Way-too-Easy-Mode

Scheinbar werde ich alt.

Vor allem was Videospiele angeht. Oder es liegt daran, dass diejenigen, die bei Videospielen entscheiden und diese machen gerade erst vor kurzem ihr erstes legales Bier trinken durften. „Die gute alte Zeit“ also nur vom Hören-Sagen der Veteranen kennen.

In den letzten Jahren hat sich bei mir zumindest immer mehr der Eindruck durchgesetzt, dass die Spiele durch die Bank immer simpler werden. Nicht im Sinne von „einfacher“ sondern es kommen schon von Haus aus Hilfsmittel dazu, die es früher so nie gegeben hat und wenn doch, dann war ihre Verwendung doch schon sehr ehrenrührig. Um nicht zu sagen, man war ein Lamer.

Seltsamerweise sind es gerade die Spiele, die eine Tradition haben, bei denen es mir zur Zeit besonders auffällt.

Prominentes Beispiel Nummer 1 wäre die Kategorie der Rennspiele.

Mittlerweile gibt es überall durch die Bank eine Rewind-Funktion, die man, je nach Schwierigkeitsgrad, mehr oder weniger exzessiv nutzen kann. Nicht nur, dass eine solche Funktion an sich in einem Rennspiel mit Simulationsanspruch schon seltsame wirkt, nein, es gibt auch noch Redakteure, die sich allen ernstes darüber echauffieren, dass man ja das ganze Rennen weggeschmissen hat, wenn man in der letzten Runde alle Rewinds verbraucht hat und das Auto dann an die Wand setzt.

Zu Zeiten eines Grand Prix vor gut 20 Jahren hätte man sich kurz geärgert. Nicht über das Spiel, sondern über sich selber. Wie im realen Leben ist es eben dümmlich auch in der letzten Kurve noch volles Risiko zu gehen.

Ähnlich verhält es sich mit der Lobpreisung „neuer“ Features. Schaue ich mir ein F1 2011 oder 2012 an, so ist es für mich nur hübscher als ein Grand Prix 2, technisch dem Spiel der Saison 94 aber nicht gewachsen. Benzinverbrauch und Reifenverschleiß kannte man damals auch schon. Das Schadensmodell war wesentlich genauer als das was einem heute geboten wird. Scheinbar hat sich niemand bei Codemasters die Mühe gemacht mal ins Archiv der Formel 1-Spiele zu steigen. Vielleicht bin ich mit diesem Wissen auch einfach zu alt als Zielgruppe für funkelnde neue Autos.

Ebenso schlimm hat es Nummer 2 erwischt.

Mit viel Tamtam wurde ein gerade mal acht Jahre altes Spiel einer Frischzellenkur unterzogen. Der Klassiker Doom 3 als BFG-Edition.

Ich frage mich, wie wir es damals nur geschafft haben dieses Spiel zu spielen und zu meistern indem wir entweder die Waffe oder die Taschenlampe in der Hand hatten. Es hat doch damals einen guten Teil des Horrors ausgemacht, dass man entweder sehen konnte was einen Angriff oder eben blind in die Dunkelheit geballert hat, in der Hoffnung, dass man das Monster erwischt.

2012 scheint das nicht mehr zumutbar zu sein. Immerhin ist das die Zukunft… und da kann man auf einmal Waffe und Taschenlampe gleichzeitig tragen.

Am schockierensten habe ich aber die Ankündigung der letzten Tage empfunden.

Man werde in XCOM den Easy-Mode mit dem zweiten Patch einfacher machen.

Ich habe wirklich viele viele viele Stunden im normalen Modus verbracht und möchte eigentlich nur eines dazu sagen:

Das ist ja wohl ein Witz!

Ich empfinde den normalen Schwierigkeitsgrad bei XCOM als durchaus sehr benutzerfreundlich. Wer da noch jammert, dem empfehle ich den Klassiker „Terror from the Deep“ von 1995 zu spielen. Meine Überlebensrate dort liegt weit unter dem was ich mit dem heutigen XCOM schaffe. Aus meiner Sicht ist das Spiel geradezu geduldig mit dem Spieler, wenn er nicht gleich dem Story-Pfad folgt, sondern erinnert ihn erst langsam mit immer stärkeren Gegnern daran, dass er eigentlich noch etwas anderes zu tun hat.

Ich frage mich also allen Ernstes was man dann im Easy-Mode noch einfacher machen will. Aliens, die vor Schreck schon von allein den Herztod sterben, wenn ich mit meinem Squad um die Ecke komme?

Liegt es also an mir, dass ich schon zu viel gespielt habe oder liegt es an der Spielebranche mit all ihren Anhängseln, dass die Spiele gefühlt immer simpler werden?

Wo sind sie heute, die Spiele eines Kalibers wie Sudden Strike oder Commandos? Kann man das der Generation heute nicht mehr zumuten? Muss einfach alles Super-Casual sein, damit auch ja jeder den Abspann flimmern sieht? Oder gibt es sie noch, die schweren Spiele, die hart an der Grenze zu unfair entlangschrammen?

Der Core-Gamer in mir will sie zurück!