„Auf zum Atem!“ – Atomwahnsinn in Deutschland

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Etwas zynisch formuliert könnte man sagen

Kaum geht in Japan ein Atomkraftwerk hoch, schon gehen in Deutschland bei einigen die (geistigen) Lichter aus!

Zumindest ist das der Eindruck, der sich bei mir durchsetzt wenn man die Nachrichtenlage der letzten Woche rund um das Thema Atomkraft und Atomausstieg betrachtet.

Den Anfang hat ja unsere Regierung selber gemacht, indem sie schnell ein Moratorium für die Laufzeitverlängerung der AKWs beschlossen hat. Was natürlich, wie Herr Brüderle ja falsch verstanden wurde, in keinerlei Zusammenhang mit den anstehenden Landtagswahlen in BaWü und Rheinland-Pfalz gestanden hat. Allerdings sehr zur Freude vieler ökologisch besorgter, die dann aber doch lieber die Grünen gewählt haben statt die Schwarzen. Der Schuss ging ja mal fein nach hinten los… Oder wäre dann fein nach hinten losgegangen wenn denn das Moratorium etwas mit den anstehenden Wahlen zu tun gehabt hätte, was es ja aber nicht hatte.

Scheinbar unbemerkt, und auch irgendwie unbedacht aus meiner Sicht, hat man sich damit gründlich ins eigene Knie geschossen. Jetzt fehlen ein paar AKWs, die sonst die Grundlast im Stromnetz sichergestellt haben und die Versorgungslage dreht sich um:

War Deutschland bis vor ein paar Wochen noch Strom-Exporteur, werden die Energiekonzerne jetzt zum Importeuren und kaufen an der Leipziger Strombörse Strom für Deutschland ein… Zum Beispiel aus Frankreich, die einen Atomstrom-Anteil von knapp 80% aus 59 schnuckligen AKWs beziehen. Ein Teil davon gerne auch grenznah zu Deutschland. Oder aus Tschechien. Genauergesagt aus einem kleinen Örtchen namens Temelin, das vor allem für eines in den letzten Jahrzehnten bekannt geworden ist: Seinen störanfälligen Krisenreaktor! Und weil wir in Deutschland jetzt eben mehr Strom brauchen, denkt man in Temelin sogar über einen Ausbau nach.

Bösartig zusammengefasst könnte man also sagen, dass die Bundesregierung auf Druck der Anti-Atomkraftbewegung, die Angst vor einem Reaktorunglück im eigenen Land, die sofortige Abschaltung der AKWs fordert, jetzt indirekt AKWs in einem Nachbarland fördert, darunter eines das bisher durch Krisen auffällig geworden ist und die weltumspannende Distanz von knapp 60km von der bayrischen Ostgrenze entfernt steht.

Na, aber hallo… Da sind wir ja mal sowas von einen Schritt weiter in der Debatte um Sicherheit in der Kernenergie und vor allem sind wir in Deutschland damit einen Riesenschritt weiter in Richtung „Kein Fukushima vor der Haustüre“.

Der ein oder andere wird sich zwar denken, dass es eh nicht schade ist um die eh schon teilweise etwas verstrahlt wirkenden „Woidler“, aber das ist ein anderes Thema…

Aber bevor hier dann gleich die Hasstiraden losgehen: Ich finde auch, dass man sich von der Kernenergie verabschieden soll, schon allein wegen der Restmüllproblematik. Aber doch bitte geordnet und nicht panisch auf Grund der aktuellen Wetter- und Nachrichtenlage!

Sobald das Gespräch dann auf die Alternativen kommt, fallen ganz schnell zwei Stichworte:

  • Regenerative Energien
  • Fehlende Energiespeicher

Regenerative Energien schön und gut… Aber da beißt sich in Deutschland auch die Maus scheinbar in den eigenen Schwanz. Was haben wir denn da Wind-, Wasser- und Sonnenkraft. Will jeder haben, ist toll, ist hip, ist öko und vor allem nachhaltig.

Haben ja, aber bitte nicht vor der Haustüre!

Beispiel Wasserkraft: 30 Jahre lang hat man versucht, im Hafenlohrtal einen Trinkwasserspeicher zu bauen. 2008 wurde das Projekt, zur Freude des Bund Naturschutzes, fallen gelassen. Öko, ja bitte… Aber bitte nicht, wenn dafür Bäume und Tiere sterben müssen, Feldhamster bedroht sind oder Menschen umziehen müssen. Nach den Erfahrungen mit den Feldhamstern beim IKEA-Bau in Würzburg, würde das gleiche überall in Deutschland wahrscheinlich genauso ablaufen, wenn jemand sagt, dass man jetzt irgendwo versucht eine Mauer zu errichten um Strom zu gewinnen, den man braucht weil man noch ein paar AKWs abschalten muss. Spätestens die näheren Anwohner, werden dann Sturm laufen, weil sie ja so heimatverbunden sind und, was meistens der viel gewichtigere Grund ist, den Wert ihrer Grundstücke und Immobilien flöten gehen sehen.

Beispiel Windkraft: Irgendwo muss man die schicken Türme ja hinstellen, die die Windkraft erzeugen sollen. Und auch hier schreien regelmäßig Landwirte und Landschaftsschützer auf, wenn irgendwo mal wieder ein Windpark errichtet werden soll. Da vibriert der Boden zu sehr, die Kühe werden krank und wahrscheinlich fühlt sich auch irgendwo wieder ein Feldhamster bedroht und verlässt seinen Bau. Ganz zu schweigen davon, und dass ist das zweite Problem, der Strom da ja auch irgendwie weg muss. Und wenn man nicht stündlich ne LKW-Ladung Akkus wegfahren will, muss man Leitung verlegen. Über- und Unterirdisch. Überirdisch ist schonmal ganz schlecht… Da kommen gleich wieder die ökologisch interessierten Anwohner und klagen über Elektrosmog und die schädlichen Auswirkung… Unterirdisch ist auch nicht ohne. Erst vor kurzem wurden hier in der Gegend die Zuleitungen zu einer Trafo- und Umspannstation sabotiert. Teurer Spaß und eindeutiger Ausdruck der Meinung: „Des woll’n mer hier net!“

Beispiel Sonnenenergie: Wahrscheinlich die regenerative Stromart, mit der, aus meiner Erfahrung, die wenigsten Schererein verbunden sind. Aber auch hier kommen dann irgendwann die Landschaftsschützer und schreien, dass ein großangelegtes Solarfeld ja den Charakter der Landschaft nachhaltig beeinflussen würde und es einfach nicht schön aussieht.

Fazit bei allen dreien also: Öko ja… Aber bitte nicht vor UNSERER Haustüre!

Auch was die Energiespeicher angeht, ist das so aus meiner Sicht nicht ganz richtig, weil es schon eine Lösung gäbe oder schon gibt, aber die auch landschaftspolitisch wieder sehr unpopulär ist: Pumpspeicherkraftwerke!

Auch sowas gibt es hier in der Gegend schon und wird von der Bahn dazu genutzt, Lastspitzen auszugleichen. Wird viel Strom benötigt, lässt man das Wasser von oben nach unten rauschen. Hat man zu viel Strom, pumpt man das ganze wieder nach oben. Problem auch hier wieder: es braucht Platz in der Natur. Und auch hier wird sich der eine oder andere dagegen wehren, sowas vor der Haustüre zu haben, weil dann ja die Naherholung flöten geht.

Was das angeht, wird aber sowieso irgendwer in den sauren Apfel beißen. Oder die Regierung geht, nachdem alle Wahlen rum sind und die Panik langsam verflogen ist, doch wieder zum geordneten Rückzug über.

Was die Panik angeht, so hat Japan in Deutschland ein paar tolle Stilblüten hervorgebracht:

Da wären die ausverkauften Geigerzähler. Dem Artikel (und vor allem der Aussage über Papis und Hundescheiße) des Electroshopbloggers ist nichts hinzuzufügen. Blödsinn!

Genauso peinlich und überdreht blödsinnig finde ich es, dass sich die Atomkraftgegner jetzt auf meinen altehrwürdigen Club losgehen, weil dessen Hauptsponsor sein Geld mit AKWs verdient. Kinder, wenn euch langweilig ist, dann sucht euch ein Hobby. Erstens ist der Hauptsponsor nicht neu und zweitens könnte man spätestens wenn es diese Dimension erreicht hat, auch gleich bei jedem Sponsor im Profifußball eine Leiche im Keller finden.

Der nächste Schritt ist damit schon absehbar, und ich sag euch, DER ist erst unpopulär:

Pro Sieben nimmt auf Druck der Atomkraftgegner die Simpsons aus dem Programm, weil dort Kernkraft verharmlost wird und auch noch eine der wiederkehrenden Figuren ein Superheld der Atomlobby ist:

Radioactive-Man!

In diesem Sinne: Auf zum Atem!

3 Kommentare

  1. Verena sagt:

    Alles Argumente, die ich schon bei der letzten Bundestagswahl gebracht habe. Umweltschutz ja, aber eben mit Sinn und Verstand. Die Atomreaktoren (mit sekundärem Kühlkreislauf und mannigfaltigen Notfall-Generatoren) auzuschalten, um den Strom über nicht-ausgebaute-Leitungen (gelle!) aus NOCH unsichereren Kraftwerken zu karren … hmm, da könnte ein Denkfehler vorhanden sein.

    Ich finds übrigens gut, dass Du Deine Meinung dazu öffentlich kund tust. Ich finde es nämlich sehr schade, dass sich kaum jemand traut, auch mal die andere Seite zu beleuchten. Klar ist beim Atomstrom nicht alles toll (ganz im Gegenteil) und klar gibt es massive Problem – ABER ein Problem zu lösen, indem man anderswo ein Loch gräbt … das funktioniert leider nicht.

  2. Madse sagt:

    Klasse, perfekt, auf den Punkt. Danke.

  3. Irrstern sagt:

    Ich find den Eintrag auch sehr informativ und weitesgehend kann ich da auch übereinstimmen 😉
    Eine Möglichkeit um Wärmeernergie zu sammeln (bei der sicherlich die Wirtschaft auf die Barrikaden geht) ist die Wärme, die aus den Türmen der Fabriken und.. ja, auch aus den AKWs verpufft..
    Wenn man die abfängt und weiterleitet, könnte man zB mit dem, was aus Grafenrheinfeld herausraucht, Schweinfurt komplett mit Wärmeenergie versorgen. Kein Öl, kein Gas und keine Kohle mehr.. Das wäre auch Öko.. Aber dazu bräuchte man das Kraftwerk, bzw müssten die Firmen verpflichtend ihre Anlagen umbauen, was dann sicherlich wieder auf die Verbraucher umgeschlagen wird.. Altes Lied 😉
    Möglichkeiten sind genug da, man muss sie nur annehmen.. Auch vor der eigenen Haustüre ^^

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