gestrichen voll. Eher so als hätten sie den Tiger in Tank gepackt!

Und es sah auch nicht, aus als würde hier Fünf gegen Elf spielen. Nein, die Tübinger gaben gleich mal richtig Gas und zogen mal eben locker flockig neun Punkte weg, während die Baskets den Ball ums verrecken nicht durch die Reuse bekommen wollten. Wer denkt, dass das der Stimmung einen Abbruch tun würde, der irrt.

Der zurückhaltende Franke an sich, ist durchaus gewillt seine Mannschaft noch frenetischer nach vorne zu peitschen, wenn es mal nicht so läuft. Man kann es durchaus auch als Erste-Hilfe-Maßnahme sehen:

Selbst bei einem Spiel wie diesem, dass bis zur allerletzten Minute vollkommen offen war, wird niemand mit Herzstillstand umfallen. Geht gar nicht. Die Anfeuerungsrufe gehen einfach durch und durch.

Und so sehr ich auch ein zurückhaltend und konzentriert auf die Bilder war: Irgendwann im letzten Viertel hat es mich dann doch gerissen. Da wird einfach der wichtige Dreier mit einem Jubelschrei aus tiefstem Herzen bejubelt! Da freut man sich mit jeder gelungenen Aktion und bangt, dass die Uhr doch bitte, bitte ein bisschen schneller laufen möge, nur dass dieses Spiel und diese Anspannung einfach endlich vorbei ist!

Und, vielleicht war das nur in diesem Spiel so, dass sich das Schiedsrichtergespann nicht noch mehr Unmut zuziehen möge. Ich kann nicht immer beurteilen, ob sie für beide Seiten vermeintlich ins Klo gegriffen habe, aber die Würzburger Fans haben eben schon sehr deutlich klar gemacht, was sie von so mancher Entscheidung halt. Dass dann irgendwann eine Klatschpappe auf’s Feld geflogen ist geht aber weit über das Fan-Dasein hinaus. Man darf sich gern ärgern, aber das hat dort, aus meiner Sicht, nichts zu suchen.

Ich hatte viel Spaß an diesem Abend, auch wenn er mehr an die Nerven gegangen ist als ich dachte. Kirchenähnlich Aufstehen und Hinsetzen musste ich mich nicht. Dann hätte mir der Pressesprecher wahrscheinlich einen Schlag in den Nacken verpasst 😉 Bin ich aber auch nicht böse drum.

Auch nicht böse bin ich dem kleinen Stöpsel, der wohl nicht älter war als drei oder vier Jahre, der mir nach dem Spiel einen Stift und die Autogrammkarte von Maskottchen Olli hingehalten hat. Ich spekuliere jetzt mal nicht, warum er das getan hat 😉 Ich sonne mich eher in dem Ruhm, dass ich wohl jetzt der erste vom Bloggerstammtisch bin, der von einem Kind um eine Autogramm gebeten wurde… Aber ich und Kinder in der Größe ist ja eh so eine Sache für sich.

Der Rest der am Ende 233 Bilder findet ihr übrigens hier in meinem Flickr-Album.

Gelernt habe ich auch, dass Basketball ein doofer Sport zum fotografieren ist: Man muss schon wissen, was als nächstes passieren könnte und darf keine Hemmungen davor haben einfach rauszuhauen was geht… Fast 1600 Bilder dürften Beweis genug sein. Mal sehen wie viel nach der großen Sortieraktion noch übrig bleiben. Und ich bin froh, dass ich mir nur für dieses Event das 15-85er USM-Objektiv ausgeliehen habe. Ohne wäre wahrscheinlich mein Untergang gewesen!

Achja… der Ergebnis:

Die Baskets haben 77 zu 70 gewonnen. Und das hat sich erst in der letzten Minute des letzten Viertels abgezeichnet. Das nenne ich mal was gesehen für’s Geld. Wer an Karten kommt, dem kann ich es wirklich nur empfehlen. Es war auch beim zweiten Mal wieder einmalig!

2 Kommentare

  1. moggadodde sagt:

    Ich seh‘ schon: A fan is born. Gut so! Dieser faszinierenden Atmosphäre kann mich sich einfach nicht entziehen!

    1. hazamel sagt:

      Wie könnte man bei so einer Stimmung nicht? 😉

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