Bildlich gesprochen

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Ich bin kein Profifotograf.

Und das was ich an Ausrüstung zu einem Basketballspiel mitschleppe, dürfte nur ein Bruchteil dessen wert sein, was die großen dabei haben.

Ich will aber auch gar keiner sein. Mir reicht es, wenn ich ein paar brauchbare Bilder schieße und freue mich einfach, dass ich bei einem Bundesliga-, oder sogar Eurocup-Basketballspiel, bei „den Großen“ sitzen darf. Mitfiebern aus der ersten Reihe.

Aber selbst was dabei habe ich eines schnell gelernt:

Material ist alles.

Mein Kamera hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel und war damals schon nicht das High-End-Spitzenmodell. Brauchte es auch nicht sein. Wie gesagt, ich will ja nicht zu den Großen gehören.

Umso amüsierter war ich dann beim letzten Heimspiel. Der Herr neben mir, ordentlich in Hemd und Hose, hatte scheinbar zu Weihnachten oder zum Geburtstag ein neues Spielzeug bekommen. Eine Digitalkamera. Mit einem Reisezoom.

Tja, das Ding heißt Reisezoom, weil man es so schön mit auf Reisen nehmen kann. Bei seiner Reise in die Turnhölle hat er sich aber wahrscheinlich weder schöne Bilder eingefangen noch Freunde gemacht. Denn auch wenn man da viel steht, es gibt feste Regeln, wann man sich gefälligst in seine Sitzschale zu setzen hat. Das wurde ihm auch, sogar mehrfach und sehr freundlich, mitgeteilt. Seiner Frau war das auch schon fast peinlich…

Dass wir es hier mit einem „echten Profi“ zu tun hatten, hat man gleich mal an einer Reihe kleiner Feinheiten erkennen.

Da wäre zunächst die lässige Art, wie der Kameragurt zwischen seinen Armen baumelte. Frei wie ein Vogel. Direkt über dem Abgrund zum VIP-Bereich. Warum auch ums Handgelenk schlingen oder um den Hals hängen…

Echte Profis fotografieren auch nur über Live-View, habe ich mir sagen lassen. Und gerade bei einem schnellen Sport wie Basketball wird so etwas wie der Burst-Modus oder ähnliches vollkommen überschätzt. Echte Profis machen ein Bild und treffen damit zielsicher ins Schwarze.

Warum ich mir speziell für solche Situationen dann auch noch ein bockschweres und sündhaft teures Objektiv gekauft habe, frage ich mich nach diesem Abend auch. Ein Drittel des Kaufpreises hätte es sicher auch getan um lässig mit einem 3,5-6,3/18-250-Objektiv an der Brüstung zu lehnen.

Letztlich konnte ich also nur über den Vollprofi neben mir nur grinsen. Die anderen weniger. Dass er und seine Frau die Mannschaft nicht angefeuert haben und dafür auch noch anderen Leuten die Klatschpappen geklaut haben, das steht auf einem anderen Blatt.

Letztlich war es vor allem für einen ne ziemlich peinliche Nummer: Den Profifotograf…

…und ich hoffe ich habe laut genug mit meinem Vater gelästert.