Charakterschwach

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Wahrscheinlich kennt es jeder Rollenspieler auf die eine oder andere Weise: Würde man all seine Charaktere nebeneinanderlegen und vergleichen, würde es wahrscheinlich immer wieder auf einen ähnlichen Typus hinauslaufen.

Trotz der theoretischen Möglichkeit vom brutalen Serienkiller, über den großen Magier bis zum edlen Krieger die ganze Palette von Gut bis Böse abzudecken bleibt man meistens in einer Ecke kleben. Selbst vorgegeben Charaktere wie Jenson aus Deus Ex fügen sich nach 10 Stunden nahtlos in die Reihe der On- und Offline-Charaktere ein:

Eher kopflastig und überlegt aber trotzdem mit einer gesunden Affinität zu Waffen und im richtigen Moment doch zu schießen statt zu quatschen. In der Reihe der Vampire, Zwerge und Gnome der letzten Jahre also wieder kein Ausreißer. Nicht mal dann wenn ich es wirklich wollte, wie in Knights of the old Republic, habe ich es durchgehend durchgehalten den Bad Guy durch die Welt zu steuern.

Die Freiheit der Wahl scheint also doch eher eine Illusion zu sein. Und wahrscheinlich erleichtert es auch das Spielen ungemein, wenn man den Charakter eher an seinen Werten anlehnt als wenn man ihn so vollkommen abseits der eigenen Werte und Normen tanzen lässt.

Aber, liebe Rollenspieler da draußen, bin ich der Einzige, der so Charakterschwach (oder Charaktertreu) ist?

7 Kommentare

  1. Nils sagt:

    Muhahaha, Du denkst Du wärst alleine? Wollte bei Mass Effect extra nochmal neu anfangen, damit ich auch ne alternative Geschichte erlebe, und nun habe ich nur wieder das Gleiche. RPGs haben bei mir keinerlei Wiederspielwert. Alternative Enden? Freier Fähigkeitenbaum? Verschiedene Ingamegruppierungen? Am Arsch, ich komm einfach nicht aus meiner Haut, selbst wenn sie virtuell ist.

    1. hazamel sagt:

      Befürchte auch fast dass das Achievment „Spiele alle Enden“ bei Deus Ex bei mir auf ewig gesperrt bleiben wird. Eher schaffe ich das Spiel ohne jemand zu töten oder einen Alarm auszulösen

  2. Holle sagt:

    Ich befürchte, dass die große Freiheit in RPGs zu sein, wer man möchte nur vorgegaukelt ist, da man am Ende eh wieder die selbe Art von Charakter spielt.

    Die wenigsten Spieler werden sich ernsthaft einen charakterlich total neuen Helden erschaffen oder von Anfang an einen Charakter des anderen Geschlechts erschaffen und von Anfang bis zum Ende spielen. Am wohlsten fühlt man sich eben, wenn man die Umgebung gewohnt ist.

    Sollte es z.B. mal ein Harry Potter RPG geben bei dem Mann in die Rolle des jungen mit der Blitznarbe schlüpfen darf wird er vermutlich wieder in Gryffindor landen (Slytherin wird nur mal ausprobiert) sich mit Malfoy verfeinden und am Ende auch noch über Voldemort triumphieren.

    Dennoch macht das ausprobieren eines neuen Charakters immer viel Spaß und ist zumindest für kurze Zeit sehr angenehm

  3. Das kenne ich. Doch bei einigen Spielen ist es machbar. Man muss halt nur hin und wieder über seinen Schatten springen und alle Skupel über Bord kehren. Das hat bei Mass Effect ganz gut geklappt auch wenn es da zwei Szenen gab, die mir üble Bauchschmerzen bereitet haben. Teil 2 wartet noch auf den BadAss durchgang, wirklich freuen tu ich mich darauf allerdings nicht.
    Es ist leider so, das man sich selbst virtuel schwerlich gegen seinen eigenen Charakter aufbäumen kann. ^^
    Ich finde es aber gut, dass man es in vielen Spielen als Arschloch nicht wirklich leichter hat. In der Regel werden Spiele dadurch sogar schwerer (z.B. Baldurs Gate 2).
    Ein guter Weg für mich ist ein Spielsystem welches ich mir bei Alpha Protokoll angewöhnt habe. Ich nenne das „Point of no return“ und d.h. sämtlich im ersten Durchlauf eines Spiels getroffene Entscheidungen (sei es aus versehen oder beabsichtigt) sind umunkehrbar. Es verlangt zwar etwas Überwindungskraft z.B. einen verpatzten Dialog nicht neu zu laden, aber am Ende hat man als Resultat ein Spielerlebniss was am ehesten zm eigenen Charakter passt. 🙂

  4. hazamel sagt:

    @holle:

    Irgendwie schon… Ist mir nur jetzt am Wochenende wieder aufgefallen, dass ich die Leute im Zweifel eher totquatsche statt sie einer gezielt niederzustrecken. Viel zu gutmütig. Die Frage nach einer Belohnung für eine Quest in Deus Ex war für mich schon ein innerer Zwiespalt 😉

    @Imperator:

    Speichern vor oder in Dialogen ist mal sowas von Mega-Buh 😉 Gespeichert wird nur wenn ich irgendeine knifflige Stelle überwunden habe an der ich schon mindestens 10 Mal gescheitert bin. Aber wie manche Leute schnellspeichern und laden als Möglichkeit zu nutzen um zu sehen was passiert, gibt es nicht. Gibt’s bei Pen&Paper ja auch nicht 😉

  5. Madse sagt:

    Du siehst, du bist nicht allein. Ich zähl mich auch zu denen, wo der eine Durchgang im Rollenspiel letztlich genauso aussieht wie der davor.
    Nur die Ausstattung an Waffen ändert sich, man muss ja alles mal ausprobieren ^^

  6. hazamel sagt:

    Wobei selbst das bei mir meistens ähnlich endet, weil sich die Waffe eben am praktikabelsten herausgestellt hat 😉

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