Der Nächste, bitte – Michael Crichtons „Next“

Wer den Name Michael Crichton hört, dem fallen auf Anhieb Romane wie „Jurassic Park“, „Airframe“ oder „Congo“ ein. Ein Teil davon wurde auch mit Hollywoodgrößen verfilmt. Auch der Serienlangläufer „Emergency Room“ stammt aus seiner Produzentenfeder und war ja Sprungbrett für so manche Karriere.

Was all die Sachen eint ist die Art wie die Geschichten zustande kommen. Eine eher seichte Geschichte, mit einem roten Faden versehen, spannend erzählt und dann mit ein bisschen Fakten aus Wissenschaft und Technik untermauert. Aber immer so, dass es nicht zu aufdringlich ist und die gute Story scheinbar immer im Vordergrund steht.

Deswegen dachte ich mir, ich kann beim Fremd-SUB-en gar nicht so falsch liegen, wenn ich zum weißen Taschenbuch mit dem Titel „Next“ greife.

Ich würde ja auch gern zusammenfassen, was mich oder andere Leser auf den 513 Seiten Geschichte (den Anhang mit Nachwort des Autors und Statements zu Bezügen zur Realität habe ich mir gespart) erwartet, aber es gibt einfach keinen zusammenhängenden roten Faden.

Man kann  nur sagen, dass hier das Spiel rund um Gene, Patente darauf und der schwunghafte und teilweise unethische Handel und Umgang mit Erbgut in vielen kleinen Episoden mit mehr oder weniger Zusammenhang dargestellt werden. Ort der Geschichten sind die USA mit einem kurzen Abstecher nach Frankreich.

Das ist aber auch schon alles was man dazu sagen kann.

Wie gesagt, kein roter Faden von Seite 1 bis 513 sondern immer nur Episoden, die mehrere Einzelschicksale beleuchten, die dann nicht zusammenhängend erzählt werden und sich irgendwo treffen, sondern immer nur als Fragmente einen, scheinbar gerade wichtigen, Aspekt für die nicht vorhandene durchgehende Story, beleuchten.

Man darf das jetzt nicht falsch verstehen, das Buch liest sich ganz locker runter, man wird nur ganz selten als Laie mit Fachbegriffen zugeworfen, aber am Ende des Buchs hatte ich jetzt nicht das Gefühl einen sonderlichen Mehrwert mitzunehmen. Ich habe mich in Reinstform vom Text berieseln lassen. Natürlich schwingt im ganzen Buch der Gedanke „Kann es sein, dass das wirklich so ist…“ mit, was auch durch die (fiktiven) Zeitungsausschnitte zwischen den Kapiteln immer wieder ein bisschen angefeuert wird, aber im Gesamtzusammenhang kann man es vollkommen sinn- und verstandfrei runterlesen.

Als ich es gestern weggelegt habe, war ich schon ein bisschen enttäuscht. Ein Gesamtspannungsbogen, der auf einen Punkt hin aufgebaut wird, gibt es nicht. Es kommt höchstens mal über zwei oder drei verteilte Kapitel ein bisschen Spannung auf, aber gleichzeitig verlieren sich auch viele Handlungsstränge gefühlt im Nichts. Was sicher auch daran liegt, dass Crichton eine Unmenge an Hauptcharakteren ohne Zusammenhang auffährt, dass mir irgendwann der Überblick verloren gegangen ist und mir die Charaktere damit auch egal und austauschbar geworden sind.

Wie schon erwähnt, leider eine Enttäuschung. Da hatte ich mir wirklich mehr erhofft und die ganze Zeit darauf gehofft, dass das alles am Ende zu einem Mega-Showdown zusammenläuft in dem die schmierigen Machenschaften alle auffliegen. Nachdem schon zur Mitte des Buchs einige Handlungsstränge, die ich interessant und spannend fand, einfach in einem kurzen Zeitungsartikel beendet wurden, hatte ich aber da schon fast alle Hoffnung fahren lassen.

Deswegen gibt es für dieses Buch von mir nur zwei von fünf Genen!

Schade

3 Kommentare

  1. Verena sagt:

    Achja, Next.

    Mir fällt bei Michael Crichton übrigens zuerst Timeline ein. Vielleicht, weil ich zu Timeline stehe wie ein Klingone zum Alterstod im Himmelbett. Insofern war ich gewarnt.

    Insgesamt sind zwei Gene durchaus großzügig 🙂

  2. hazamel sagt:

    Timeline hab ich nicht gelesen… Aber den Film fand ich auch grausam. Hab grad mal zur Hälfte durchgehalten

  3. bienchen sagt:

    Also ich hab festgestellt, dass man mit Michial Crichton ziemlich gut englisch lernen kann. Wenn du die Bücher im Original liest, dann fällt auf, dass die Sprache ziemlich simpel ist, was wie erwähnt den Einstieg beim Lesen in englische Bücher sehr erleichtert. Ansonsten find ich die Bücher auch nicht so doll. Hab letztens ein Buch gelesen von Markus Heitz „Die Legenden der Albae“ – das ist jetzt nicht der Riesenwurf wie Herr der Ringe aber es hat sich verdamt gut gelesen und die Story war spannend. Ist der erste Teil von drei, kann ich empfehlen 🙂

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