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Europa zu Gast in Unterfranken

Es gibt Worte, die liegen den fränkischen-Konsonantenverweichlichern einfach.

Europapokal (sprich: Eurobbabogal) ist so eins. Zudem eins, mit einem rollenden Bonus-r.

So trifft es sich ganz gut, dass die Baskets dieses Jahr in eben jenem Eurobbabogal mitspielen dürfen (Eurocup ist, was das Konsonantenverweichlichen angeht, eher doof). Neben dem normalen Liga-Betrieb also noch mindestens drei Heimspiele, in denen der Franke an sich zeigen kann, dass er nicht nur lethargisch sein kann, sondern ziemlich emotinal.

Und weil der Pokal immer seine eigenen Gesetze hat, war auch gestern Abend einiges anders: Die Videobande zum VIP-Bereich fehlte, es gab keine Stehplätze, kein Feuerwerk zum Einzug, TV Touring übertrug im Fernsehen und, wahrscheinlich um die Gäste nicht zu verschrecken, es gab keine Klatschpappen!

Zu Gast bei der Premiere war der mehrfache ukrainische Meister Asowmasch Mariupol, dessen Kader mit Ex-NBA und Nationalspielern gespickt ist. Eben „kein Fallobst“ wie es der Hallensprecher vor dem Spiel so schön auf den Punkt brachte.

Zu Gast waren aber auch noch ein paar Nachbarn aus dem Frankenland, auf die ich erst „dezent“ aufmerksam gemacht werden musste. Knapp hinter mir hatten es sich Wolfang Heyder, Chris Fleming und Stefan Weissenböck aus Bamberg bequem gemacht. Bisher dachte ich immer es wäre ein ziemlich dämliches Hollywood-Klischee, dass sich der Trainer einer anderen Mannschaft mit tief ins Gesicht gezogenener Basecap bei einem Spiel auf die Tribüne setzt um zu sehen, was einer der nächsten Gegner in der Liga so treibt.

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Chris Fleming hat mich eines besseren belehrt. Es hat irgendwie nur noch der Trenchcoat mit dem hochgeklappten Kragen gefehlt. Stattdessen gab es eine Brose Baskets-Jacke… So viel zu „Tarnung“.

Was er, und die übrigens etwas mehr als 2000 Zuschauer in der, überraschenderweise, nicht ausverkauften s.Oliver Arena gesehen haben, war eine nervöse Würzburger Mannschaft, der zu Beginn viele kleine Fehler unterliefen. Ich hatte schon Sorge, dass das eine eher einseitige Geschichte wird, vor allem als die beiden Center Jason Boone und Olli Clay sehr schnell Punkte sammelten… Leider nicht auf dem Score- sondern auf dem Foulboard.

Irgendetwas muss der Trainer den Jungs in der Viertelpause dann aber in den Tee getan haben, denn die Mannschaft spielte auf einmal so, wie man das normalerweise von den Baskets zu Hause gewohnt ist. Das Publikum hatte ebenso verstanden und machte auch ohne voll besetztes Haus und ohne Klatschpappen einen turnhöllenwürdigen Radau. Man merkte, dass die Mannschaft hier mithalten wollte und das trotz eines zwischenzeitlichen Rückstands von acht Punkten auch konnte und sich wenige Sekunden vor Schluss bis auf 31:33 herangekämpft hatte. Es gab in der Halle dann kein Halten mehr, als Dwayne Anderson mit einem Buzzerbeater die Halbzeit-Führung zum 34:33 auf die Seite der Gastgeber brachte.

Die Führung zur Halbzeit in einem Eurocup-Spiel der Baskets. Wer hätte das gedacht…

Leider ging es nach der Halbzeit in einer Hinsicht weiter wie vor der Halbzeit: Die Foulbelastung stieg. Und so standen die Baskets ziemlich schnell ohne echten Center da. Boone und Clay wurden mit jeweils vier Fouls auf der Bank geparkt, Alex King musste den „Aushilfs-Center“ machen.

Ich bin nicht der große Basketball-Experte, aber einige Spieler aus Mariupol und die drei Herren in schwarz haben sich in Würzburg gestern sicher keine Freunde gemacht. Wer dachte dass sein Fernseher kaputt ist, weil es zwischenzeitlich so gepfiffen hat, den kann ich beruhigen: In der Halle war es nicht anders. Und es war keine Rückkopplung. Außer man mag das Feedback der Fans auf so manche Entscheidung als solche bezeichnen.

Spielerisch blieb es bis kurz vor dem Schluss eng auf dem Parkett und laut auf den Rängen. Das bessere Ende hatten am Ende mit 81:77 die Baskets für sich. Erstes Eurocup-Spiel und erster Sieg. Besser hätte es gar nicht laufen können. Alles in allem ein großartiger Abend.

Und was machte Chris Fleming?

Der grinste. Warum, weiß man nicht… Vielleicht haben ihn die Würzburger Fans beeindruckt haben, vielleicht weil er eine Schwäche bei der Würzburger Mannschaft ausgemacht hatte.

Vielleicht auch, weil er schon an die Ansprache für seine Spieler dachte:

Jungs, letztes Jahr waren die Würzburger ja schon wahnsinnig.

Aber dieses Jahr sind sie noch bekloppter…

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