Dem Untergang GEEweiht

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Wenn es sowas wie das kleine gallische Dorf der Videospiel-Zeitschriften gab, dann war es die GEE. Liebevoll von mir immer Nerd-Porn genannt, weil es hier weniger um die Spiele ging als das was so außen rum passierte. Und mit außen rum meine ich interessante und gut geschrieben Essays und Kolumnen über das (Lebens-)Gefühl und die Menschen, die hinter der Welt der Videospiele stehen. Ganz ehrlich, die Tests haben mich nie so wirklich interessiert. Die GEE war, in meinen Augen, eine Zeitschrift für Zocker, die schon mit dem Kram groß geworden sind. Anders als die Werbeblätter wie die GameStar zum Beispiel. Gefühlt erwachsener.

Leider war die GEE auch etwas anderes: Ein Nischenprodukt, das nicht sonderlich weit verbreitet zu sein schien und mit ihren acht Ausgaben im Jahr auch mit den normalen Regeln brach.Selbst wenn ich in meinem Zockerfreundeskreis auf die Zeitschrift kam, wurde ich meist mit Verwunderung und großen Augen angeschaut.

Nicht selten fiel der Satz

Die was?

Na, die GEE halt.

All das, und die unsichere Versorgungslage mit der Zeitschrift meiner Wahl, hat dann dazu geführt, dass ich letztes Jahr ein Abo abgeschlossen habe. Positiver Nebeneffekt der unregelmäßigen Erscheinungspolitik: Ich habe nie auf das Datum für das nächste Heft geschielt sondern mich einfach gefreut, wenn das neue Heft im Briefkasten steckte.

Ich hätte mich auch sicher weiter gefreut, und freute mich schon auf das neue Heft, als Freitag überraschend eine E-Mail vom Kundenservice kam:

Man würde umstellen, die Printausgabe würde sich nicht mehr rentieren. Offene Abos würden noch mit den zukünftigen Sonderausgaben beliefert werden und es würden keine neuen mehr abgeschlossen werden. Aber ich solle mich freuen, ab Juni würde es eine iPad und Android-App geben und die GEEdigital würde dann monatlich erscheinen.

Ich hatte bei dieser Angelegenheit noch Glück im Unglück: Mein Abo endet mit der aktuellen Sonderausgabe. Und hier fing dann schon einiges an, was der aktuellen und wahrscheinlich geplanten, zukünftigen Leserschaft übel aufstieß:

Schlechte Informationspolitik

Wie auf Zockwork Orange nachzulesen ist, wurde vor 2 Wochen noch dementiert, dass da was im Argen wäre… Alles Gerüchte! Und nach dem „Ableben“ der Zeitschrift kann man auch im offiziellen Forum von Schicksalen lesen, die noch vor kurzem ein neues Abo abgeschlossen haben und jetzt wahrscheinlich die nächsten drei bis vier Jahre was davon haben mit den Sonderheften. Was Überführungen in das neue Format angeht oder Erstattung des Restpreises bei Kündigung, wie ich es zum Beispiel vom Heise-Verlag kenne angeht, so sucht man dort, auch von Seiten des Chefredakteurs vergeblich nach plausiblen Statements. Im Gegenteil, es wird mehr oder weniger lapidar darauf verwiesen dass man selber vor längerem geschockt war, aber sich jetzt in der Redaktion mit dem Zustand abgefunden hätte. So viel zur frühzeitigen Information und zum respektvollen Umgang mit Lesern und letztlich auch Fans – Unwürdig einer Zeitschrift wie dieser.

Nicht viel anders verlief es auch Twitter, wo kein Wort der Kritik kommentiert wurde, dafür aber ein einzelner Tweet, der das neue Layout, zu dem ich noch komme, lobte, gleich re-tweetet wurde.

Und bräuchte es noch mehr Indizien, wie sehr das tolle neue Projekt an die Wand rennen wird, so braucht man sich nur die aktuelle Ausgabe anschauen.
Vollmundig werden dort 132 Seiten angepriesen. Dass das Cover aber im Gegensatz zu den bisherigen Covern einen Tiefpunkt in den 8 Jahren der GEE markiert, zeigt nur umso mehr, dass irgendwann irgendwer den Stecker gezogen hat. Das Innenleben selber ist dann leider auch mehr heiße Luft als einem lieb ist.  Von den tollen „32 Seiten mehr“ (Zitat GEE-Blog) sind ganze 27 aktueller Inhalt. Der Rest ist ein Best-Of der letzten acht Jahre. Und dafür soll das Heft regulär auch noch mehr kosten als die normalen 4,50 €.

Und wenn das Cover schon ein Griff ins Layout-Klo war (vielleicht konnte man sich in der scheinbar angespannten finanziellen Lage nur noch drei Farben leisten), so zieht sich das durch das ganze Heft, was einem das Lesen doch sehr verleidet. War man sonst um Klarheit und Aufgeräumtheit bemüht wie die aktuellen Artikel noch erahnen lassen…

…so stirbt diese Klarheit spätestens im Best-of-Teil Spaltentechnisch und vor allem farblich einen grausamen qualvollen Tod.

Wer die Ironie dieser Seite findet, darf sie behalten 😉

Selbst vor den einst so coolen Poster wurde bei diesem drei-Farb-Look nicht halt gemacht und um die Grausamkeit in Gänze zu demonstrieren hat man wirklich alle drei Farben im Text auf einer Seite vereint

Spätestens hier war für mich der Punkt erreicht, an dem ich gesagt habe, dass ich, so interessant die Texte aus den letzten 8 Jahren auch sein mögen, diesen Augenkrebs nicht lesen mag. Scheinbar hat man den Layouter auch eingespart und den Praktikant mit einer Rot-Grün-Schwäche für das Design hingesetzt. Er möge alle Ausgaben die nicht verkauft werden einzeln alleine aufessen müssen.

Was bleibt also von diesem Ende und dem Best-of?

Zum einen die Hoffnung, dass es sich die Verantwortlichen nach diesem Sturm der Entrüstung, der ihnen jetzt von der Kundschaft entgegenschlägt, nochmal anders überlegen. Der Tenor in der GEE-Leserschaft zumindest ist eindeutig:

DIESES Print ist nicht tot und wir haben es gekauft weil es Print ist. Papier zum anfassen, zum auf dem Klo und in der S-Bahn lesen. Wir wollen keine App, die schon allein das haptische Gefühl eines hochwertigen Magazins nicht rüberbringt. Und wir wollen auch keine App, weil wir die Nerds sind, die keine Tablets haben sondern unser Geld in Hardware und Spiele stecken und uns auch wegen der GEE sicher keine Tablets kaufen werden!

Zum anderen, dass das diese Ausgabe und das Verhalten der Verantwortlichen eine ganz schlechte (Be-)Werbung für die Zukunftsvision dieser „Zeitschrift“ war. Es dürfte schwer werden, neue Kunden für ein kostenpflichtiges digitales Magazin zu begeistern. Wieso online, wenn es online eh schon so viel Konkurenz gibt? Und wer soll das noch rentabel lesen, jetzt wo die Stammkundschaft vergrätzt ist?

Wie viele andere wünsche ich der GEE auf ihrem weiteren Weg alles Gute und viel Erfolg mit dem neuen Konzept, auch wenn ich es nicht unterstützen mag und nicht daran glaube, dass es fruchtet.

Aber wie ebenso viele andere war es das für mich und die GEE!

GEE war Print!

Die GEE ist damit tot!

2 Kommentare

  1. David sagt:

    Schade finde ich, dass viele Abonnenten sagen, sie hätten auch das doppelte für die Printausgabe gezahlt. Hätte man das vorher mit den Lesern ausdiskutiert, hätte man vielleicht eine Lösung finden können. Gut, ich habe keine Ahnung, wie wichtig tatsächlich der Preis ist. Hätten 2 Euro Preiserhöhung einen Unterschied gemacht, oder wäre das nur ein Tropfen auf den heißen Stein, weil die Haupteinnahmequelle eh die Werbung ist?

    Es gibt kostenpflichtige Magazine als App, die wirklich gut funktionieren, die meisten haben allerdings auch ein paralleles Printmagazin. Die Fans sind größtenteils verärgert von dem Schritt, ich sehe da aber auch eine große Chance für die GEE. Selbst in Großstädten war die GEE schwer zu bekommen, außer am Bahnhof habe ich die noch nirgends gesehen, durch die App kann im Idealfall ein viel größeres Publikum angesprochen werden.

    Dass die Ausgabe nicht so toll ist, ist schade aber in dem aktuellen Stress total verständlich.

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