Ein Buch für den Mond

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Entweder ist es das Alter oder ich habe ein ziemlich sicheres Händchen entwickelt Bücher zu finden, die ein total mieses Ende haben.

Moonatics von Arne Ahlert war wieder so ein Kandidat für „Verdammt, das Essen brennt an. Ich muss den Roman fertig machen“. Oder noch eher „Verdammt, der Hund hat mein letztes Kaptiel gefressen“.

Es geht um Darian Curtis, der in der nicht all zu fernen Zukunft jahrelang sein Geld mit Work and Travel verdient hat und plötzlich einen dicken Batzen Geld von seinem Vater bekommt. Und was macht man in der Zukunft, wenn man auf einmal ein dickes Bankkonto hat? Richtig, erstmal in Rom schön die Birne wegsaufen und dann ab zum Mond Urlaub machen. Man kann sich dabei natürlich den Rucksack klauen lassen und vergessen seine Steuern auf die Einnahmen zu zahlen und dann nicht mehr vom Urlaub zurück auf die Erde können. Macht aber an der Stelle auch nichts, denn die Erde richtet sich gerade selber schön zu Grunde. Und auf dem Mond hat man einen Logenplatz um dem Spektakel beizuwohnen. Dann halt Work und Travel auf dem Mond. Dabei lernt man die Einheimischen eh viel besser kennen.

Nach 600 Seiten hinterlässt Moonatics einen leicht pelzigen Geschmack auf der Zunge wie nach einer Kneipentour bei der man schon ein paar Cocktails früher hätte aufhören sollen. Ahlert sammelt ein paar tolle Ansätze, von denen die meisten in der nicht vorhandenen Atmosphäre des Mondes jämmerlich nach ein paar Schritten ersticken. Die Erde selber ist nicht mehr zu retten, allerdings geht das im allgemeinen Partytrubel auf dem Mond unter und so scheint es auch im Buch keine weitere Rolle zu spielen, was eigentlich auf der Erde passiert. Das gerade die Firma, deren Aktien Darian verkauft hat, mehr oder weniger alles auf dem Mond herstellt, ist wahrscheinlich auch kein Zufall. Soll darauf angespielt werden, wie dämlich Darian eigentlich ist? Dass er eigentlich noch viel mehr Geld hätte machen können, wenn er die Aktien behalten hätte? Und was ist mit den „Bösewichten“? Die reiche Jetset-Gesellschaft bleibt einfach zu flach als dass man sie als Bedrohung wirklich ernst nehmen könnte. Wenn Alain und seine Entourage auftauchen und in die Handlung eingreifen, ist sehr schnell klar, dass irgendwas schlimmes passieren wird. Auch da bleibt die Geschichte und ihr Hintergrund sehr dünn. Die einzigen Sympathieträger sind eigentlich die Einheimischen mit dem Hippie-Einschlag, die sich aber sehr schnell als gar nicht so friedfertig herausstellen. Aber auch da bleibt das Buch eher vage. Und, wie am Anfang schon erwähnt, ist da wieder das Ende. Oder besser das nicht vorhandensein eines Endes. Es fehlt, man glaubt es nicht nach knapp 600 Seiten, gefühlt ein ganzes Kapitel. Nicht nur weil so viele offene Enden und fragwürdige Handlungsstränge noch offen sind. Nein, es wird einem auch noch mit einem fiesen Cliffhanger gewürzt. Wobei es im Grunde ja kein fieser Cliffhanger ist, da man ja weiß dass das Buch an der Stelle endet.

Kurz gefasst: Das Buch plätschert 500 Seiten vor sich hin, ergießt sich in der einen oder anderen philosophischen Ausschweifung und nimmt dann rasant Fahrt auf um den Leser am Ende vor den Kopf zu stoßen. Verschwendete Zeit war das Buch sicher nicht, denn ganz abwegig ist das für die Erde kreierte Szenario sicher nicht. Allerdings fühlt es sich ob der vielen offenen Fragen und Ende eben nicht rund an.

„Ganz nett“ würde es wohl am ehesten treffen, wenn mich jemand fragen würde wie es war. Es ist weder Fisch noch Fleisch. Nicht wirklich spannend aber auch nicht wirklich schlecht. Aber auch nicht konsequent genug in den Handlungssträngen. Und am Ende fehlt eben doch ein Kaptiel.

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