Camping-hassen für Camping-Hasser von einem Camping-Hasser

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Lesezeit ~ 2 Minuten

Es war ein trüber Morgen im Januar 2011.

Zumindest war es in meinem Kopf ein trüber Morgen, als ich nach meiner Geburtstagsfeier mit meiner Freundin zum 30-jährigen Jubliäum von Hermkes Romanboutique geschleppt wurde, um dort Tommy Krappweis beim Lesen seines Buches “Mara und der Feuerbringer” zuzuhören.

An diesem Tag wusste ich noch nicht, dass mich mit dem Mann in der Weste, dem etwas schrägen Humor und der Mütze mehr verbindet als ich dachte. Auch dann nicht, als er kurz eine Geschichte zum Thema Seeigel, Urlaub und Fuß streifte. Zumindest hat er diese Geschichte damals schon so schön erzählt, dass ich auch damals schon gemeint habe: Wenn es das als Buch gibt, dann muss ich das haben.

Etwas mehr als ein Jahr und zwei weitere Mara-Bände später, war es dann wirklich so weit: Er hatte ihn geschrieben. Den Führer durch die Hölle des Urlaubs der 70er: Camping-Urlaub.

Oder, wie er sein Buch nennt: Das Vorzelt zur Hölle.

Ich habe auf den 270 Seiten seines Buches sehr oft geschmunzelt, gegrinst, laut gelacht und gelegentlich auch schmerzverzerrt schneller gelesen. Und hätte es am Ende des Buches die Frage gegeben ob ich verstehe warum Herr Krappweis jr. Camping nach diversen Egal-es-ist-überall-heiß-und-scheiße-Ländern-Urlauben hasst, dann hätte ich ohne zu zögern “Ja” angekreuzt.

Was war geschehen, dass es zu diesem Trauma kommen konnte?

Nun, eigentlich erging es dem kleinen Tommy nicht anders als Kindern und Jugendlichen auch Generationen nach ihm: Vater, Zelt, Fahrrad! Und das wo er doch in seinen Ferien einfach nur lesen, Lego und Hörspielkasetten im Sinn hatte. Stattdessen wurde er in Länder verschleppt, deren Name heute teilweise schon von der Landkarte verschwunden sind, um dort Bekanntschaft mit den indiviualtouristischsten Campingplätzen der Welt zu machen: felsige Steilküsten, Müllhalden, Kuhherden und unwirtliche Zufahrten inklusive. Traumhafte Urlaubsorte eben.

Zumindest wenn es nach seinem Vater Werner Krappweis geht, der im Buch auch seine Sicht der Dinge immer wieder darstellen darf. Man merkt auf diesen Seiten wie viel Spaß dieser Mann bei allen Herausforderungen hat und wie unverständlich es ihm ist, dass sein Sohn diese Leidenschaft nicht teilt. Denn liest man das Buch, bekommt man irgendwie den Eindruck, dass sämtliche Urlaube in Tommy Krappweis Jugend einen Aneinanderreihung von Katastrophen, Beinahe-Katastrophen, Verletzungen und Entbehrungen waren. Aber auch er gibt zwischendurch schon zu, dass das Negative eben eher hängen bleibt als ein ereignisloser Urlaub. Zugegeben, es wäre auch sicher weniger amüsant zu lesen gewesen, dass er zwar keine Lust hatte, aber eben nichts passiert sei. Zwei Wochen lang.

So aber ist es eben ein sehr amüsantes Buch eines Camping-Hassers über’s Camping geworden.

Was mich jetzt mit dem Mann mit der Weste, der Mütze und dem schrägen Humor verbindet?

Ich verstehe ihn!

Ich habe in meinem Leben schon genug Zeit in einem Zelt verbracht um zu wissen, dass das alles ist, nur für mich eben nicht die Form des erholsamen Urlaubs. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen…

DAS VORZELT ZUR HÖLLE!

 

Das Vorzelt zur Hölle

Tommy Krappweis
Knaur-Verlag
270 Seiten

ISBN 9783426784761

8,99 €

11 Kommentare

  1. Ralf sagt:

    Korrektur: Bei “… dem Mann in der Weste, dem etwas schrägen Humor und der Mütze” muss es heißen “… dem Mann in der Weste, dem etwas schrägen Humor, der schlechten Digitalkamera, wie sie sonst fast niemand hat und der Mütze

    1. hazamel sagt:

      “…desse Oma in Benni Dorm Urlaub machte” 😉

  2. sa_pe sagt:

    “Das Vorzelt zur Hölle” kann ich als Zweitbuch empfehlen – insbesondere als Klolektüre. Die Geschichtli haben genau die richtige Länge und unterhalten bestens.

    1. hazamel sagt:

      …und führen zu eventuellen Nahtod-Erfahrungen in Besprechungen 😉

  3. Jule sagt:

    Ja, und ich musste drunter leiden! 😛

  4. DANKE FÜR DIESE TOLLE REZI! Ich freue mich, dass Du so viel Spaß hattest und ich freue mich, einen weiteren Leidensgenossen gefunden zu haben. 🙂

    “…die schlechte Digitalkamera, die sonst niemand hat?…”
    Die Canon Legria? Mein Iphone? Meine Krawattenkamera? Ich bin verwundert, denn ich wurde bisher selten bis gar nicht über meine fotografische Ausstattung identifiziert. 🙂

    1. Ralf sagt:

      Wir haben uns gemeinsam die Augen ausgeweint über meine geliehene Billig-Ricoh-Digicam — dann ging es uns beiden wieder besser!

      1. ach so, DEINE KAMERA! ! !
        ja, das war in der Tat tragisch..

      2. hazamel sagt:

        Ach, er hat es gut überstanden. Denke ich zumindest… manchmal bin ich mir da nicht so sicher 😉

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