Bildungsauftrag verfehlt

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Ich bin ein großer Fan von Infotainment.

Ich liebe Sendungen, in denen Wissen in ansehnliche Form verpackt wird und man am Ende wieder ein bisschen schlauer ist. Dazu zählen für mich ganz vorne die Sendung mit der Maus, seit Jahren die Jungs von den Mythbusters und eigentlich auf die Sendung Kopfball.

Eigentlich…? Naja, irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Qualität dort sehr schwankend ist. Es sind interessante Dinge dabei, aber auch Fragen bei denen man das Gefühl hat, dass sie nur auf den Effekt aus sind und, gefühlt, bei anderen Sendungen geklaut wurden. So eben auch heute die Frage, ob man eine Glas zersingen kann, was mich zu folgendem Kommentar an die Redaktion bewegt:

Liebe Kopfball-Redaktion,

Ich bin wirklich ein Fan von ihrer Sendung und fand sie schon seit den Anfängen im kleinen Studio mit den Rätselfragen super. Die Idee, Wissen nicht nur trocken, sondern in unterhaltsamer Form zu präsentieren gefällt mir sehr gut. Am Ende der Sendung hatte man Spaß und geht ein bisschen schlauer wieder raus in den Alltag.

Umso gespannter war ich, als ich gesehen habe, dass sie in der Sendung versuchen zu zeigen, ob man ein Glas mit der menschlichen Stimme „zersingen“ kann. Gespannt vor allem, weil ich eben dieses Experiment zu einem meiner Lieblings-Experimente bei der ähnlich gearteten Sendung „Mythbusters“ des Discovery Channels gehört.

Umso enttäuschter war ich vom Ergebnis bzw. von der Aussage des Moderators am Ende des Experiments, dass dies nicht möglich sei.

In einer Ende Mai 2005, also vor über 7 Jahren, in den USA ausgestrahlten Folge der Mythbusters haben Adam Savage und Jamie Hyneman mit Hilfe eines Metal-Sängers es geschafft, ein Glas nur mit der Kraft der Stimme, ohne einen Verstärker, zum brechen zu bringen. Es gibt davon im Internet mehrere Videos der entsprechenden Sendung und selbst auf der Discovery-Homepage spricht Adam Savage davon, dass es wohl der weltweit erste filmische Beweis ist, dass es möglich ist.

Ich halte die Aussage des Moderators, dass es nicht geht für irreführend bis falsch. Angesichts der Sendung kann ich natürlich nicht beurteilen, welchen Aufwand sie in diese Testreihe gesteckt haben, beim Discovery Channel wurde aber, soweit ich mich dran erinnern kann, auch darauf hingewiesen, dass es eben nicht mit jedem Glas geht. Das Resultat am Ende, auch wenn es zwischenzeitlich nicht gut aussah, war aber eben der filmische Beweis, dass es möglich ist.

Ich hätte mir an dieser Stelle gewünscht, statt einem „Das ist unmöglich“ ein „Es ist unter bestimmten Umständen möglich, aber wir haben es hier nicht hinbekommen“ gestanden hätte.

Vielleicht ergibt sich ja die Möglichkeit, ähnlich wie bei den Mythbusters, einen zweiten Versuch zu starten und das ursprüngliche Ergebnis zu widerlegen.

Ich lasse mich jetzt mal überraschen, ob und was da zurückkommt.

Ich finde es schwach, dass man dem Zuschauer, der vielleicht die andere Sendung nicht kennt, das als harten Fakt vorzusetzen.

Und am Ende gilt immer noch eines:

Don’t mess with my Mythbusters-Knowledge!