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Handschellen aus dem Drucker

3D Druck war für mich bisher immer so ne Sache, der ich eher gespalten gegenüber stand. Auf der einen Seite ist es eine sehr lustige Spielerei, die mich als Geek schon reizen würde. Dem gegenüber stehen aber auch zwei gewichtige Gegenargumente: Zum einen der Einstiegspreis für einen brauchbaren 3D Drucker und dann die Frage: Was damit machen außer Spielereien?

Der Makerspace der Stadtbücherei Würzburg hat einen 3D Drucker und möchte den natürlich auch den Kunden zur Nutzung zur Verfügung stellen. Über meine Frau wanderte dann die Aussage, dass ich da imperiale Handschellen hätte, zu einem der Kollegen, die den Makerspace betreuen. Der war gleich Feuer und Flamme. Der erste Versuch zumindest mal zu probieren, ging voll nach hinten los. Der Drucker streikte nach kurzer Zeit und es mussten erst Ersatzteile her. Letzte Woche war es dann aber so weit: Zusammen mit vier anderen machte ich meine offizielle „3D Drucker Lizenz“, also die Erlaubnis im Rahmen der Öffnungszeiten das Gerät auch selber benutzen zu können.

Was ich ein paar Tage später dann gleich in die Tat umgesetzt hat. Vielleicht war Samstag vor Weihnachten nicht uuuuunbedingt der ideal Zeitpunkt. Ich war auf jeden Fall ein Hingucker hinten in der Ecke und habe im Rahmen meiner Möglichkeiten viele Fragen zum 3D Drucker beantwortet.

Da, wie gesagt, „im Rahmen der Öffnungszeiten“ und ich keine Lust hatte wirklich einen ganzen Tag den Drucker zu hypnotisieren, habe ich vorher die Druckdatei ein bisschen angepasst. Neben den Möglichkeiten die die Drucksoftware selber bietet, war es ein ziemlicher Kampf eine Software für Doofe zu finden, mit der man die Druckdateien ganz einfach anpassen kann. Spoiler: Gibt es nicht. Ich bin am Ende bei FreeCAD gelandet und habe da noch einiges an Zeit gebraucht, bis ich die Funktion gefunden habe, mit der ich einfach was wegschneiden konnte.

Das ganze noch kleiner gemacht und im schnellen Modus: Und schon braucht ein Viertel der Handschellen nur noch etwas über eine Stunde. Am Ende waren es dann grob geschätzt viereinhalb bis fünf Stunden, an denen ich dem Drucker beim quietschen zugehört habe (Falls jemand das Geräusch der Nadeldrucker vermisst hat… Es ist wieder da), mich zurückgehalten habe auf die Frage „Ist das ein 3D Drucker?“ nicht mit „Neee, ein Luftbefeuchter“ zu antworten und ein Gespräch über Nachhaltigkeit von 3D Druck auf Kunststoffbasis ertragen habe.

Rausgekommen ist da dabei dann zweimal sowas

Kleben, schleifen und lackieren war in die Zeit noch nicht eingerechnet.

Ironischerweise kam zeitgleich dann das „Original“ mit der Post an. Ich konnte also direkt vergleichen. Die Disney-Version ist eher für Kids und schmale Handgelenke. Meine für Wookies.

Was habe ich aus meinem ersten 3D-Druck dabei gelernt?

Langsamer ist immer besser. Ich glaube, wenn ich sowas zu Hause stehen hätte, hätte ich nicht den schnellen Modus genommen, sondern normal oder hübsch. Dann kann man das den ganzen Tag laufen lassen und muss nur hin und wieder mal schauen ob noch alles im grünen Bereich ist. Wobei man sich von „Schnell“ nicht verwirren lassen sollte. Zum einen ist die Stabilität und die Qualität immer noch ganz ordentlich, zum anderen ist „schnell“ eben doch immernoch eine Sache von Stunden.

Wäre das jetzt eine Sache für zu Hause? Jein.

Brauchbare 3D Drucker die aus der Box funktionieren sind gar nicht mehr so teuer. Man muss da keine vierstelligen Beträge mehr ausgeben. Ein Kollege hat einen für etwas mehr als 300 € und ist ganz glücklich mit. Im Ranking der besten 3D Drucker kommt er an sechster Stelle gleich hinter vielfach teureren Modellen.

Bleibt der zweite Punkt meiner anfänglichen Skepsis. Ich befürchte ich würde so einen 3D Drucker ungefähr so oft nutzen wie ich einen herkömmlichen Drucker auch verwende. Und etwas zu schreiben oder ein Bild zu drucken hat eine wesentlich kleiner Einstiegshürde als der 3D Druck. Soweit ich das bis jetzt kennengelernt habe, ist es immer noch ein Nischenprodukt bei dem man technisch schon sehr versiert sein muss, wenn man seine eigenen Kreationen erschaffen will, die über die Grundformen und Komibnation dieser hinausgehen. Ich glaube, da führt kein Weg um CAD oder 3D-Programme wie Blender vorbei. Und das ist für den Normalo-User kaum machbar. Vergleichbar wäre das, wenn man für jedes Urlaubsbild das man drucken möchte erstmal den kompletten Bearbeitungsprozess in Photoshop oder Affinity machen müsste.

Sollte man sich trotzdem mal damit auseinandersetzen? Hell yes! Es ist wirklich faszierend der Kreation beim wachsen zuzusehen. Das sollte man sich auf jeden Fall mal gegeben haben. Wer also die Chance hat, sich so einen 3D Drucker mal in Aktion anzuschauen: Einfach machen.

Der StaBü empfehle ich übrigens einen Kurs: 3D Druck Ü50. Die Herren waren am zweiten Druck-Tag sehr interessiert und ich glaube, das ist ein bisschen wie mit der Seilbahn auf der Landesgartenschau: So traut man sich das wahrscheinlich nicht, weil man vor der „Jugend“ nicht als doof dastehen will.

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