Vom Couchsider zum Courtsider

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Eigentlich hatte ich meinen Samstagabend ja ganz anders geplant.

So mit ner Tüte Chips faul auf dem Sofa, DVD schauen und den Livestream der s.Oliver Baskets nebenbei schauen. Ganz bewusst hatte ich mir keine Karte für’s Heimspiel der Baskets gegen die Riesen aus Ludwigsburg gekauft.

Bis das Handy klingelte. Gerade als ich mal für zwei Minuten nicht im Raum war. Ob ich Courtsidern möchte fragte mich kurz danach eine Nachricht.

Und ich muss zugeben: Mein Wille ist, zumindest was das angeht, sehr schwach.

So kam es also, dass ich zwei Stunden später mit meinem Laptop auf der Pressebank saß und meinen Twitterclient startete. Courtsider bei einem so bedeutungsschwangeren Spiel:

  • Erstes Heimspiel von Stefan Koch
  • Der Trainer der Gegner ist John Patrick
  • Robert Tomaszek als Ex-Würzburger auch im Lager der Gegner

Basketballherz, was willst du mehr?

Selbstläufer würde das sicher nicht werden. Immerhin hatte man auch letzte Woche gegen Trier vollmundig davon gesprochen, dass wir ja einen Playoff-Kader hätten. Was der Playoff-Kader dann gemacht hat, ist ja bekannt. Und ganz ehrlich: In dieser Saison ist kein Spiel ein Selbstläufer. Und auch Heimspiele sind da kein Garant mehr dafür. Aber ich sollte ja eines besseren belehrt werden.

In den Anfangsminuten legten die Baskets nämlich los wie die Feuerwehr. Es fühlte sich fast an, als wären die Gäste aus Ludwigsburg noch gar nicht aus der Kabine bekommen. So schnell kam ich gar nicht mit dem twittern nach, wie es die Highlights hagelte. Auf meiner Couch hätte ich auch ein dickes Problem gehabt: Die Premiere des Livestreams fiel nämlich ins Wasser. Nicht weil ich auf dem Kabel saß, sondern auf Grund von anderen technischen Problemen.

Das tat der Stimmung in der Halle aber keinen Abbruch und so verabschiedeten sich die Baskets mit unglaublichen 27 Punkten aus dem ersten Durchgang. Ich habe mich wirklich gefragt, ob das die gleiche Mannschaft war, wie noch vor einer Woche gegen Trier. Glauben konnte ich es fast nicht.

Das blieb auch den Rest des Abends so. Wirklich in Gefahr schien der Sieg nie zu sein. Zu sicher war man in der Defense, auch wenn es in der Offense zeitweise nicht so Recht klappen wollte, im dritten und vierten Viertel gab es immer mal wieder Phasen in denen gefühlt gar nichts ging. Es war zwar nicht langweilig, aber Punkte gab es auch nicht. In Durchgang drei sogar nur acht magere Pünktchen für die Gäste. Folgerichtig lagen die Baskets zwischenzeitlich sogar mit über 20 Punkten in Front.

Die waren dann am Ende auch bitter nötig. Ich weiß ja nicht, ob das so geplant war, aber die Mannschaft schien schon ziemlich bald mit dem Ausschwimmen anzufangen. Und aus 21 einem gemütlichen 21 Punkte Vorsprung wurde dann ein „kleines“ 10 Punkte Häufchen. Dieses Mal waren die Zahlen nämlich genau umgekehrt: Ludwigsburg punktet mit 21 Punkten voll im Soll, während das Heimteam sich zu mageren acht Pünktchen hinreißen ließ. Woran es lag, weiß ich nicht. Am Auftreten der Mannschaft hatte sich für mich nichts geändert. Aber selbst als McKinney komplett unbehelligt und frei von der Dreierlinie abdrückte, wollte der Ball nicht den Weg durch den Ring finden. Ärgerlich, auch wenn er es mit einem breiten Grinsen und Kopfschütteln selber nicht glauben konnte.

Letztlich zählt aber nur eines: Die Mannschaft hat im Kampf gegen den Abstieg zwei wichtig Punkte eingefahren und den Zuschauern über weite Strecken sehr sehenswerten Basketball geboten. Ich bin fast versucht zu sagen: Warum denn nicht gleich so? Also schon am Anfang der Saison.

Und einmal mehr steht für mich fest:

Courtsidern ist echt Arbeit. Nix von wegen „ein bisschen auf Twitter rumtippen“. Im Grunde sitzt man die ganze Zeit da wie ein Chamäleon, versucht das Spiel im Auge zu behalten und dabei vernünftige Tweets abzusetzen.

Die Einschätzung in wie fern mir das gelungen ist, das überlasse ich mal anderen. 😉 Ich hoffe sehr ich habe nicht zu viele Follower verloren.

Für mich steht bei sowas eh immer was ganz anderes im Vordergrund, was sich wahrscheinlich mit keinem Geld der Welt aufwiegen lässt und weshalb ich sowas immer wieder machen würde, ohne mit der Wimper zu zucken:

Es steht zwar „Presse“ auf dem Ausweis, aber im Grunde fühlt es sich für mich anders an.

Man ist ein ganz kleines bisschen Teil des Teams und will eigentlich nur eines:

Die eigene Begeisterung und die Emotionen in der Halle nach draußen tragen.

Ganz im Sinne des Mottos

Pure Emotion