Sim-Racing Upgrade

Sim-Racing Upgrade

Irgendwann, vor vielen Jahren, habe ich mal beschlossen, dass man bestimmte Rennspiele besser mit einem Lenkrad als mit der Tastatur oder dem Gamepad spielen sollte. Zugelegt habe ich mir damals für sehr schmales Geld den Vorgänger des heutigen T80 von Thrustmaster. Für das Gummiband-Lenkrad namens Challenge habe ich damals glaube ich gerade mal die Hälfte bezahlt. Hat trotzdem jahrelang Spaß gemacht. Aber eben nur mit Gummiband statt „echtem“ Force Feedback. Immerhin, es hatte damals schon Schaltwippen. Aber alles sehr einfacher Kunststoff. Irgendwo musste der Preis ja herkommen.

Vor ein paar Jahren gab es dann ein Upgrade. Im Bundle mit F1 2017 zog ein Logitech G920 ein und das Gummiband flog raus. Was zusammen mit dem Lenkrad einzog waren Schmerzen. Zum einen in den Armen ob des ungewohnten Force Feedbacks und zum anderen in Form von Rückschmerzen, weil ich das Lenkrad im Wohnzimmer an einen Klapptisch geschraubt habe um auf der XBox spielen zu können. Die Haltung war alles andere als ergonomisch. Und weil Logitech (bis heute) der Meinung ist, dass ein Gummistopfen realistisch den Widerstand eines Bremspedals vermitteltet, gingen dann auch noch die Pedale regelmäßig auf Wanderschaft, was die Ergonmie nur noch verbesserte. Ich hab das auch ein paar Jahre durchgehalten, dann aber nicht mehr im Wohnzimmer sondern am PC.

Das Lenkrad wurde an die Tischplatte geschraubt, ein Teppich unter den Schreibtisch gestellt auf dem die Pedale standen und so fixiert wurden, dass sie nicht nach vorne abhauen konnten. Der Schreibtischstuhl gekonnt mit einer Falte im Teppich fixiert. Ergonomie besser, aber immer noch sehr wackelig. Schaut man sich dann zwangsläufig nach einem besseren Setup um, schrecken einen zwei Dinge ab: Erstens der Preis und zweitens dass so ein Gestell meistens nicht ganz klein ist und sehr viel Platz wegnimmt. Preislich ist da noch oben auch alles offen.

Allerdings sind mindestens zwei Hersteller auf die Idee gekommen, dass vielleicht nicht jeder seinem Hobby so viel Platz und Geld einräumen kann und bieten klappbare Varianten an. Die etwas variablere Variante kommt von Next Level Racing und lässts sich zwischen GT und Formel hin und herklappen. Für mich nicht ganz tauglich, denn ich möchte ja nicht unter dem Schreibtisch sitzen. Also wurde es bei mir der Playseat Challenge. Auch der lässt sich zusammenklappen wie ein Bügelbrett und in die Ecke stellen. Da steht er auch realtiv lange wenn ich nicht gerade mein Hype-Phasen habe.

Erschlagen habe ich damit gleich mehrere Dinge: Die Ergonomie ist viel besser, die Pedale können nirgendwo hin und man hat zumindest immer annähernd die gleiche Einstellung wenn man spielen will. Kein „Das fühlt sich irgendwie anders an“ sondern reinsetzen und es passt. Spätestens hier merkt man aber, dass ich den Pfad des Sofa-zockens irgendwann verlassen habe.

Logitech G920

Damit geht irgendwann einher, dass einem die Knöpfe auf dem Lenkrad ausgehen. Oder doof angeordnet sind. Im Fall des Logitech sieht man schon, dass die Zahl der Dinge die man drücken oder ziehen kann überschaubar ist. Zumindest für die F1-Spiele kann man zwei der vier schon abziehen. Die sind für’s Display und für den Boxenfunk reserviert. Kupplung zum losfahren und hochschalten teilen sich eine Schaltwippe. Overtake und DRS liegen so doof, dass man sie beide mit der rechten Hand bedienen muss. Und dazu auch noch einen sehr langen Daumen machen muss. Auch nur so halb ideal. Also schlich ich sowieso schon eine Weile um ein Upgrade außenrum. Angesichts des Preises traut man sich den Name Fanatec als Gelegenheits-Fahrer eigentlich nicht in den Mund zu nehmen. Thrustmaster als Alternative hat wieder das gleiche Button-Problem weil sie primär für XBox oder Playstation konzipiert sind oder man muss ein Ferrari-F1-Lenkrad kaufen. Blieb also doch Fanatec. Und da ich lange genug geschlichen waren, hatten die mittlerweile auch einen kleinen Motor im Angebot, der nicht im vierstelligen Preissegment lag. Leider nicht lieferbar. Und auch nicht klar ob und wann wieder lieferbar.

Auftritt eines kleinen chinesischen Herstellers namens Moza Racing, die bisher als Moza Dinge wie Gimbals hergestellt haben. Ein bisschen mehr Bumms als Fanatec, ein bisschen hübscheres Lenkrad als Fanatec und sehr viel Lob aus der Fachwelt. Und wie man an der Länge des Posts merkt: Alles andere als ein Einsteigergerät, auch wenn es manchmal als solches beschrieben wird.

Seit ein paar Wochen steht das Ökosystem aus China jetzt hier und ist fleißig in der Nutzung. Es ist nicht alles auf einmal eingezogen sondern erst die Pedale und dann das Lenkrad. Und ich muss sagen, alleine die Pedale machen schon einen großen Unterschied zu dem was, Logitech anbietet. Man merkt ziemlich schnell dass das eine andere Liga ist und hier eben kein Gummipömpel verbaut wurde um den Widerstand des Pedals zu simulieren. Hier muss nicht der Pedalweg angepasst werden um die 100% Bremswirkung zu bekommen, sondern nur die letzte 5% eingestellt werden (statt meistens 40% bei Logitech). Das, zusammen mit dem Logitech-Lenkrad, war schon ein Sprung. Und dann kam das größere Paket…

Die Stärke des möglichen Force Feedbacks hat sich mit dem R9 gegenüber dem Logitech verdreifacht. Dass Moza bis zu 21 Nm anbietet ist dann was für Menschen, die auf Schmerzen stehen. Mein R9 läuft aktuell mit 60%. Das reicht mir vollkommen aus dem spielen und lässt der Technik Luft nach oben zum arbeiten.

Moza GS GT

Und weil mir das letzte Lenkrad zu wenig Knöpfe hatte, gab es ein GT-Lenkrad. Mit vielen Knöpfen und Schaltern zum Drehen, Drücken und ziehen. Eine sehr elegante Mischung aus Alcantara, Carbon, Metall und Kunststoff. Und zwar so viele Knöpfe, dass ich mir sehr schnell ein Cheat-Sheet gemacht habe. Allein schon, weil im Spiel jetzt nicht mehr A,B,X oder Y angezeigt wird, sondern nur noch die Nummer des Buttons. Als optische Hilfe habe ich zumindest versucht die Farben der Xbox-Buttons zu hinterlegen.

Cheatsheet

Befestigt wird das Ganze ähnlich wie im „echten“ Rennsport mit einen Schnappverschluss. Es wackelt nichts außer dem Klappstuhl, der bei den wirkenden Kräften manchmal den kürzeren zieht. Was man von hinten auch schön sieht, sind die Schaltwippen oben und die Kupplungswippen unten.

Gerade die Schalwippen sind immer wieder ein Grund für Kritik. Nicht weil sie nicht tun was sie sollen, sondern weil sie laut sind. Je nachdem wie man greift, zieht und schnappen lässt, machen sie schon Geräusche. Mein Handy sagt mit einem Meter Abstand ca. 70 dB. Wem das zu laut ist oder gesagt bekommt, dass es zu laut ist, kann Polsterpads einbauen, die Moza gleich mitliefert. Mich hat es bisher nicht gestört.

Die Buttons selber lassen sich individuell farblich anpassen. Wer alles in rot oder rosa haben will: Geht. Leider nicht über die Software Pit House sondern über den Debug-Modus am Lenkrad, der ein bisschen Fingerakrobatik braucht.

Die Software selber ist auch einer der Vorteile des Ökosystems. Alle möglichen Parameter des Force Feedbacks und der Reaktion des Lenkrads lassen sich dort einstellen. Notfalls auch live im Spiel über eine passende App im Handy. Auch das Verhalten der Schalter lässt sich anpassen. Die Kupplungshebel lassen sich nicht nur zwischen getrennt oder einzelner Hebel umstellen sondern auch ob sie als Button-Klick erkannt werden sollen oder als Achse. Auch die Drehschalter können zwischen Klick hoch oder runter oder eben der individuellen Schalterstellung umgestellt werden.

Kurz gefasst: ich bin sehr zufrieden mit dem was da jetzt an meinen Sitz geschraubt ist. Das feinere Feedback und unverkrampft ERS und DRS verwenden zu können, war schon viel wert.

Was ich bisher belächelt habe, aber jetzt auch anders sehe, ist der Einsatz von Handschuhen. Es mag ein individuelles Problem sein, aber der Übergang vom Alcantara zum Kunststoff ist sehr scharfkantig. Normal fühlt man das nicht, aber mein Versuch das ganze mal mit günstigen Handschuhen auszuprobieren hat schnell gezeigt, dass es dort die größte Abnutzung gibt. Ich bin froh, dass es meine Handschuhe sind und nicht mein Finger. Auch den Grip des Alcantara sieht man deutlich an den Handflächen.

Was es aktuell noch nicht gibt, ist Konsolen-Support. Für die XBox bräuchte es einen Chip im Lenkrad, für die Playstation einen Chip in der Base. Mit dem Brook Ras1ution 2 gibt es wohl ein Angebot eines Drittherstellers, der das umsetzen kann. Die Rückmeldungen wie gut oder schlecht das klappt sind unterschiedlich. Für 120 € und angesichts dessen wie oft ich das Lenkrad an der Konsole verwendet habe, ist es mir aber zu doof.

Wie schon erwähnt: Es ist trotzdem nichts was ich als Einsteigerpaket bezeichnen würde. Wer wirklich einsteigen will, sollte sich an Logitech halten. Vielleicht auch mit anderen Pedalen als denen von Logitech. Vielleicht reicht auch erstmal ein gebrauchtes Logitech um ein Gefühl dafür zu bekommen. Nur von den Dingern mit Gummizug würde ich die Finger lassen. Das ist einfach nur rausgeworfenes Geld.

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