Roomba-Randale

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Es hat ein bisschen gedauert, aber ich habe mir jetzt doch einen zugelegt.

Einen Roomba. Ein kleines Saug-UFO, das von alleine große Teile des Bodens relativ staubfrei halten soll.

Da er die ganze Wohnung sauber halten soll und nicht nur einen Raum, musste es also mindestens einer der 700er-Serie werden. Und da der kleine 700er keine Leuchttürme unterstützt und sich das bei ca. 60qm und fünf Räumen plus Flur dann doch empfiehlt, musste es der große werden.

Neu im Laden gibt es aber aktuell nur die Haustierversionen mit angepasstem Staubfänger und einem Virtual Halo, der den Fressnapf vor Heißhungerattacken des Roombas schützt. Da wir kein Haustier haben (Nein, es gibt keine Roomba-Cat bei uns!) wäre das doof. Also lieber den Ur-780er mit zwei Leuchttürmen.

How to get a Roomba?

Von „Flugs bestellt“ kann auf jeden Fall nicht die Rede sein, denn ich bin ne ganze Weile um das Ding rumgeschlichen wie die Katze ums Aquarium. Am Ende wurde es dann ein „Gebrauchter“ vom Großversandhändler bei dem in der Artikelbeschreibung weiter keine Macken und fehlenden Teile eingetragen waren. Im Gegensatz zu anderen mit leichten Kampfspuren. Ich habe also einfach mal impliziert, dass „Gebraucht – Sehr gut“ und nichts weiter heißt, dass der Kunde das Ding ausgepackt hat, mal probiert hat, festgestellt hat, dass es in seiner Wohnung nicht geht und er immer noch saugen muss und wieder zurückgeschickt hat.

So die Theorie.

Praktisch kam dann ein Roomba mit schon recht eindeutigen Kampfspuren, für den ich Samstagmittag noch schnell zur Post gejoggt bin. Das Paket war da seit kurz nach 12. Die Benachrichtigung von DHL kam dann gegen 18 Uhr. Gut dass ich um dreiviertel 1 nochmal in die Sendungsverfolgung geschaut habe…

Kampfspuren also, die man nur noch mit sehr viel wohlwollen als „Sehr gut“ bezeichnen kann. Aber er funktionierte. Anleitung fehlte auch, weswegen das Umstellen der Sprache von Französisch nur über den Weg über das Internet machbar war. Französin, die einem unter dem Couchtisch raus zusäuselt hin oder her, aber wenn sie einem nur sagt, dass der Akku leer ist, dann würde ich das schon gerne verstehen.

Wie sich dann nach und nach feststellte, fehlten auch die Ersatzfilter und die Ersatzbürsten, was dann am Ende in einer E-Mail an den Verkäufer und 50 € Erstattung endete.

Roomba im Einsatz

Aber egal was er sagt, wichtig ist doch das was raus, oder besser in den Staubfänger rein, kommt. Und das war ordentlich. Vor allem dafür, dass ich für meine Verhältnisse eigentlich dachte, dass ich ganz okay gestaubsaugt hätte. Ein paar Stunden vorher. Aber er saugt. Und findet notfalls noch Teile eines Tellers unter einem Schrank hinten in der Ecke, den ich vor zwei Wochen auf Flugtauglichkeit geprüft habe.

Standort

Das allererste Problem war aber, einen passenden Standort für die Basis zu finden. Super wäre ein Platz im Flur gewesen. Da ist aber weder Platz noch eine Steckdose.

Der Platz unter der Heizung im Wohnzimmer war dann in so fern doof, dass man mehr oder weniger schon drauf stand, wenn man vom Sofa aufstand. Außerdem hatte er scheinbar Probleme damit, dann seinen Heimweg zu finden. Sämtliche Orientierung findet per Infrarot statt. Auch etwas, was man wahrscheinlich im Jahr 2015 noch verbessern könnte…

Der zweite Standort ein Stück neben dem ersten hatte dann ein neues Hindernis: Ein Vorhang als Nachbarn. Kam der Roomba also in ungünstigem Winkel wie ein Gespenst im Vorhang an, konnte er das IR-Signal der Base nicht „sehen“ und hat diese einfach mal verschoben. Auch doof, da er den Leitstrahl zur Base immer direkt anpeilt.

Dritter Standort jetzt: unter dem Schrank in der Küche. Keiner sieht ihn, keiner stolpert drüber, aber er weiß wo er hingehört. Allerdings scheint er auch da Probleme zu haben wenn die Base falsch steht und er nicht mittig reinfahren kann.

Wegfindung

Ein Thema für sich ist auch die Wegfindung.

Theoretisch soll der Roomba einen Raum bis zum Leuchtturm sauber machen, bis er der Meinung ist, dass sauber ist und dann zum nächsten Bereich weiterzufahren und da das Spiel weiter zu treiben. Um das zu optimieren, habe ich noch zwei zusätzliche Leuchttürme gekauft und die Wohnung in aus meiner Sicht sinnvolle Bereiche unterteilt. Das braucht ein bisschen Übung und Finetuning und man muss verstehen wie der Roomba navigiert und arbeitet.

Aber auch hier muss ich sagen: Dafür dass iRobot auch Militärroboter herstellt, ist das ne ziemlich schwache Sache. Der Beschreibung nach bin ich davon ausgegangen, dass er weiß wo er schon überall war und so auch relativ zügig seinen Weg nach Hause findet.

Die Praxis sieht allerdings so aus: Das Wohnzimmer ist ein Bereich, der Flur ist ein Bereich von dem zwei weitere Bereiche abgehen: Küche und Schlafzimmer.

Er fängt also im Wohnzimmer das putzen an, fährt dann in den Flur und putzt da weiter und fährt dann in in die Küche.

Im Idealfall würde ich jetzt denken, dass er nach der Küche wieder in den Flur fährt, auf Grund der Kennung des Leuchtturms weiß dass er da schon war und den „unbekannten“ Schlafzimmer-Leuchtturm anpeilt.

Tut er aber nicht. Er ist da simpler gestrickt: Raum abgeschlossen, neuer Raum. Muss putzen. Also wurde der Flur zweimal gereinigt. Da er dann beschlossen hat, dass er trotz noch vollem Akku jetzt wieder sein Dock will, wurde das Schlafzimmer in dem Durchgang gar nicht gesaugt.

Auch die Suche nach Hause ähnelt eher E.T. als modernem Hightech-Spielzeug. Er fängt dann nämlich an rumzueiern, wo seine Homebase ist.

Meine Vorstellung war ja eher: Meine Homebase ist in Bereich A hinter Leuchtturm A also muss ich zu Leuchtturm A, der Bereich A und B trennt. Also zielstrebiges ansteuern von einem Leuchtturm nach dem anderen. So wie das früher auf dem Meer halt auch war.

Fehlanzeige. Auch hier hangelt er sich nach dem Zufallsprinzip durch den Raum und scheint drauf zu hoffen, dass er irgendwann den richtigen Raum trifft und in dem Raum dann den dünnen Leitstrahl seiner Homebase findet. Meine Erwartungen an intelligente Wegfindung sind da vielleicht auch zu hoch… Oder mein Roomba hat doch nen Schaden.

No-Gos

Ein paar No-Gos habe ich dann innerhalb einer Woche auch noch ausgefunden:

  1. Silbernes Duct-Tape auf dem Boden ist Dreck, der durch den Roomba wild kreisend beseitigt werden will oder gar nicht erst angefahren wird. Dass dadurch ein Kabel auf dem Boden befestigt ist, ist eher Nebensache.
  2. Unser Badezimmer ist eine Roomba-Falle: Rein ist die Schwelle flach genug, dass er hochfahren kann um dann ins Bad zu fallen und nicht mehr raus zu kommen. Dafür war am Ende das Bad sauber und der Roomba leer. Seitdem steht dort ein Leuchtturm als virtual Wall, damit man nicht immer drüber nachdenken muss ob das Badezimmer zu ist.
  3. Was auf dem Boden liegt, gehört ihm. Seien es Socken, die dann unter’s Bett und unter den Schrank verschoben werden, Schnürsenkel die eingesaugt werden und auch mit Anti-Tangle nicht mehr frei kommen und der Roomba dann mit dem Schuh durch den Flur Gassi geht.
  4. Schwarze Teppiche sind des Teufels. Ich weiß nicht warum, aber er schafft zwar die Kletteranstrengung über jegliche Türschwelle, er saß aber mehr als einmal weinend auf dem schwarzen Läufer vor meinem Bett und hatte Angst. Oder er traut sich nicht gleich gar nicht drauf.
  5. Er geht auf Konfrontationskurs. Wahrscheinlich liegt auch das wieder an den Sensoren. Ich hab da ja mit Mindstorms auch so meine Erfahrungen gemacht. Normalerweise bremst er vor Hindernissen um sie nur leicht anzustubsen. Das klappt nicht immer: Stuhl und Tischbeine oder Gegenstände die ganz knapp flacher sind als er selber sind Feinde die man einfach umfährt.

Saugfazit

Was ist also mein Fazit nach einer Woche RAV (Robot assisted vacuuming)?

Es sieht auf jeden Fall sauberer aus. Vielleicht ist das auch den fast täglichen Testfahrten zur Wegfindungsoptimierung geschuldet, aber es sieht nach einer normalen Woche zu Hause nicht so staubig aus wie sonst. Besonders der Teppich scheint sauberer zu sein. Und, das muss man fairerweise sagen: Er saugt überall wo er hinkommt. Also auch unter dem Schrank und unter dem Bett hinter dem Bettkasten, wenn er denn hinkommt.

Man sollte sich aber nicht der Illusion hingeben, dass man nicht mehr konventionell saugen muss. Er kommt mit seinen 35 Zentimeter Durchmesser eben doch trotz aller Tricks und der Seitenbürste nicht überall hin. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass man weniger saugen muss, weil vieles über die Woche, was sich sonst in den Ecken sammelt schon so weggesaugt wird, aber eben nicht alles. Runde Ecken kann der runde Roomba.

Aktuell haben ich ihn so programmiert, dass er dreimal die Woche seine Runde dreht, während ich auf der Arbeit bin. Die zwei automatischen Versuche diese Woche waren eher mäßig: Montag hat er sich im Bad eingesperrt, Mittwoch den Teppich im Flur so zusammengeschoben, dass er nicht mehr weitergekommen ist. Mal sehen was er sich für Freitag ausdenkt.

Man sollte die Funktion des Zeitplans auch wirklich nutzen um nicht zu Hause zu sein. Er rumpelt und rattert doch schon ganz ordentlich. Irgendwo muss die Saugkraft ja herkommen.

Abschließend ist es also vor allem eines: Ein Spielzeug. Ein nützliches, aber dennoch hauptsächlich ein Spielzeug. Und dazu noch eines, das einen erzieht.

Ein Kommentar

  1. ichhebgleichab sagt:

    Da brauchst Du echt kein Haustier mehr 😀

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