Von Handbüchern und Intros

on

Altersbedingt bin ich in einer Zeit groß geworden, in sowohl Intros wie auch Handbüchern bei Videospielen eher Mangelware waren: Dem glorreichen Ende der Ära C64 und Amiga 500. Und damit wohl auch der beiden Heimcomputer, die wohl nicht ganz unschuldig waren am Durchbruch der Videospiel auf den Heimcomputer.

Ernsthafte Intros waren damals, schon speicherplatzbedingt, nicht wirklich vorhanden. Ich selber kann mich bis auf das aus Zak McKracken oder Monkey Island an keines erinnern, was wirklich den Name „Intro“ im heutigen Sinne verdient hätte. Einführungen gab es nur in Adventures… bei allem anderen wurde das ganze entweder vollkommen übersprungen oder in, mal mehr, mal weniger hässlichen,  Textpassagen zum selberlesen innerhalb einer Bildschirmseite erklärt. Wen interessierte damals schon, warum man mit einem Flugzeug über eine Landschaft flog und auf Dinge schoß und Bomben abwarf? Außerdem war nicht einmal bei allem eine Lokalisation vorhanden, was dann eh schon das Ende jeder Bemühung bedeutet.

Ganz andere Legenden ranken sich um die Handbücher, die Computerspiel-Götter wie Geoff Crammond oder Sid Meier wahrscheinlich, ähnlich der zehn Gebote, vom Olymp der Videospiele persönlich heruntergetragen haben. Leider muss wohl ein Großteil der in Stein gemeißelten Instruktionen dabei zu Bruch gegangen sein (Moses soll es nach dem Buch Brooks auch nicht viel anders ergangen sein), so dass ich davon nur Fragmente zu Gesicht bekommen habe. Kultstatus dürften auch hier wieder die Code-Scheiben der LucasArts-Spiele haben, die meist schlecht kopiert auf einem Schraubenzieher oder ähnlichem aufgespießt ihr Dasein fristeten. Vielleicht lag es aber auch viel mehr am „normalen“ Vertriebsweg, den Videospiele damals genommen haben. Nur dass es eben damals keine Tauschbörsen im Netz waren sondern Austausch auf dem Schulhof, im Bekannten- oder Freundeskreis mit jemand von dem man wusste dass er jemanden kannte der jemanden kannte. Wie neu auf dem Markt das Spiel war, war damals fast unerheblich.

Wenn dann aber doch mal ein Orginal den Weg zu einem fand, war die Lage bei den Hand“büchern“ meist auch nicht viel anders: Statt eines umfangreich gedruckten Handbuches hatte ich manchmal einfach nur einen lieblos schwarz-weiß betexteten DIN A3-Bogen vor der Nase, auf dem die drei Spiele der Compilation erklärt wurden. Fertig.

So war es Teil des Spieles, erst einmal herauszufinden, wie das Spiel überhaupt zu steuern ist oder um was es überhaupt geht. Die flache Hand über Tastatur ziehen und schauen was passiert, war durchaus ein gebräuchliches Mittel. Und nicht selten kam es vor, dass man nach Jahren noch durch Zufall einen neue Funktion entdeckte, die man bis dato noch gar nicht kannte, geschweige denn geahnt hatte, dass sie in diesem Spiel existiert.

Solche alternativen Spielszenarien werden in heutigen Spielen hochgejubelt. Für uns war das damals normal.

Was hat das ganze aber mit der heutigen Videospielwelt zu tun?

Nun, ich scheine immer noch, oder wieder auf Grund der sehr dünnen Handbücher, darauf geprägt zu sein, Intros und Handbücher weitestgehend zu ignorieren. Aufgefallen ist mir das zuletzt als ich vor ein paar Wochen die Neuauflage von Sid Meier’s Pirates! per Steam erstanden habe.

Ich meine, es handelt sich um Pirates!

Nimm Segelschiff, schippere durch die Karibik, schleppe hübsche Töchter ab und werde der tollste Pirat der Karibik.

Bis ich mir dann doch mal das (textunterlegte) Intro und das (pdf-)Handbuch angeschaut habe:

Das was ich da so für das Spielziel hielt, ist eigentlich nur ein Nebenprodukt. Es gibt wirklich eine durchlaufende Story und wenn man sich mal die Infos im Handbuch anschaut, findet man auch noch Funktionen, von denen man bis zu diesem Zeitpunkt nichts geahnt hat.

Vielleicht wär mir früher auch das eine oder andere Spiel logischer erschienen, wenn ich verstanden hätte um was es geht, ein Handbuch gehabt hätte oder es ein einleitendes Intro gegeben hätte…

…aber wo wäre da, wie heute, der Spaß geblieben, immer wieder neue Dinge zu entdecken und in einer durcherklärten und -digitalisierten Welt noch seinen Entdecker- und Forscherdrang auszuleben? Ich werde mich also auch weiterhin hin und wieder von kleinen Dingen überraschen lassen und genau diesen Drang ausleben.