Der MacGyver vom Mars

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Mark Watney ist im Arsch.

Das sagt er selber. Und er muss es ja wissen, denn schließlich liegt er alleine von einer Antenne aufgespießt im Marsstaub während seine Kollegen auf dem Weg zurück zur Erde sind.

Watney ist aber kein Arsch, den die Kollegen einfach mal so auf dem Mars ausgesetzt haben, sondern er ist Opfer eines Marssturms geworden, der die Marsmission „Ares 3“ nach einer Woche statt nach 31 Tagen schlagartig beendet hat. Die Antenne, die ihn erwischt hat, hat auch gleich noch seinen Anzug so getroffen, dass die Telemetrie seinen Tod vorgetäuscht hat. Deswegen sind die Kollegen ohne ihn Richtung Heimat gestartet.

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Aber wie Mark Twain schon sagte

Der Bericht über meinen Tod wurde stark übertrieben

und nicht anders geht es Watney. Er ist jetzt alleine auf dem Mars und kann nicht mal jemand sagen, dass er den Sturm überlebt hat. Also ist alles was ihm bleibt, versuchen zu überleben und die vier Jahre und über 1000 Kilometer bis zur Ankunft von Ares 4 zu überbrücken.

Watney ist also ein moderner Robinson Crusoe. Nur dass es auf dem ganzen Mars kein Freitag gibt. Nicht mal ein Wilson.

Wie so oft habe ich mich vom hübschen Cover zum Kauf verführen lassen und mir innerlich was ganz anderes unter „Der Marsianer“ von Andy Weir vorgestellt. Eher was mit kleinen grünen Männchen und Apokalypse statt das spannende und teilweise sehr ehrliche Tagebuch eines gestrandeten, der mehr oder weniger jeden Tag das Gefühl hat, dass ihn ein ganzer Planet umbringen will.

Auch wenn er eigentlich der Botaniker und Techniker der Marsmission ist, so ist der Vergleich zu MacGyver doch nicht so ganz von der Hand zu weisen. Watney bastelt und experimentiert viel und gerne. Auch wenn die Bastelei nicht immer von dem Erfolg gekrönt ist, den er sich wünscht. Alles andere wäre ja auf Dauer auch langweilig.

Und auch wenn das Buch am Ende sehr anders war als das was ich eigentlich dachte dass es sein würde, habe ich die 500 Seiten doch innerhalb von drei Tagen verschlungen. Was aber sicher auch daran liegt, dass das Buch relativ großzügig gedruckt ist.

Ein bisschen Kritik muss ich dennoch üben: Das Buch ist stellenweise ein bisschen sehr vorhersehbar. Natürlich wäre es, wie schon erwähnt, wahrscheinlich sehr langweilig, wenn 500 Seiten alles super glatt laufen würde. Aber wenn es mal eine Weile alles so läuft wie es soll, kann man mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass gleich irgendwas passiert. Irgendwas geht kaputt, fliegt in die Luft oder läuft nicht so wie Watney sich das vorgestellt hat. Streckenweise wirkt das schon sehr gezwungen und nimmt in der Mitte des Buches auch ein bisschen den Schwung, den die Geschichte am Anfang aufnimmt.

Alles in allem kann ich das Buch aber nur empfehlen. Im Herbst soll dann ja die Verfilmung von Ridley Scott mit Matt Damon als Watney in die Kinos kommen. Wie das werden soll, kann ich mir noch nicht so richtig vorstellen…

Der Marsianer – Andy Weir

Heyne
508 Seiten, 14,99 €
ISBN 978-3453315839

Gibt’s zum Beispiel hier und hier

3 Kommentare

  1. ichhebgleichab sagt:

    Klingt interessant. Ich hab bloß schon soviel auf Halde liegen *seufz*

    1. hazamel sagt:

      Ich eigentlich auch. War aber überrascht, dass sich das Buch relativ locker weglesen lässt. Es ist zwar teilweise technisch aber immer noch sehr gut lesbar ohne dass man einen Abschluß in Chemie haben muss

  2. crosa sagt:

    Schon die zweite tolle Kritik innerhalb von 2 tagen… Jetzt wirds gekauft. Allerdings als ebook….

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