Dark Wood – Kopfkino vom feinsten

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Ich glaube, es gibt meinem Leben genau zwei (richtige) Bücher die ich mehr oder weniger an einem Stück weggelesen habe

  • Ein Ludlum-Thriller über ein in der Arktis abgestürztes Flugzeug
  • Den Marsianer

Dazu gesellt sich seit heute auch Thomas Finns neuer Mystery-Horror Dark Wood. Zwischenzeitlich hatte Frau Papiergeflüster schon Sorge, man müsse mir den eBook-Reader operativ entfernen.

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Finn verschleppt den Leser im Buch in eine abgelegenen Ecken Norwegens und lässt gleich eine ganze Horde von Werbe-Machern aus einer insolventen Werbeagentur auf ihn los. Diese versuchen in einer Trash-Survival-Show mit dem innovativen Name „SURVIVE“ ihre Firma zu retten. Schaffen sie es in einer Mischung aus „Ich bin ein Star…“ und Big Brother eine bestimmte Anzahl von Aufgaben zu lösen, bekommt die Firma 500 000 € zur Rettung und der „sympathischste“ Mitarbeiter 50 000 €. Dass es entwürdigend werden würde, ist der Truppe zwar schon vorher klar, aber man will sich wenigstens nicht gegenseitig in die Pfanne hauen. Also reist man in ein schönes Fleckchen Norwegens namens Trollheim, in dem es weit und breit vor allem sehr viel „Nichts“ gibt und stellt sich der Aufgabe. Dass dort immer wieder Menschen verschwinden, wird von allen Beteiligten natürlich als Aberglaube der Einheimischen abgetan. So lange zumindest, bis es den ersten aus der Gruppe erwischt…

Soweit hört sich der Plot erstmal an wie Standard-08/15-war-alles-schon-mal-da-Storyline an. Ist es aber nicht. Als Thomas Finn auf seiner Lesereise in Würzburg im März das erste Mal Teile aus seinem neuen Buch vorgelesen hat, war für mich schon klar, dass es genau meinen Geschmack treffen könnte. Kurz auf den Punkt gebracht: Hat es!

Ich habe das Buch um 20:50 als eBook gekauft und glücklich 800 eBook-Seiten später am Tag danach um 16 Uhr als gelesen markiert. Ja, ich habe zwischendurch geschlafen. Aber auch nur, weil mir schon die Augen beim lesen zugefallen sind.

Denn, auch wenn sich die Storyline auf den ersten Blick sehr simpel anhört, Tom Finn hat bei mir immer wieder eines geschafft: Jedes Mal wenn sich die Geschichte gerade in eine Richtung einfahren zu haben schien, hat er eine neue Wendung aus dem Hut gezaubert. Und zwar Wendungen und Enthüllungen, bei denen ich unbedingt wissen wollte wie es weitergeht. Allerdings ohne das klassiche Gefühl als wolle man das Buch jetzt noch künstlich nach hinten strecken, sondern sich harmonisch ins abgründige Gesamtbild der Geschichte eingefügt haben. Denn der Sumpf, den die Mitarbeiter der Werbeagentur da betreten ist tief… und sehr sehr schmutzig.

Und so hatte durchgehend Kopfkino und konnte mir sehr gut vorstellen, wie die Klischeemitarbeiter (Der alte Recke, der junge Hübsche, der dicke ITler, die graue Büromaus und der heiße Feger) versuchen, mit der Welt die sich ihnen da auf einmal bietet klar zu kommen.

Jedem, der auf die Art von Grusel- (Nein, echter Horror ist es jetzt nicht wirklich) und Mystery-Geschichten steht, kann ich das Buch nur wärmstens ans Herz legen.

So, und wann kommt jetzt der Film dazu?

Dark Wood
Thomas Finn

Droemer Knaur
464 Papier- und 806 eBook-Seiten
9,99 €

Gibt’s zum Beispiel beim Lieblingsbuchhändler (Digital schon jetzt. Papier dann ab 1. August)