Reifen! Brennende Krokodile! Ente Klaus! – Kellner in der Posthalle

…hätte es gestern Abend in der Posthalle gegeben, wenn jeder der Anwesenden noch ein oder zwei Freunde mitgebracht hätte.

So mussten ich, als Frau moggadoddes Sidekick, und die maximal 100 anderen Zuhörer sich mit einem fantastischen Konzertabend ohne Effekthascherei aber dafür mit Kellner und dem lokalen Liedermacher Andreas Kümmert zufriedengeben.

Wir haben es verschmerzen können. Sehr gut sogar.

Andreas Kümmert haben wir erst gar nicht als Ein-Mann-Vorband wahr genommen, sondern darin eher einen Soundcheck vermutet. War er mir doch letztes Jahr auf dem Umsonst und Draussen einfach so vor die Linse gelaufen ohne dass ich vermutet hätte, dass ich ihn jetzt in der Posthalle wiedersehe. Und auch wenn er auf den ersten Blick ein bisschen wie ein Alleinunterhalter auf der Bühne wirkte, er hat doch alle in seinen Bann gezogen mit tollen Songs und einer noch tolleren Stimme. Und der Tatsache, dass er ab dem dritten Lied nur noch mit fünf Saiten auf der Gitarre gespielt hat. Die sechste Saite war seinem Blues einfach nicht gewachsen. Trotzdem ein toller Auftritt und schon da tat es mir fast ein bisschen Leid, dass die Anzahl der Besucher sehr übersichtlich war. Immerhin standen Heidi und ich so in der ersten Reihe… und auch gleichzeitig in der letzten.

Auch die Jungs von Kellner waren beeindruckt von ihrer Vorband und haben das auch mehr als einmal am Abend zum Ausdruck gebracht. Auch hier waren es ja wieder „alte Bekannte“ vom letzten U&D.

Und wieder war es ein bisschen schade, dass nur so wenige den Weg in die Posthallen gefunden hatten. Denn genau wie sie es im Sommer geschafft haben die Wolken am verregneten Sonntag mit ihren Songs ein bisschen zu vertreiben, so haben sie es auch an diesem frostigen Sonntag geschafft, das Publikum mit ihren Liedern, die alle ein bisschen nach Strand, See und Sonne schmecken, zumindest anzuwärmen. Bitte erwarten sie keine feurige Stimmung, wenn etwa hundert Franken in einer kühlen Posthalle stehen. Wie gesagt, sehr schade. Aber die Schuld dürfte wohl bei denen zu suchen sein, die nicht da war statt der Besetzung auf der Bühne oder der handvoll davor.

Spaß hat es auf jeden Fall gemacht, schön war es auch. Und sollte das bei Kellner mit der Musik nicht mehr hinhauen, können die Jungs sicher als Standup-Comedians ihr Geld verdienen. Selten so viel gelacht bei einem Konzert. Lag wohl auch daran, dass die Band auf der Bühne ihren Spaß hatte. Obwohl ich mir ja nicht immer ganz sicher war, ob sie sich auf der Bühne nicht fragen, wo die versteckte Kamera ist.

Dinge die ich dabei gestern gelernt habe:

  • Dracula lag bei Kellner im Keller und meldet sich nicht mehr
  • Ente Klaus
  • Kleine Instrumente machen Monstersongs weniger furchterregend
  • Gerissene Gitarrensaiten wollen mit Bart oder Haaren kuscheln
  • Man kann die Posthalle noch kleiner machen als bei Fiddler’s Green
  • Kellner live ist ein Genuss, den man nicht verpasst haben sollte
  • Die seltsame Marketing-Strategie der Band!

Wer die Chance hat und Lust auf einen flauschig-kuschligen Abend voller toller Songs, einer gut aufgelegten Band mit Hang zum rumalbern und schon immer mal eine Bass-Ukulele in Aktion sehen wollte, der sollte sich Kellner live ansehen. Am besten bringt man noch ein oder zwei Freunde mit. Vielleicht klappt es dann auch mit den brennenden Reifen und den Krokodilen, die wie wild über die Bühne wuseln!