Fit by bit

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Zugegeben, ich bin ein Spätzünder, aber diese ganze Fitness-Tracker-Geschichte hat mich jetzt auch erwischt.

Spätestens mit dem Einzug des Nexus 5 und seinem dedizierten Schrittzähler war das Thema schon relativ akut.

Dummerweise versäuft so eine Schrittzählerapp doch ne ganze Menge Akku. Moves hat da zwar in letzter Zeit nachgebessert, wobei ich mich frage, wo der Vorteil ist, wenn die App statt den Schrittzähler ständig anzupingen im Standby-Modus dann kontrolliert ob ich mich bewege indem sie die GPS-Daten auswertet. So oder so hängt das Ding ziemlich am täglichen Akku-Budget. Außerdem will ich mein Handy auch nicht immer in der Tasche haben.

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Gerade auf den häuslichen Kurzstrecken habe ich es dann doch nicht dabei sondern es liegt netzoptimal irgendwo in der Wohnung.

Bleibt also nur eine Lösung, die weg ist vom Handy. Ein dediziertes Gerät… Wie widerlich! Aber ich habe ja auch eine richtige Kamera und einen richtigen mp3-Player.

Die Auswahl, das ist mir ziemlich schnell bewusst geworden, ist da ziemlich groß, was solche Fitness-Dinger angeht. Es geht mir ja auch weniger darum, dass mich das Ding aktiv verleitet mich zu bewegen sondern viel mehr einfach nur monitort. Und als eine Art schlechtes Gewissen fungiert, wenn ich mich mal faul auf dem Sofa lümmle.

Letztlich ist meine Wahl dann auf ein fitbit Flex gefallen. Vorallem weil preislich annehmbar, vom Funktionsumfang her genau das was ich eigentlich wollte und dezent.

Ich habe auch überlegt mir den Stick zuzulegen (Okay, eigentlich habe ich den sogar präferiert…) aber wie ich mich kenne, hätte ich ihn dann doch ziemlich schnell mitgewaschen oder in der Hose vergessen.

Geliefert wird das Ding zusammen mit zwei Armbändern und einem USB-Dongle. Der eigentliche Sensor ist nicht sonderlich groß und kann ins Armband gesteckt werden. Der Akku wird über eine USB-Halterung geladen und hält angeblich zehn bis 14 Tage.

Anleitung gibt es übrigens nicht. Die besteht nämlich nur aus vier visitenkartengroßen Zetteln auf denen in vier Sprachen steht, dass man eine URL aufrufen soll.

Die Synchronisation über das mitgelieferte Dongle klappt sehr gut. Wenn das Gerät geladen ist. Denn, und das ist für mich mittlerweile schon ein klein wenig ungewohnt, das Gerät ist nur minimal vorgeladen und hat bei mir erstmal ne ganze Weile gebraucht, bis die gewünschten drei von fünf Lichtern geladen waren.

Das mit dem USB-Bluetooth-Dongle habe ich auch nicht so ganz verstanden. Handy und iPad finden und synchronisieren einwandfrei über die Bordmittel. Nur am Mac war über das Onboard-Bluetooth nichts zu machen. Es wird von der Software schlicht ignoriert. Oder ich habe bis jetzt keinen Weg gefunden…

Ansonsten ist das Armband sehr dezent. Geblinkt wird nur wenn man es schlägt und auch dann nur kurz um anzuzeigen wie viel Prozent seiner täglichen Schritte man schon hinter sich gebracht hat. Der Alarm und die Lightshow beim erreichen des Tagesziels sind beim ersten Mal noch gewöhnungsbedürftig.

Zum Schlaftracking ist es auch okay, wobei ich da ganz klar zwei Sachen sagen muss:

Durch den Vibrationsalarm alleine würde ich nicht wach werden. Wahrscheinlich müsste mir das Ding da schon Stromschläge versetzen.

Das aktivieren und deaktivieren des Schlafmodus ist schon so nach Sache für sich. Laut Beschreibung soll man das Armband ein bis zwei Sekunden antippen bis das Leuchtspiel des Schlafmodus angeht.

Bei mir sieht das in der Realität so aus, dass ich es erst sanft versuche und nichts passiert bevor ich zum Button-Masher mutiere und auf’s Armband einhämmere. Der „stille Alarm um den Partner nicht zu wecken“ ist somit hinfällig, aber ich schätze, dass es zum Wecken dazugehört,weil man dann schlagartig wach ist und den Kreislauf in Schwung hat. An der Stelle ließe sich an der Usability sicher noch schrauben.

Aber das wichtigste an so einem Schrittzähler ist am Ende ja eh was ganz anderes: Die Schritte und wie präzise das Gerät misst.

Dazu kann ich, ganz ehrlich, nichts sagen!

Zwischen Moves und dem fitbit gab es die eine oder andere Abweichung. Auch der Schrittzähler meiner Freundin fand, dass sie sich viel weniger bewegt hat als mir mein fitbit gesagt hat. Die Wahrheit liegt also wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Auch die Distanzen, die die Auswertung angibt sollte man durchaus mit Vorsicht genießen. Ich laufe auf der Straße halt doch anders, als wenn ich mich in der Wohnung vom Wohnzimmer zum Kühlschrank bewege.

Kühlschrank ist auch ein gutes Stichwort. Die Auswertung erfolgt nämlich über Bluetooth und kann dann per App oder Online-Dashboard begutachtet werden. Mir gefällt die Auswertung online wesentlich besser. Dort kann dann auch gleich erfasst werden was die Waage am Morgen böses gesagt hat und ob man sonst noch aktiv. Erfasst werden kann auch was man so den Tag über zu sich genommen hat. Extra dafür wird eine Datenbank angepriesen in der schon alles mögliche vorgegeben ist.

Nach den ersten Versuchen habe ich schlicht kapituliert. Kaffee gibt es dort zum Beispiel nur als Kaffee aber ohne einen Wert für „Milch und Zucker“. Mein Gewissen freut sich dann, weil Kaffee hat nur ein paar Kalorien. Also zumindest dann, wenn man weiß wie viele Flüssigunzen eine Tasse Kaffee hat.

Sucht man nach meinen geliebten Oreos bekommt man zwar was angezeigt aber eben nicht die Kekse sondern gleich das Oreo-Eiscreme. Alles in allem ganz nett, aber mir schon wieder zu viel Aufwand, das was ich verzehre dann auch noch manuell zu erfassen (Der Eintrag „Leberkäs‘-Weck“ mit der Größeneinheit „Scheibe, fingerdick“ fehlt übrigens auch…)

Was bleibt am Ende also:

Erstmal die Erkenntnis, dass ich mich meistens gar nicht so wenig bewege. An einem normalen Tag mit zur und von der Straßenbahn nach Hause und der Runde in der Mittagspause komme ich schon auf meine 8000 Schritte. Wie gesagt, die Kilometeranzahl ziehe ich da schwer in Zweifel. Ich fände es erschreckend wenn ich mich am Tag zwischen 6 und 9 Kilometern bewegen würde (Abgesehen davon dass ich das nicht glaube…)

Und dann auch die Einsicht, dass einem das Ding doch ein bisschen in den Hintern tritt, auch wenn ich es jetzt so direkt nicht zugeben würde.

Wenn mich nur zwei Lichter anblinken, wie am Sonntag, dann geht man halt nochmal vor die Türe und bewegt sich ein bisschen. Auch wenn es, wie am Sonntag, nicht das perfekte Wetter ist.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie lange der Effekt noch anhält.