Kleine Albträume

Es gibt ja reihenweise Spiele, die sind so gruselig, dass man sie besser nicht im Dunkeln spielt. Oder mit Kopfhörern. Oder mit Kopfhörern im Dunkeln. Dead Space war so eines der ersten Kategorie. Da hab ich nach 20 Minuten erstmal ne Pause gebraucht, weil das Licht im Spiel ausging und ein Schraubenschlüssel runtergefallen ist. Danach ging bei mir das Licht an. Silent Hill auf der PSP fällt eher in die letzte Kategorie. Wenn dir ein Horrorspiel sagt: Tu dies! Tu es einfach nicht. Also ich zumindest nicht.

Little Nightmares gab es vor ein paar Wochen in Game Two. Optisch sehr ansprechend weil sehr künstlerisch und ein bisschen strange, aber nichts, was ich jetzt unbedingt kaufen würde. Es hat mich in erster Linie an Limbo erinnert. Viel laufen, viel sterben. Danke, ich bin noch mit Curse of the Dead Gods bedient.

Und dann hat es meine Frau aus der Bibliothek mitgebracht. Zum testen auf der Switch. Und nein, ich habe es nicht im dunkeln gemacht sondern an einem Sonntagmorgen mit einer Tasse Kaffee. Ich werde alt.

Zu Einstimmung ein kleines Video von sehr vom Anfang des Spiels.

Ohne weiter Erklärung werdet ihr als kleiner Typ mit ner Papiertüte auf dem Kopf durch einen Fernseher in einen finsteren Wald gesogen und trabt wie bei einem Sidescroller so vor euch hin. Aber eben nur wie ein Sidescroller, denn es geht nach hinten raus noch in die dritte Dimension. Jemand wie ich tappt dann auch gerne mal an der eigentlichen Rampe vorbei.

Wer sich dann im Laufe der Zeit fragt, ob er die Story verpasst hat: Ich glaube es gibt keine. Das Spiel möchte mit Wildnis, Schule, Krankenhaus, Stadt und Funkturm einfach nur verstörend sein. Verstörend bizarr schön. Oder sowas in der Richtung. Eine wirkliche Gruselversion von Nightmare before Christmas mit Kinderschuhen, die überall rumliegen, deformierten Körpern und abfallenden Körperteilen. Bei letzterem musste ich dann erstmal schauen ab wann das Spiel ist und es ist wirklich ab 16.

Relativ schnell findet ihr auch eine Freundin. Namenlos, keine Story. Soweit ich das aus Wikipedia verstanden habe, ist es wohl die Protagonistin aus Teil 1. Mit ihr müsst ihr aus dem Haus eines Jägers entkommen und durch mit Bärenfallen verseuchtes Gebiet fliehen.

Hello my friend

So weit, so gut. Wie gesagt bizarr ja, gruselig eher nicht. Vielleicht lag es am sonnigen Sonntagmorgen und dem Kaffee, dass der inhaltliche Horror nicht so recht rübergekommen ist. Denn der eigentliche Horror war dann doch was anderes: Die Steuerung des Grauens!

Im Spiel wechseln sich viele leichte Rätsel mit Schleichpassagen ab. Hin und wieder muss man aber auch mal flott laufen um nicht sein Leben zu verlieren. Zum Beispiel wenn einen ein Baumstamm verfolgt. Und da wird das Spiel, zumindest auf der Switch, echt zum Horror. Dem Analogstick fehlt es an Präzision, der Sidescroller mit räumlicher Tiefe lässt einen teilweise besoffen rumtorkeln. Blöd nur, wenn es genau dann darum geht eine Kiste zu erwischen oder auf einem Balken geradeaus zu balancieren. Oder wenn man von hinten schräg nach vorne springen muss um eine Schlaufe zu erwischen. Ich bin auf Grund der Steuerung gestorben. Oft. Nicht weil ich persönlich zu doof war sondern weil man einfach rumgeeiert ist. Dazu dann noch dieses unsägliche Vibrationsfeedback, das sich nicht einstellen lässt. Warum vibriert der Joycon, wenn ich mich an einer Kante hochziehe? Was will das Spiel mir damit sagen? Warum kann ich mich nicht an einer Kiste hochziehen, sehr wohl aber die Leiter hochklettern um dann zu einem Vorsprung zu springen der wesentlich höher ist? Das sind immer so Momente, in denen für mich die Immersion ein bisschen flöten geht. Meistens, weil ich minutenlang an einer Ecke probiere, ob ich zu doof bin. Was auch ein bisschen daran liegt, dass das Spiel einem nichts oder nicht viel erklärt.
Vielleicht wäre sowas mal eine Aufgabe für einen Kurs an der Uni oder der Schule: Spielen sie Little Nightmares 2 und interpretieren sie, was das Spiel sagen will.

Da kickt dann auch der Horrorfaktor nicht so. Wer sind die komischen Puppen in der Schule, die mich verkloppen wollen? Warum sind da Arme im Sack? Alles das hat am Ende nach ein paar Stunden zu einem Ergebnis geführt: Ich habe in der Mitte des zweiten Kapitels abgebrochen. War mir egal, das meine Begleiterin entführt wurde. Warum sollte ich sie retten, wenn ich nicht mal weiß wer sie ist und warum die garstigen Gnome sie entführt haben. Und nachdem ich das fünfte Mal in den Abgrund gestürzt bin, weil der Analogstick minimal auf dem Balken in die falsche Richtung gezeigt hat: Geschenkt.

Hätte ich dafür 30 € ausgegeben, ich hätte mich wahrscheinlich geärgert. Aus Interesse habe ich auch mal bei den Experten von der Fachpresse nachgeschaut, wie deren Fazit ausfällt. Und auch da Optik hui, Story und Steuerung eher so meeeew. Scheinbar lag es dann doch nicht nur am sonnigen Sonntagmorgen und dem guten Kaffee…

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