Prometheus – Dunkle (Frage)Zeichen

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Bedecke deinen Himmel, Zeus,

Mit Wolkendunst!

Und übe, Knaben gleich,

Der Disteln köpft,

An Eichen dich und Bergeshöh’n!

So beginnt Goethes Prometheus, dass ich irgendwann in der Schule mal auswendig lernen musste. Rückblickend kann ich sagen, dass es nicht das letzte war, was ich in meinem Leben auswendig gelernt habe und definitiv sinnfreiere Sachen dabei waren.

Das Wiedersehen mit Prometheus habe ich mir dann irgendwie besser vorgestellt. Warum auch nicht, immerhin soll Prometheus von Ridley Scott das Prequel zur legendären Alien-Serie sein.

Die Story kann man entsprechend schnell abhandeln: Menschen finden Karten auf der Erde und fliegen jahrelang durchs All um ihrem Schöpfer gegenüberzutreten. Nein, ich habe nicht Contact geschaut. Es war schon Prometheus. Und ich glaube, da fängt der zweistündige Schlamassel mit an…

Wer den Film immer noch sehen will, der sollte jetzt weglesen…

…vom Rest erwarte ich mir Antworten!

Die Liste der Dinge, die mich stört ist lang. Und der dickste Brocken ist wohl, dass alles so vorhersehbar ist. Der Android ist natürlich böse und dreht sein eigenes Ding. Muss er ja sein, immerhin war er in Alien, Moon und 2001 auch böse. Natürlich muss die Wissenschaftlerin über ein medizinisches Notfalldingens stolpern und noch erklären was das ist. Dazu bekommt sie auch gleich erklärt, dass das Quartier total autark ist vom Rest des Schiffes. Natürlich nur, weil die Besitzerin ein bisschen paranoid ist, nicht weil das in der Story noch wichtig sein könnte…

Aber im Grunde schaue ich den Film ja, weil ich mich gruseln will. Immerhin ist das ja so ein Alien-Ding.

Also rein in das Gebilde und gegruselt. Leider kam es aber nicht dazu… Die Fragen wurden nur noch mehr.

Zum Beispiel, warum nach 2000 Jahren da drinnen eine andere Atmosphäre herrscht als draußen. Und das obwohl jemand vergessen hat die Tür zuzumachen? Und warum verändert sich auf einmal alles in der Brutkammer als die Wissenschaftler den Raum betreten? Hat jemand einen ziehen lassen? Würmer über zwei Jahre an der Schuhsohle von der Erde mitgeschleppt? Und warum bewegt sich der stilisierte Alien-Kopf nicht. Der bewegt sich immer in Alien. Weil’s kein Relief ist sondern ein Alien. Der hat sich sogar in AvP bewegt! Nein? Hier nicht? Na dann…

Wer fährt eigentlich den großen Transporter auf der Flucht vor dem Sturm? Irgendein Fahrer der stundenlang draußen steht und wartet dass die Truppe zurückkommt? Der hätte dann ja gleich sagen können, dass der Biologe und der Geologe noch nicht da sind. Die haben ja die Brotkrumen verloren. Vor allem der Geologe, der ja die Sonden mitgebracht hat, die fleißig das Gebilde kartografieren.

Aber die zwei sind ja wichtig (Wobei man ihnen auch gleich ein rotes Hemd hätte anziehen können…), denn sie sind für den ersten Kontakt zuständig. Oder finden die vielen Schöpfer deren Bäuche aufgeplatzt sind, was den Captain der Prometheus, trotz Videofeed, nicht sonderlich beeindruckt oder beunruhigt. Der geht lieber ein Nümmerchen schieben. Ich hatte dann kurz die Hoffnung, dass sich die Bewegung im Gebilde irgendwie aus dem Schatten lösen und das Alien kurzen Prozess macht… Kam aber nicht.

Stattdessen kam dann in der Brutkammer (Gute Idee dorthin zurückzukehren…) der echte erste Kontakt mit einem Alien. Und es hat mich ein bisschen an das Dianoga aus dem ersten Todesstern erinnert. Oder einen Riesendildo, was die Art, wie es in den Körper eindringt, noch etwas bizarrer gemacht hat.

Letztlich ist hier dann der Punkt, wo man über die Kombinationsmöglichkeiten von Alien und Mensch reden muss:

  • Mensch + Riesenphallus: Man weiß es nicht… Die nehmen die Leiche einfach mit und sie ward nie mehr gesehen
  • Mensch + Riesenphallus-Larve in Alkohol, getrunken: Mensch wird krank, stirbt und wird zum feuerfesten Zombie
  • Mensch, infiziert + Mensch, weiblich, nicht infiziert: Nach 10 Stunden ist Frau mit einem Mini-Quadropoden im vierten Monat schwanger und behauptet, dass das ja gar nicht sein kann…
  • Schöpfer-Alien + Riesenquardopode mit Riesenphallus im Maul: Klassisches Alien-Alien, dass aber irgendwie gar nicht aussieht wie ein klassisches Alien-Alien.

Der Riesenquadropode ist übrigens aus dem in der medizinischen Notfalleinheit entfernten Mini-Quadropoden entstanden, der die Sterilisation doch glatt überlebt hat und vor lauter Luft und Liebe gewachsen ist. Warum eine paranoide Frau in ihrem autark funktionierenden Quartier eine medizinische Notfalleinheit stehen hat, die bei der ersten Bedienung gleich sagt, dass sie nur für Männer zuständig ist, das muss mir auch nochmal jemand erklären. Für ihren Vater? Weil sie eigentlich tief im inneren doch ein kleiner Junge ist?

Aber um es kurz zu machen: Im Grunde hätte das Gebilde voll sein müssen von Aliens mit deftigem Hunger… oder verhungerten Aliens. Das Gebilde ist ja auch eigentlich kein Tempel oder sowas, sondern ein Raumschiff… Ein Raumschiff mit situationsabhängiger Raumaufteilung. Bis zur Erleuchtung des Captains, dass es ein Raumschiff ist, werden von den Sonden nämlich fleißig Räume in Kuppel in der Mitte es Raumschiffs kartografiert… Die sind dann weg. Weil…es wahrscheinlich zu umständlich wäre zu erklären warum da Räume sind. Überhaupt ist die Architektur des Hangars seltsam… Da ist überirdisch ein riesiger Wall und diese riesige Kuppel, die in dem Moment weg sind, als klar ist, dass sich unter der Erde einfach ein riesiger Hangar befindet in dem das Raumschiff frei schwebt. Die Prometheus hat zwar mit den Sensoren festgestellt, dass die Kuppel über dem Hanger hohl ist… dass darunter aber ein Hanger ist, das hat keiner bemerkt. Auch der endlose Gang, in dem die erste Bewegung festgestellt wurde geht eindeutig vom Raumschiff weg. Weit weg…

Letztlich habe ich das Gefühl, dass der Film „ganz nett“ gewesen wäre, wenn nicht dieser Alien-Prequel-Aufkleber drauf gewesen wäre.

Ich muss auch offen zugeben, dass ich es schon sehr großartig fand als Mr. Weyland dem Schöpfer gegenübertritt, dann wirklich seinem Schöpfer gegenübertritt und feststellt dass da nichts ist. Wohl also eher ein Film für Theologen und Religionslehrer als Diskussionsgrundlage.

So bleibt in der Gesamtheit aber der Eindruck von Ansammlung von Plot-Holes, Ungereimtheiten, Unstimmigkeiten und offenen Fragen. Den Sprung zum Alien-Film kann man dann nur grob ziehen, wenn man davon ausgeht, dass der Notruf, der die Marines anlockt, vom autarken Modul gesendet wurde.

Und jetzt will ich Antworten!

6 Kommentare

  1. Prometheus ist kein Prequel, sonder soll wohl ein Reboot der Serie sein auch wenn sie zu Beginn etwas anderes behauptet haben.

    Es stimmt aber, dass der Film nur so von Logiklöchern strotzt, auch wenn man sich einigen zusammenreimen kann, wenn man den Film mehrmals sieht.

    Ich kenne jetzt nicht den Stand des geplanten Directors Cuts, hoffe aber, dass sie dort einige Unstimmigkeiten klären.

    Den eigentlich war Prometheus kein schlechter Film.
    Sehr vorhersehbar, doch wusste er durchaus in maßen zu unterhalten.

    Ach und die Handlung spielt auf LV-223, die von Alien auf LV-426, es gibt also keinen Bezug zu dem Notruf aus Alien. Das sollte wohl in einem der kommenden Teile geklärt werden, aber das ist Nerdwissen. ^^

    1. hazamel sagt:

      Ich hab da was von 35 geschnittenen Minuten auf der BluRay gelesen… aber da hab ich dann keine Lust drauf 😉

      Mir graute es vor dem Wort „Reboot“ schon, weil ich dann immer automatisch an „temporäre Verschiebungen“ und „alternative Zeitlinien“ als Erklärung warum es jetzt alles ganz anders ist, denken muss.
      Ja, das es ein anderer Planet/Mond ist, habe ich schon gemerkt.

      Und ich stimme dir zu, lässt man den Alien-Bezug weg, ist es ein ganz brauchbarer Film. So treibt es aber eben die Erwartungshaltung ziemlich nach oben

  2. crosa sagt:

    Vergiss einfach mal kurz die Logik und lass einfach die Bilder auf dich wirken. Ich habe selten einen Visuell so überwältigenden SF-Film gesehen. Da konnte der Film für mich mit 100 % Punkten. Der Rest war mir ja da schon fast egal. Da kam wohl der Fotograf in mir durch 🙂

    Vergleiche/Überleitungen zu den Originalfilmen habe ich nie gezogen, ich hatte gelesen ein Film der im Alien Universum spielt…. und genau so hab ich das auch gesehen.

    Und Noomi Rapace war einfach eine tolle „Nachfolgerin“ für Sigourney Weaver. Ich fand die offenen Fragen machten Hunger auf mehr und von Logiklöchern habe ich mich nicht ablenken lassen 🙂 Mich haben die „Bilder“ einfach nur geflashed 🙂 🙂

    1. hazamel sagt:

      Optisch war es schon sehr groß, das stimmt. Die Hologramme oder auch der Sturm mit den vielen kleinen fliegenden Teilchen.
      Wie ich schon zum Imperator gesagt hab: Hätte man den Alien-Stempel weggelassen, wäre das schon cool gewesen und es hätte keinen mehr gestört. 😉

  3. Madse sagt:

    „Der Android ist böse.“ Ist er nicht. Er handelt nur nach den Anweisungen von Wayland, das allerdings ohne Rücksicht auf Verluste und streng rational. Spock unterstellt ja auch niemand, dass er Böse ist und im Gegensatz zu Kane aus Alien versucht er nicht, die Hauptdarstellerin mit einer Zeitschrift zu erdrosseln…

    Atmosphäre „da drinnen“: hast du gesehen, wie klein das Loch gewesen ist, durch das die rein sind? Das sollte eine Klimaanlage, die etwa 2000 Jahre ohne Service läuft, wohl schaffen! 😉

    Den Transporter fährt vermute ich mal entweder einer von den Sicherheitsmoglis oder die andere Frau, die mit Shaw den Kopf eingepackt hat. Dass keinem das Fehlen des Geologen und des Biologen auffällt, könnte der Hektik des Aufbruchs geschuldet sein. Warum sich die beiden nicht melden, als die Nachricht von Yanek kommt, ist mir allerdings auch schleierhaft.

    Warum sollte sich der Captain wegen Leichen aufregen, die schon seit 2000 Jahren tot sind? Der denkt sich warscheinlich, dass egal was die getötet haben mag auch schon lange genauso tot ist.

    „Riesendildo“ fiel wohl auch als Name während des Drehs immer wieder ^^
    Die unterschiedlichen Ergebnisse bei den Mutationen kommen von den unterschiedlichen Infektionsarten. Holloway wird mit einem Tropfen des schwarzen Öls infiziert, Shaw bekommt ihren Teil davon auf recht natürliche Weise ab, der Geologe saugt nen Grossteil mit dem Gesicht auf (was die relative Ähnlichkeit zu Holloway erklärt, die Intensität der Mutation ist halt wesentlich höher) und der Biologe wird von der Schlange gebissen und dessen Leiche taucht wenige Minuten später wieder auf, ich glaube, wenn Wayland sich auf den Weg zu seinem Schöpfer macht.

    Vickers hat die Notfalleinheit nicht umkonfiguriert, weil sie vielleicht nie davon ausging, da mal wegen nem „Frauenproblem“ reinsteigen zu müssen? Okay, schwaches Argument, aber ein besseres fällt mir auf die Schnelle nicht ein 🙂

    Wie man vielleicht merken kann, mag ich Prometheus sehr, was durchaus dazu geführt haben kann, dass ich mir viele Sachen so hinbiege, dass sie funktionieren und über andere Details grosszügig hinwegsehe. Aber selbst mit den Lücken bleibt ein – wie crosa schon schreibt – grossartig gefilmter und unterhaltsamer SciFi Streifen. An dem Anspruch, ein Alien-Film zu sein, kann man nach über 30 Jahren nur scheitern. Deswegen ist Prometheus auch keine direkte Prequel.

    1. hazamel sagt:

      Okay, HAL war auch nicht böse und der Roboter in Moon auch nicht 😉

      Der Film wird trotzdem, bis auf die Optik, bei mir nie einen Blumentopf in meinem Herzen gewinnen.

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