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Phänomen 3D-Drucker

Letztes Jahr als ich mit meinem frisch erworbenen 3D-Drucker-Führerschein in der Stadtbücherei saß, war ich mir noch ziemlich sicher: 3D-Drucker ist ja ganz nett, aber eigentlich brauch ich sowas nicht zu Hause.

Nachdem Anycubic vor ein paar Wochen aber großen Sale hatte (und immer noch hat, aber nicht mehr so sale-ig), habe ich mir doch einen bestellt. 230 € sind zum Ausprobieren verschmerzbar. Mittlerweile ist der i3 Mega S (Ja, das S ist wichtig!) wieder ein paar Euro teuer aber immer noch okay. Wer auf das S verzichten kann, und kein flexibles Material drucken will, kommt mit knapp 190 € aus. Und im Grunde ist da alles dabei: Stabiler Drucker, Filament, Versand, ein paar Ersatzteile. 14,8 kg Bastelspaß per Post.
Ja, der Mitarbeiter der Postfiliale wusste welches Paket meines ist…

Aufgebaut ist der Drucker wirklich so schnell wie versprochen. Danach fängt die Kategorie „Basteln“ an. Auto-Kalibierung: Fehlanzeige. Vieles in der Anleitung ist eher aus der Kategorie: Erschließt sich aus dem Kontext. Wofür die Stellschraube am Feeder ist, weiß ich jetzt auch, wird aber nirgendwo beschrieben (Andruckstärke des Zahnrads für TPU).

Danach steht dem Spaß aber eigentlich nichts mehr im Wege. Gut, abgesehen davon, dass man viel lesen muss. Die Standard-Einstellungen in Cura kann man nämlich getrost in die Tonne hauen und fleißig an Allerlei virtuellen Stellschrauben drehen um sein Ergebnis zu verfeinern und die Verarbeitungszeit zu optimieren.

Zeit ist nämlich genau so ein Faktor, der sich bis heute beim Drucker nicht geändert hat: Es dauert. Wer schön haben will, druckt mit 35mm pro Sekunde und das in 0.1mm Schichten. Wie lange da eine Simple 2,4mm dicke Platte mit 15x15cm dauert kann sich jetzt jeder selber denken oder ausrechnen. Vor allem wenn die Außenwände 1.2mm dick sind. Da kommt dann ganz schnell mal sowas wie „16 Stunden“ zusammen. Und das ist nur die geschätzte Dauer. Manchmal ist die Realität länger. Oder kürzer, wenn man seine Verarbeitungszeit optimiert hat. Aber so oder so: Es dauert.

Alleine laufen lassen würde ich das Ding nicht. Wir sprechen hier von heißem Plastik dass auf 215 Grad erhitzt wird…

Wo Wärme ist, muss natürlich auch gekühlt werden und das ist vielleicht einer der Schwachpunkte des i3: Die Lüfter. Nicht einmal die Lüfter selber wie oft vermutet wird, sondern schon das Gehäuse. Es hat Löcher, Luft wird angesaugt und macht Krach. Umgekehrtes Prinzip einer Blockflöte. Zum Glück gibt’s bei Thingiverse schon genügend mehr oder weniger technisch ausgefuchste Lösungen um das anzupassen. Deswegen hat mein Drucker schon ein neues Gehäuse um den Extruder. Und einen neuen Kühler für’s Hotend. Und wahrscheinlich damit auch schon keine Garantie mehr, weil ich den Stecker für den Lüfter an den neuen Lüfter bauen musste.

Was ist jetzt das Phänomen beim 3D-Drucker?

Ich dachte ja Anfangs: Bäh, ganz viel CAD und so… Und keine Ahnung was ich damit machen soll.
Pustekuchen! Eigentlich läuft er durch. Tardis in Blau, weil blaues Filament gekauft, Todesstern-Diorama, weil cool, neues Gehäuse, weil leise.
Taucht man einmal in Thingiverse ab, erschließen sich plötzlich unzählige sinnvolle und sinnlose Anwendungszwecke.
Limitierender Faktor: Zeit und Bauraum.

Ich bin, überraschend, glücklich mit dem Ding. Muss ich ehrlich zugeben. Ich habe bisher nichts sinnvolles damit getan, aber ich könnte, wenn ich wollen würde.
Will ich aber glaube ich nicht.

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