Alles auf einer Karte

on

Post von der Krankenkasse.

Meistens bedeutet das Werbung für neue Bonussysteme oder Zusatzversicherungen.

Aber der eine oder andere wird, wie ich, in den letzten Tagen wohl auch Post der anderen Art von seiner Krankenkasse bekommen haben. Dieses Mal geht es um die eGK, die elektronische Gesundheitskarte. Und dafür, zumindest in meinem Fall, braucht die Krankenkasse ein aktuelles Foto.

An sich ist das mit der eGK eine tolle Idee.

Gewesen zumindest. Denn bei meinem ersten Kontakt damit vor 6 Jahren war es noch ein tolles Konzept. Damals war im Nixdorf-Museum in Paderborn eine Demonstrations-Installation aufgebaut. eGK zum anfassen.

Man bekam eine Karte und konnte den normalen Weg des Patienten nachvollziehen: Hausarzt, Spezialist, Apotheke… Die komplette medizinische Bandbreite eines 08/15-Bürgers in Deutschland.

Mein Hausarzt verschreibt mir ein Rezept, welches ich auf elektronischem Wege in der Apotheke einlösen kann. Der Spezialist muss Röntgenbilder für den Hausarzt nicht mehr per Post oder CD schicken sondern kann diese, wiederum über die eGK, zentral ablegen. Kein Warten, keine Rennerei. Dass mein Apotheker aber zum Beispiel nicht sieht, dass ich noch wegen anderer, delikaterer Dinge in Behandlung bin, dafür gab es die Funktion, Teile der Krankenakte zu sperren oder nur für bestimmte Personen mit Einwilligung des eGK-Besitzers zu öffnen. Tolle Idee an sich.

Besonders toll wurde es dann bei den Dingen, die man nicht selber in der Hand hat: Dem Notfall.

Patient ist nicht bei Bewußtsein, eGK ist aber z.B. für den Notarzt zugänglich. Dieser liest die kleine Karte aus, auf der neben Kontaktadressen für den Notfall auch die Behandlungshistorie, Allergien und gegenwärtig verschriebene Medikamente hinter legt sind.

Information überall von 0 auf 100 in wenigen Sekunden. Soll ja angeblich Leben retten können…

Wie gesagt, Stand 2006/2007.

Weniger als pragmatische Lebensretter bekannt sind ja unsere deutschen Datenschützer und Berufsparanioker.

Die haben der tollen Idee nämlich in den letzten Jahren mal ordentlich die Flügel gestutzt. So sehr, dass die Karte seit 2011 genau ein Feature mehr hat, als die als Kassenkarte:

Das Lichtbild.

Kosten für dieses tolle Feature: Milliarden… und zwar wahrscheinlich zweistellig.

Elektronische Patientenakte, elektronisches Rezept und die an sich tolle Funktion der umfassenden Information am Unfallort: Gestrichen.

Zumindest so lange gestrichen, bis eindeutig und zweifelsfrei bewiesen ist, dass es wirklich wirklich sicher ist, dass auch wirklich wirklich nie jemand dran kommt, außer er ist wirklich dazu berechtigt. In Deutschland ein langwieriger Prozess, der nicht selten durch staatlich und nicht-staatliche Institutionen, auf mal mehr oder mal weniger sachlich fundierte Art und Weise noch verzögert wird.

Ich sehe ein dass man bei solchen Daten auf jeden Fall auf den Datenschutz achten sollte, aber am Ende ist es für mich als Endkunde, der da auf dem Boden liegt viel interessanter, dass der Arzt der mich behandeln soll, weiß was ich für eine medizinische Vorgeschichte ich habe und nicht, bei einer angenommemem Unverträglichkeit auf Kortision erstmal fix Kortison spritzt, weil er es nicht besser weiß und auch erstmal nicht weiß wen er erreichen muss um das abzuklären.

Vielleicht sollte man mal solche Fälle untersuchen, statt sich darüber zu streiten ob das Ding sicher ist und wie viel und was es kosten darf.

Sonst stelle ich mir als Patient nämlich mehr denn je die Frage:

Was darf ein Menschenleben kosten?

2 Kommentare

  1. Madse sagt:

    Das Problem ist, dass da wieder unglaublich viel Geld dran hängt und Informationssicherheit inzwischen im Grundgesetz steht. Damit können die Berufsparanoiker mit Leichtigkeit jeden praktischen Ansatz umwerfen, indem sie einfach auf die Grundlage unseres Staates verweisen.

    1. hazamel sagt:

      Ich stell die Informationssicherheit auch nicht in Abrede. Das Problem ist eher, dass es da auch Helden gibt, bei deren Aussage man sich als „digital native“ einfach nur an den Kopf greift.
      Der Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein und sein Kreuzzug gegen Facebook sind da nur die Spitze des Eisbergs. Ich kenne das ja aus eigenem erleben, wie fachkundig und Erinnerungswillig da so mancher ist… 😉

      Und 10-14 Milliarden für ein Foto finde ich das schon hart 😉

Kommentare sind geschlossen.